306 Lebensmagrietisvrus — Magie.
rechtsherum schwingen, und ohne daß ich diese Bewegung veranlassen will, erfolgtsie wirklich), und ein anderes mal kann er auch von wirklich unbewußte» Vorstellun-gen ausgehen (z. B. es sei eine besondere Empfindlichkeit gegen die Nähe elektri-scher oder magnetischer Körper, oder gegen Wasserausdünstung vorhanden, und esist sofort sehr wohl möglich, daß die Fingermuskeln welche die Ruthe oder denPendel halten, nun sofort durch eine auf solche Weise veranlaßte Umstimmung imNervensysteme denjenigen unbewußten Nerveneinfluß erhalten, welcher diesen Instru-menten die eine oder die andere Art von Bewegungen unwillkürlich mittheilt). DieMöglichkeit beider Arten von Bewegungsanregung wird hiernach vollkommen ver-ständlich geworden sein. Was dagegen die Wirklichkeit, das wirkliche Vorkommenin jedem einzelnen Falle betrifft,' so kann sie nothwendig, inwiefern das eine maldiese, das andere mal vielleicht jene Ursache zu Grunde liege, einzig und allein durchgenaue Beobachtung und Unterscheidung eben dieses Falls selbst sich ergeben. Che-vreul, in dem angeführten Briefe, fand bei seinen Selbstbeobachtungen, anfangs:eben weil er die Vorstellung hatte, der Pendel könne sich wol in der von Amorettiund Andern angeführten Weise bewegen, so bewegte er ihn auf diese Weise völligunbewußt und unwillkürlich; befestigte er dann Arm und Hand so, daß jene unbe-wußten Muskelbewegungen sich dem Faden nicht mittheilen konnten, so blieben auchdie Pendelschwingungen aus. Aehnliche Resultate gaben mir selbst meine vor äOJahren schon angestellten Beobachtungen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß wol diemeisten dieser Versuche nur auf diese Weise gelangen und selbst die genannten Ex-perimentatoren ihre Resultate Dem verdankten, daß sie sich in diese Theorie hinein-gedacht hatten. Hiermit ist indeß keineswegs erwiesen (und hierin muß ich vonHrn. Chevreul entschieden abweichen), daß es nicht Menschen geben könne und wirk-lich gegeben habe, welchen eine sehr weitausgedehnte Wahrnehmungssphärc für Me-talle und Quellen eigen war (hat man doch an Somnambulen ganz ähnliche Beob-achtungen entschieden machen können), und deren unbewußte Nervenumstimmungendann zur Folge hatten, daß bei dergleichen Einwirkungen leichtbcwegliche Körper inihren Händen sofort anfingen, ohne daß die Individuen es wollten, in Schwingungenzu gerathen, Schwingungen, woran ihnen selbst nun erst die Nähe solcher Körperzum deutlichern Bewußtsein kam; ja es ist mir höchst wahrscheinlich oder vielmehrgewiß, daß ohne solche Vorgänge ursprünglicher Wasser- und Metallfühler, denendiese ihre Eigenschaft selbst einmal durch irgend einen Zufall bemerklich wurde, unddie dadurch zuerst ebenso überrascht sein mußten, als es zuweilen Individuen sind,wen» sie plötzlich eine entschieden heilsame lebensmagnetische Kraft in sich gewahrwerden, die Aufmerksamkeit auf diese Gegenstände überhaupt nie erweckt wordenwäre. Man prüfe daher jedesmal, wo irgend Versuche dieser Art angestellt werde»sollen, mit der allergrößte» Schärfe, und ich wiederhole es, in der Mehrzahl werdenwahrscheinlich immer die Erfolge der sogenannten „magischen" Schwingungen nurdie sein, welche das experimentirende Individuum vorher sich gedacht hatte; alleinman lege auch das Vorurtheil ab, als könnten nicht Personen vorkommen, dereneigenthümliche Sensibilität von den polaren Verhältnissen der Körper in sich undgegeneinander von Haus aus die natürliche Kunde hat und dieselbe nach außen ver-rathen könne, durch unbewußt mitgetheilte Bewegung an Pendel oder leichtbewcglicheStäbe und Ruthen. Man lese z. B. die Wahrnehmungen, welche von Pennet oderEmilio Garnen gemacht worden sind *) und Ähnliches, und man wird auf den rich-tigen Standpunkt sich zu stellen im Stande sein.
Nach all Dieseni wird denn auch noch mit einigen „Worten der Experimentezu gedenken sein, welche abermals in neuerer Zeit im Übermaße und oft bis zurAbsurdität wiederholt worden sind, indem man Schwingungen lcichtbeweglicher Kö^per zur Beantwortung bestimmter Fragen benutzt hat. Man erkennt leicht, daß ichhier das schon oben genannte „Sicbdrehen" oder „Schlüsseldrehcn" im Sinn habe-
*) A. a. O. bei Amoretti, übersetzt von Kiefer, S. 88.