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Zehnter Band.
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289
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Lebensmagnetismus — Magie. 289

seh, daß Alles, was so während der Herrschaft des Unbewußten in ihr vorgegangenwar, beim Erwachen durchaus vergessen erscheint.

Indem hiermit die Zustände eines besonders hervorgehobenen Unbewußten derSeele, welche durch künstliche Mittel und namentlich infolge des Mesmerismus sichzuweilen entwickeln, als höchst merkwürdig und eigenthümlich anerkannt sind, mußindeß nun auch hinzugefügt werden, daß man unmöglich größere Reihen von Beob-achtungen über Fälle dieser Art durchgehen kann, ohne sich zu überzeugen, daß ge-rade in diesen Regionen des geistigen Zwwlichts doch zugleich breiteste Gelegenheitgegeben sei zu gar manchen Irrthümern, Übertreibungen, ja absichtlichen oder un-absichtlichen Täuschung?», sodaß hier stets mit größter Umsicht bei der Beurtheilungsolcher Fälle verfahren werden muß, wenn man sich vollkommen sicherstellen will,ein reines Factum zu erhalten. Die Veranlassung zu dergleichen Täuschungen gibtaber nie das Unbewußte an sich, sondern immer das noch irgendwie fortwirkende, aberdurch mancherlei Gründe, als: Eitelkeit, Sucht Aufsehen zu erregen, verborgeneLeidenschaftlichkeit, mitgebrachte Vorurtheile und Beschränktheit überhaupt, zuweilenwol selbst durch Gewinnsucht bestimmte, an sich geringe und getrübte, oder sogardurch den Magnetiseur selbst auf Abwege geleitete Selbstbewußtsein. Wenn die Ge-schichte der Medicin Fälle aufzählt, wo Kranke, nur um Aufsehen zu erregen, sichJahre lang große Nadeln unter die Haut einstachen *), odeik Steine in die Harnwegeeinbrachten, um sich an dem Erstaunen der Ärzte zu weiden, wenn diese bei ihrenOperationen dann dergleichen fremde Körper zu Tage brachten, so mag man denken,wie oft die Bewunderung einmaliger unwillkürlicher Aussagen halbmagnetisch Schla-fende zu neuen Aussagen brachten, welche nun nicht mehr rein und ursprünglichwaren. Eine fast fünfundvierzigjährige ärztliche Praxis, während welcher ich selbstnur in einzelnen gewählten Fälle» den Mesmerismus, dann aber auch zugleich mitgroßem Erfolg angewendet habe, und welche mich manche fremde, Aufsehen erregendeFälle mit hat beobachten lassen, hat mir gezeigt, welche Vorsicht angewendet werdenmuß, auf diesem Felde Wahrheit zu erreichen, und welche Täuschungen hier oftmalsmikunterzulaufen pflegen. Von höchster Wichtigkeit ist es daher, daß im Allgemeinenbei allen dergleichen Fällen eines beim Magnetismen hervortretenden höhern mesme-rischen Zustandes nicht nur sorgfältig verhütet wird, der Kranken nach dem Erwachenirgend etwas von ihren Aussagen und Traumvorgängen mitzutheilen, sondern daßman durchaus vermeiden müsse mit dergleichen Personen zu cxperimcntiren, sie aufirgend eine Weise zur Schau zu stellen, kurz irgendwie diesen geheimnißvollen Zu-stand zu stören, in Unordnung zu bringen und für äußere Zwecke zu benutzen. Legtman diesen strengen Maßstab an, so wird die Zahl vieler magnetischer Wunder-geschichten stets nur bis auf wenige in jeder Hinsicht untadelige und wahrhafte zu-sammenschmelzen, und ich kann wol sagen, daß auch von Denen, die in den Bereichmeiner Erfahrungen gekommen sind, nur Wenige diese Prüfung ausgehalten haben, zu-mal da in allen Denen, die ich selbst behandelte oder behandeln ließ, ich stets ge-strebt habe (und gewiß zum Vortheile dieser Kranken) die Wirkungen des Magne-tismus nur auf der Stufe des einfachen Schlafs zu erhalten, jene höhern Stufenvon Traumwache» und Clairvoyance aber durchaus zu vermeiden. Von Denen, die^ese Prüfung aushielten, war einer der merkwürdigsten der Fall einer ganz einfachenBauerdirne auf dem Rittergute Sahlis meines verehrten Freundes Dr. Crusius zuLeipzig — ein Fall, dessen Begutachtung mir sowie dem verstorbenen ProfessorHeinroth zu Leipzig und Oberhofprediger von Ammon zu Dresden vorgelegen hat,und bei welchem sich, unter ebenfalls sehr einfacher magnetischer Behandlung einesLandchirurgen und unter Tagebuchführung des Ortsgeistlichen, Alles von Vorher-

-) Ein Fall, der sich neuerlich wiederholt hat und abermals von dem wahrscheinlich in d-rLiteratur dieser Fälle wenig bewanderten Arzte als Folge „ einer verschluckten M gNähnadeln" angesehen worden ist.

Die Gegenwart. X.