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Zehnter Band.
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-274 Ostreich.

nahm auch die am 30. Oct. im Hauptquartier entworfenen Bestimmungen überdie Entwaffnung bereitwillig an, freilich um einige Stunden spater die Erklärungabzugeben, daß er keine Macht über die bewaffneten Haufen besitze, und die Ent-waffnung durchzuführen außer Stande sei. Das Oberkommando enthielt sich allermilitärischen Maßregeln und ließ die undisciplinirte» Banden ihren Weg gehen.Diese wollten an die Niederlage der Ungarn keineswegs glauben, blieben unter Waffen,schimpften und tobten, wurden durch widersprechende Befehle der Führer von einemPunkte zum andern getrieben, reizten den Feind durch fortwährendes Feuern, undhinderten auf diese Weise den Abschluß der Convention, ohne daß der Stand derDinge geändert ward. Im Innern der Stadt verübte diese Bande gräuliche Ex-cesse: sie stahlen und plünderten zwar nicht, bedrohten aber die persönliche Freiheitder Einwohner in solchem Maße, daß selbst bekannte Demokraten, wie Blum undFröbel, sich nicht auf die Straßen wagten. Die Nacht verging unter unbeschreib-licher Aufregung, erhellt durch die Raketen, welche vom Stephansthurme aufstiegen,uni den Ungarn die Noth der Stadt kundzugeben. Die Scenen des 31. Oct.,des letzten Tages, welchen die wiener Demokratie erlebte, die maßlose Verwirrung,welche überall herrschte, die Action hinderte und zersplitterte, sind unbeschreibbar.Durch die Stadt zogen bewaffnete Haufen, die Eine» um der erhaltenen Ordre ge-mäß die Waffen niederzulegen, die Andern, um auf den Kampfplatz zu eilen. Aufder Universität wurde das Studentencomite um Angriffsbefehle bestürmt und, da esdieselben mit Hinweisung auf die eingegangene Capitulation verweigerte, als feigeund schwarzgelb beschimpft. Auf dem Stephansplatze waren Kanonen aufgefahren,um Jeden niederzuschießen, der etwa in gewaltsamer Weise die Entwaffnung herbei-führen wollte. Der Eingang zum Stephansthurine wurde bewacht, damit Niemanddie schwarzgelbe Fahne aufpflanze oder das Sturmläuten hindere. Die Basteienwaren von fanatisirten Banden besetzt, welche die weißen Fahnen, die man an ein-zelnen Punkten zum Zeichen der Unterwerfung aufpflanzte, zu Boden rissen. Nochim Laufe des Vormittags hatten die kaiserlichen Truppen alle Vorstädte occupirk.Gegen Mittag begab sich eine Deputation des Gemeinderaths vor das Burgthor,um dem Fürsten Windisch-Grätz in officieller Weise die Stadt zu übergeben. Kaumhatte aber die Deputation das Burgthor im Rücken, als von der Burgbasteidie Kanonen erdröhnten, svdaß die näher gerückten Truppen mit einem heftigenFeuer begrüßt wurden. Nach einem später umlaufenden Gerüchte soll ein Frauen-zimmer hier die Proletarier zum Kampfe fanatisirt haben.

Unter diesen Umständen hielt es Fürst Windisch-Grätz für'höchste Zeit, die ul-lima ratio anzuwenden. Das schwere Wurfgeschütz war bisher aus begreiflichenGründen gespart worden. Wenn nämlich durch die Beschießung Grundeigenthumzerstört wurde, so trug nicht die Mobilgarde, nicht die Aula und der demokratischeClub, sondern das conservalive Bürgerthum den Schaden davon. Jetzt sah manaber von allen Kostenrücksichtcn ab und begann den dem Burgthore zunächstliegen-den Sradttheil mit Granaten und Raketen zu beschießen. Aus welchen Gründengerade diese Geschosse gewählt waren, welche die kaiserliche Burg der Gefahr derZerstörung preisgaben, ist nicht recht klar. Es scheint', als ob die Stallburg, derSitz des revolutionären Hauptquartiers, und das Neichstagsgebäude vorzugsweiseangegriffen werden sollten. Einzelne Kugeln zündeten und versetzten die Hofbiblio-thek und die Augustinerkirche in einen glücklicherweise bald gelöschten Brand. Nach-dem so Schrecken und Bestürzung aufs höchste gesteigert, ward der Sturm auf dieStadt besohle». Noch ehe aber die Ottochaner Grenzer durch das halb zerstörteBurgthor einstürmten, hatten die Vertheidiger der Bastei die Waffen weggeworfenund die Flucht ergriffen. Ebenso wenig stießen die kaiserlichen Truppen am Kärnt-ner Thore auf ernsten Widerstand. Von 6 Uhr an rückten Bataillon auf Ba-taillon in die Stadt. Die Truppen besetzten alle Posten, entwaffneten die Mobilenund lagerten bei Wachtfeuern auf den öffentlichen Plätzen. Die Demokraten warenplötzlich unsichtbar oder wenigstens unkenntlich geworden. Man versichert, daß weder