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des Ministers Kraus. Der Reichstag that noch mehr, und beschloß ein Disciplinar.gesetz für die Jnsurgentenarmee, welches auf Befehl des Ministeriums von der nieder-östreichischen Landesregierung kundgegeben wurde; aber den Landsturm aufzubieten,dazu brachten ihn weder die dringenden Vorstellungen der Demokratenführer noch diePetition des Frauenvercins, welche (am 17.) von den Bittstellern persönlich in dasNeichstagsgebäude gebracht wurde. Ähnlich verhielt sich der Reichstag bei der Kundevon dem Anrücken der ungarischen Nationalarmee. Er verwahrte sich in einemöffentlichen Anschlage gegen das Gerücht, als hätte er den ungarischen Truppen ver-boten, die östreichische Grenze zu überschreiten, erklärte jedoch, stets durch das Organdes Sicherheitsausschusses, dem Banus: der Reichstag habe die Truppen nicht indas Land gerufen und könne sie ebenso wenig hinausdecretiren. Der Grund dieserZurückhaltung war nicht schwer zu errathen. Der Reichstag, welcher das Zielloseder Revolution nach der Entfernung des Kaisers einsah, und nicht im Stande war,aus den zerfahrenen Wünschen der Bevölkerung ein neues, positives Negierungspro-gramm zu formuliren wollte nicht die Brücken hinter sich verbrennen, klammertesich krampfhaft an die bisjetzt eingenommene neutrale Stellung und hielt an seinervermittelnden Rolle fest. In dieser Ansicht mußte ihn das Betragen der demokra-tischen Partei befestigen, deren Häupter, wie Tausenau, Hafner, schon wenige Tagenach dem Ausbruche der Revolution Wien herlaffen hatten.
Zwei kaiserliche Manifeste brachten die Entscheidung näher. Am 16. Oct.wurde Fürst Windisch-Grätz mit dem Oberbefehle über alle Truppenkörper (die ita-lienische Armee ausgenommen) betraut, am 22. die Vertagung des Reichstags undsein Zusammentritt in Kremsier zum 15. Nov. proclamirt. Gegen beide Maßregelnwurden Gegenadreffen erlassen, zudem der vom Fürsten und Feldmarschall Windisch-Grätz über Wien verhängte Belagerungszustand in der Reichstagssitzung vom 22. Oct.für ungesetzlich erklärt. Auch dafür fand der Reichstag bei dem Minister Kraus,wenigstens theilweise, Billigung und Unterstützung. Wie dieses seltsame Benehmender Regierung, deren eine Hälfte mit dem Reichstage ging und gegen alle Gewalt-maßregeln protestirte, während die andere Hälfte die Widerstandsmittel gegen Wie»organisirte, zu erklären sei, schwankten stets die Meinungen. Gewiß ist es, daß dieseDoppelrolle die Macht der Volksbewegung brach und zum Siege der RegierungS-politik wesentlich beitrug.
Daß Fürst Windisch-Grätz auf die Reichstagsproteste kein Gewicht legte, unddiese sowie die Intervention der deutschen Reichscommissare Welcker und Mosle un-berücksichtigt ließ, war begreiflich. Der Reichstag hatte auch keinen Augenblick aneinen Erfolg seiner Schritte geglaubt, und wollte durch seine matten Widerstands-versuche nur die aufgeregte öffentliche Stimmung beschwichtigen. Seine innere Kraftwar schon längst gebrochen. Seit dem 20. Oct. mußten alle möglichen Mittel auf-gewendet werden, um die beschlußfähige Zahl von 192 Mitgliedern zusammenzu-bringen, und schon an diesem Tage überstieg die Summe der Anwesenden jene Zahlblos um — zwei. Wie lange der Reichstag beschlußfähig blieb, wurde nie bekannt.Die Einen glaubten an betrügerische List und versicherten, die Plätze wären theil-wcise von Nichtdeputirten ausgefüllt worden, die Andern beschworen das Gegentheil.Wenn man die Zahl der Mitglieder, welche die Diäten für den Monat October inEmpfang nahmen, als Maßstab festhält, so fehlte es nie an der beschlußfähigen Zahl-Noch gingen in den letzten Octobertagen Reichstagsdeputationen zwischen Olnmtzund Wien hin und her, noch blieb der Sicherheitsausschuß berathend und ver-mittelnd beisammen, aber von Einfluß und Gewicht auf den Gang der Dinge warder Reichstag nicht im geringsten. Das Drama zu Ende zu führen, blieb aus-schließlich der Waffengewalt vorbehalten.
Der erste Act der Revolution hatte, wie wir gesehen, mit der Erstürmung deskaiserlichen Zeughauses und der Bewaffnung des Proletariats geendet, welches imVereine mit den Resten der Studentenlegion und einigen Fremden, namentlich pol-nischen Corps, die eigentliche Vertheidigung der Stadt führte. Die Nationalgarde