Band 
Zehnter Band.
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Lebensmagnctiörnus — Magie.

Bindet man einen größer« Schlüssel mit dem Barte fest in ein mäßig schweresBuch und unterstützt nun den Ring des Schlüssels durch die Spitzen zweier Zeige-finger von verschiedenen Personen, so wird cS nicht lange dauern und durch dieunsichtbaren oscillirenden Bewegungen der Haltenden wird eine Links - oder Rechts-drehung des Schlüssels erfolgen. Gibt man dann der einen die Bedeutung der Ver-neinung, der andern der Bejabnng der Frage, oder legt man einen Kreis von Buch-staben unter, welche durch die Mehr - oder Wenigerdrehung des Buchs angezeigtwerde» können, so kann der kleine Apparat zur Beantwortung von Fragen allerdingsbenutzt werden. Allein auch hier ist es natürlich immer nur der Fragende selbst, der,und zwar wenn er nicht geradezu betrügt, auf eine ihm selbst unbewußte Weise,entweder die Frage so beantwortet, daß nur die Antwort ausgesprochen wird, die erselbst schon im Stillen vorausgedacht hatte, oder dem auch in einzelnen Fallen, wol eineihm selbst ganz unerwartete, geradezu durch Hingebung seines Unbewußten bestimmteAntwort hervortritt. Eine solche wirklich sozusagen „weissagende" Antwort dürftedann ganz dem weissagenden Traume oder einer Art von zweitem Gesichte gleichge-stellt werden, ein Fall, der freilich immer nur bei einer besondern Naivität des Ge-müths des Fragenden vorkommen wird und überall viel Sorgfalt und Reinheit desGeistes zu seiner rechten Unterscheidung erfodert.

b) Tischrückcn und Geisterklopfen.

Es gab dem Verfasser dieses Aufsatzes eine eigene Empfindung, als, bald nach-dem er eben seine Vorlesung über Geistesepidemien der Menschheit*) veröffentlichthatte, die Manie des „Tischrückens" wie eine rasch sich verbreitende Influenza, nurdiesmal in umgekehrter Richtung, nämlich von Westen nach Osten (da sonst dieEpidemien mit der Sonne zu gehen pflegen) über Europa sich verbreitete. ESwar in der Osterzeit 1853, als in Bremen auf Nachrichten aus Neuyvrk die erstenVersuche dieser Art angestellt wurden, und unter dem 30. März berichtete ein aner-kannt glaubwürdiger und durch seine Arbeiten über commercielle und sociale Fra-gen rühmlichst bekannter Mann, vr. K. Andrer, in der „Allgemeinen Zeitung"(1. April 1853) über ein von ihm beobachtetes sich Fortbewegen eines etwa 60 Pfundschweren Tisches nach Bildung einer durch Händeauflegen geschlossenen Kette von achtPersonen, Herren und Damen, von welchen indeß eine ausscheiden mußte, da sie diedurch wechselseitige Berührung entstandene Nervenströmung nicht aushalte» konnte.Die sieben übrigen Personen hatten über eine halbe Stunde am Tische ausgehalten.Dann fährt Andrer fort: „Während mir eben ein bejahrter Herr auseinandersetzt,wie zu so vielen Thorheiten nun noch eine neue komme, schreien die Damen amTische auf, und alle Sieben rufen wie aus einem Munde: «Ergeht, er bewegt sich»,und so war es auch. Erst fängt die Platte an sich langsam hin und her zu nei-gen, auf und ab; dann beginnt der Tisch selbst zu rücken. Wir Umstehenden ziehenden Sieben von der Kette, welche diese geschlossen halten mußten, rasch die Stühleweg und nun läuft der Tisch, welchen 14 Hände lose berührt hallen, sich nachNorden fortrückend und zugleich um sich selbst kreisend, reichlich vier Minuten aufdem Teppich so rasch umher, daß die Kette kaum folgen kann." Diese Notiz wirktewie der Funke, der ein Feuerwerk entzündet; das Lauffeuer strömte durch ganz Eu-ropa und tausend und tausend mal wiederholte sich die erste von Andrer beschriebeneScene in kleinen und großen Orten. Schon den 15. April desselben Jahres brachtedie „Allgemeine Zeitung" aus Heidelberg den Bericht eines ausgezeichneten Gelehr-ten, des Geheimen Raths und Professors N. von Mohl, welcher den Vorgang ganzin gleicher Weise wie Andrer beschrieb und den Versuch, dessen Möglichkeit auch erbezweifelt hatte, als vollkommen geglückt darstellte. Die Sache erregte nun immermehr Aufsehen. Dr. Wenn! in Zürich**) und mein zweiter Sohn, Chemiker,

*) „Über Geistesepidcmien der Menschheit" (Meißen 1852).

**) „Allgemeine Zeitung" vom 23. April 1851.

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