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Zehnter Band.
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288 Lebensmagnetismus — Magie.

auch noch leise umfaßt werden, worauf der Magnetiseur seine Hände ganz ablöst undin einem abgewendeten Bogen allmälig sie abermals zu einer zweiten Tour zumHaupte des Kranken führt. Von hier geht er jetzt wieder über den Hals herab,aber diesmal an den Seiten der Brust herunter, um in der Herzgrube wieder beideHände mit den Daumen zu vereinigen und so einige Zeit zu verweilen, worauf aber-mals an den Seiten des Körpers herunter, dann an den Hüften weiter herab undso bis zum Fuß und den Fußspitzen gegangen wird, welche letztem dann abermalsleise erfaßt werden können, worauf die Tour wieder durch den abgewendeten Bogender Hände beendigt wird, um, dafern es nöthig, nun noch ein oder mehre malwiederholt zu werden. Sind örtliche Zufälle vorhanden, so können diese das längereAuflegen, selbst gelinde Drücken der Hände fodern, selbst ein Anhauchen des kran-ken Theils kann zuweilen nützlich sein, aber dies Alles muß nach Umständen bestimmtwerden und läßt hier keine weitere Schilderung zu. Im Allgemeinen laßt man einesolche einmalige Behandlung nur 5 — 10 Minute», höchstens eine Viertelstunde fort-setzen, und wiederholt sie dann entweder täglich oder bei chronischen Leiden nur einbis zwei mal die Woche.

Die Empfindungen, welche Magnetisirte haben, werden verschieden beschrieben.Das häufigste und allgemeinste, was gefühlt zu werden Pflegt, ist eine Art vonStrömung oder Rieseln durch den ganzen Körper, ähnlich Dem, was Kranke, welcheheftigen Krämpfen und besonders epileptischen Anfällen unterworfen sind, gewöhnlichals eine Art von unten aufsteigender Strömung, gleich einem Luftzuge (die soge-nannte aurn epilspties), beschreiben. Diese Empfindung beruht jedenfalls auf einerUmstimmung der Jnnervationsströmung selbst und wird also nothwendig auch zumersten Zeichen, daß wirklich eine Einwirkung stattfinde. Steigert sich dann dieseWirkung, so pflegt ein Gefühl von Müdigkeit im Magnetisirte» sich zu zeigen undes ist dies nothwendig ein Beweis, daß nun die Jnncrvationsspannung im Hirn sichändert, daß die großen Hemisphären allmälig ihre mächtige Stellung vorübergehendHerabstimmen, das Selbstbewußtsein sich schwächt und das Unbewußte überwiegendwird. Endlich erfolgt wirklicher Schlaf, welcher dann sehr verschiedene Zeiten manch-mal stundenlang dauert und nicht selten mit vermehrter Hautthätigkeit oder wirk-lichem Schweiß endigt. Ist die Einwirkung vollständig und günstig gewesen, so er-wacht die oder der Kranke mit Wohlgefühl, Beruhigung seiner Leiden und Stärkung,ist die Wirkung ungünstig oder unterbrochen gewesen, so ist auch das Befinden dannweniger gut. Übrigens müssen oft mehre, ja viele Sitzungen vergehen, ehe Schlafeintritt, zuweilen erfolgt er aber auch unmittelbar und andere mal wol gar nicht,und dessenungeachtet ist vielleicht die Einwirkung günstig; kurz hier kommen höchstverschiedenartige Abänderungen vor. Begreift man aber, daß überhaupt auf solcheWeise künstlich derselbe Schlaf herbeigeführt werden kann, von dessen natürlicher undallgemeiner Entstehung wir früher gehandelt haben, so ist nun auch klar, daß dieverschiedenen Formen, welche wir an dem von selbst erfolgenden Schlafe kennen lern-ten, nun ebenso auch dem künstlichen nicht fremd sein können und in demselben zu-weilen gleichermaßen beobachtet werden müssen. So tritt denn auch in dem magne-tisch Schlafenden — ja in ihm jedenfalls leichter, weil an sich schon der Zustand einaußergewöhnlicher ist — das sonst Seltenere hervor: es entsteht bei dem so Einge-tauchtsein in den Wcsenkreis des Allgemeinen der Natur, das Schlafwachen, dergeregelte Traum mit Clairvoyancc gemischt, das Schlafwandeln *), ja der Jnstinctdafür, was dem Organismus zur Zeit besonders heilsam sein könnte, tritt mit einemmal schärfer hervor, und überhaupt eröffnet sich ein bestimmterer Rapport mit ge-wissen Seiten der Außenwelt; auch kommt das Fernsehen, es kommt als eine Artdes Somnambulismus das Sprechen, aber gewöhnlich mit anderer Betonung undSprachweise vor u. s. w., und zugleich hält die Seele auch hier streng das Ge>

*) Man hat wol auch die Benennung des „Hochschlaf«" für diese Zustände angewendet,em Name, den ich lieber vermeide, da er leicht zu Misverständniffen führt.