276 Lebcnsmagnetismus — Magie.
durch unerwartete und schwer erklärliche Krisen zur Gesundheit übergeführt wird, so-wie in die dunkeln und doch so sichern Jnstincte des Zugvogel« oder Insekts, daßman alle solche unbewußte Strebunge» gewissermaßen von der Seele loslosen, sieals etwas nur der Lebenskraft Ungehöriges und an sich Nicht-Seelisches ansehen, kurzdaß man dieses unbewußte nicht, gleich dem bewußten Seelenleben, als eine beson-dere Phase der Psyche selbst anerkennen wollte. Gegenwärtig ist es vielleicht ehermöglich, hierüber richtigern Auffassungen zu begegnen, und vorauszusehen, daß Wahr-heiten, wie sie Aristoteles schon aussprach, wenn er sagte: „Die Seele ist die ersteWirklichkeit eines natürlichen gegliederten Körpers " *), wieder mehr in die Erkennt-niß der Gebildeten eingedrungen sind, und dann allein wird cS auch unternommenwerden können und zwar mit Hoffnung eines wirklich befriedigenden Erfolgs, nichtnur über jenes geheimnißvolle Reich des Unbewußten an sich, sondern auch über Alles,was nur darauf ruht und nur von da seine Erklärung erhalten kann, allgemeinverständliche Aufschlüsse zu geben.
Daß nun Alles, was unter dem Namen des Schlafs, des Traumlebens, desSchlafwachens, der prophetischen Exaltation, und ganz besonders des Lebensmagnetis-mus oder Mesmerismus, begriffe» zu werden pflegt, wesentlich in jene Kreise gehöre,bedarf nach dem Vorhergehenden kaum der Bemerkung, und wenn ich es im Nach-folgenden unternehme, den gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntniß überalle diese Vorgänge und zwar zugleich mit Beziehung auf magische Pendelschwingungen,Tischbewegungen und sogenannte Tischgeister im Umrisse zu zeichnen, so begreift manalsbald, daß es schlechterdings unmöglich sein würde, dies in irgend befriedigendemMaße zu thun, wenn ich nicht zuvor es zu erlangen vermöchte, von dem Reiche desunbewußten Seelenlebens selbst wenigstens die ersten und grundwesentlichen Momentezu lebendiger Auffassung zu bringen.
Hakte ich daher oben vorläufig es ausgesprochen: das Unbewußte der Seele fallemit Dem zusammen, was wir in uns „die Natur" nennen, so darf ich nun sogleichschärfer und deutlicher darüber mich auslasten und es geradezu auch als ein Gött-liches in uns darstellen. Denn kann wol überhaupt bei hellerer Beleuchtung dasWort „Natur" einen andern Sinn haben als den des ersten Göttlichen, des Gött-lichen in der Erscheinung des leiblich Werdenden? Dasselbe, was die Weltkörpcrihre Bahnen führt, was sich in der Krystallisation der Schneeflocke regt, wie in derBildung des Küchleins im Ei, und was die Pflanze entwickelt und reift: es ist dieeine allgemeine Offenbarung des ewig schaffenden göttlichen Geistes, welcher, inwieferner (um mit Aristoteles zu reden) als die erste Wirklichkeit eines natürlichen geglie-derten menschlichen Körpers erscheint, damit zugleich die erste noch durchaus unbe-wußte Form der Seele ebenso bedingt, wie er dann späterhin, wenn dies neugebil-dcte menschliche Wesen durch seine Organisation mit der Welt in Verbindung ge-treten war, die Entwickelung dieser Psyche auch zum bewußten Geiste ursächlich ver-anlaßt und seht. Einzig und allein dadurch also, daß wir einsehe» und anerkennen,jenes göttliche eigenthümliche Sein, welches wir unsere Seele nennen, wirke in derersten Phase seines sich Darlehens durchaus als ein Unbewußtes und sei als solchesin seinem Wesen und Erscheinen aller andern Natur, d. h. allem andern göttlichenUnbewußten der Welt, wie es in den Lebenskreisen der Gestirne und aller Bildungin und auf der Erde sich offenbart, innigst verwandt, und indem wir ferner unsüberzeugen, auch dann, wenn in einer zweiten höher» Phase dieser Seele ein eigenesBewußtsein sich erschlossen hat, bleibe nichtsdestoweniger jenes anfängliche Unbewußtein seiner ganzen Geltung und eben deshalb auch in seiner steten Beziehung zu allemandern Unbewußten um uns her, werden wir dazu gelangen, uns den richtigen Be-griff zu bilden von der Stellung deS Menschen zur Welt überhaupt und von derArt und Weise insbesondere, wie Naturwirkung in der Seele tausendfältig wider-klingen und die Seele wieder ihrerseits mächtig aus alle Natur zurückwirken könne.
*) „Von der Seele", II, 1.