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Östreich.
fürt machte, wenn es Thatsache, daß aus den Patronen, die man den Kämpferngeliefert, die Kugeln herausgezogen, andere mit Sägespanen gefüllt waren, wennKanonen zwar gegen den Feind geführt, aber nicht abgefeuert werden durften: dannist es freilich schwer, an den Verrath nicht zu glauben. Nur möchte aber Messen-häuser, schon seinem ganzen Wesen nach, den geringsten Theil daran haben, obschonihn das Mistrauen der Demokraten und Clubs immer verfolgte und in dem Adju-tanten Fenncberg ihm einen Aufseher setzte.
Mit Messenhauser erstiegen Goldmark, Blum und Andere den Stephansthurm.Daß eine Schlacht in der Richtung von Schwechat im Gange sei, ließ sich trotzdes starken Nebels an dem Blitzen der Kanonen erkennen. Messenhauser benach-richtigte das am Stephansplatze ungeduldig harrende Volk durch folgenden Zettelvon den Vorgängen: „Man steht deutlich ^in Gefecht hinter Kaisers-Ebersdorf, ohnedie kämpfenden Truppe» oder den Kampf des Gefechts ausnehmen zu können."Um 12^ Uhr wird ein zweiter Zettel vertheilt: „Die Schlacht scheint sich gegenOberlaa und Jnzersdorf zu ziehen. Bisjeßt scheinen die Ungarn im siegreichen Vor-schreiten begriffen zu sein. Im Falle ein geschlagenes Heer sich den Mauern der Stadtnähern sollte, so wird es Pflicht aller Wehrkörper sein, sich auch ohne Commandounter das Gewehr zu stellen." Um 2 Uhr brachte ein dritter Zettel Nachricht,daß die Schlacht sich offenbar gegen Wien näher ziehe — also die Ostrcicher vorden andringenden Ungarn zurückwichen. Schon aus das Gerücht von, Anzüge derUngarn hatten Viele wieder zu den Waffen gegriffen und die Basteien besetzt. Mitder vermeinten Gewißheit vorn Siege der Ungarn kam nun vollends die leidenschaft-lichste Kampfwuth über einen Theil der Bevölkerung. Daß dieser Theil nicht deransässigen Bürgerschaft angehörte, sondern meist zur Arbeiterclasse zählte, ist selbst-verständlich. Durch kein Commando mehr im Zaume gehalten, überall Verräthereiwitternd, eröffneten einzelne Scharen der Mobilgarde, ohne sich um die abgeschlosseneKapitulation zu kümmern, von den Basteien und in den Vorstädten das Feuer ge-gen die Kaiserlichen. Andere Scharen durchzogen tobend die Straßen, mishandel-ten alle Schwarzgelbcn und Unbewaffneten und drohten mit Brand und Mord,wen» man sie nicht zum Kampfe führe. Am meisten aber richtete sich der Haßgegen Messenhauser. Eine Deputation des Studentencomile in Begleitung einigernoch nicht geflüchteter Demokratenführer erstieg den Stephansthurm und drang inMessenhauser, sein Amt an Fenneberg abzutreten. Lange zögerte Messenhauser, un-terstützt von Goldmark, welcher daran erinnerte, daß der vom Ministerium undReichstage ernannte Commandant seine Stelle auch nur in die Hände dieser Be-Horden niederlegen könne. Endlich gab er, immer heftiger bedroht und harter ange-lassen, nach und erklärte sich zur Abdankung bereit. Damit waren aber der Ee-meindcrath und der Neichstagsausschuß keineswegs einverstanden. Namentlich fürch-tete der erstere von dem übel berüchtigten Fenneberg überspannte Schritte und einerücksichtslose Behandlung der dem fremden Abenteurer gleichgültigen wiener Inter-essen. Messenhauser's Gutmüthigkeit ließ nun den drohenden Zwiespalt nicht auf-kommen, indem er gemeinschaftlich mit Fenncberg das Commando zu führen be-schloß. Aber auch jetzt blieb Messenhauser seiner frühern Überzeugung treu, daß dieStadt unhaltbar sei, und ermähnte in neuen Proclamationen zum Frieden. AuchFenneberg und Haug, der Chef des Gcneralstabes, sprachen sich in gleichem Sinneaus. Schon am Abend des 30. war die Niederlage der Ungarn und ihr Rückzughinter die Leitha bekannt geworden. Woher sollten also die Mittel genommen wer-den, den kaiserlichen Truppen erfolgreich zu widerstehen! Nach Haug's Angabe fehltees sogar seit drei Tagen an Munition, welche „ vcrrächerisch von einzelnen Indivi-duen unterschlagen worden", und außerdem reichten die Lebensmittel nur noch fürwenige Tage aus. Ein traurigeres Bild der Verwirrung, als Wien am 30. und31. Oct. darbot, läßt sich nicht denken. Der Reichstag hüllte sich in das tiefsteSchweigen. Der Gemeinderath hatte seine Unterwerfung bereits eingegeben undDie Gegenwart. X. 18