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DaS Eisenbahnwesen.
Holland fügt eben seht zu seinen großen Linien: Amsterdam-Leyden-Rotterdam undAmsterdam-Utrccht-Arnhcim, die Linien Utrecht-Rotterdam hinzu und widerstrebt nichtmehr der Verbindung von Arnheim nach der preußischen Grenze, noch der vonMastricht nach dem belgischen Lüttich auf dem rechten Ufer der MaaS. Schonhat auch Dänemark und Schweden seine Schienenwege. Rußland aber hat von An-fang an mit dem scharfen Blicke, der alle neuen Erfindungen auf ihre Brauchbar-keit für Kriegs- und Eroberungszwecke zurückführt, die militärische Bedeutung der Ei-senbahnen erkannt und sich vornehmlicb für Verbindungslinien zwischen den weitvoneinander entlegenen wichtigen Punkten: Petersburg, Moskau, Warschau, Odessaentschieden, und nichts ist sicherer, als daß der Krieg mit seinen Erfahrungen ihn»die noch ganz unabsehbare Wichtigkeit der Eisenbahnen für die Kriegführung nochdringlicher zu Gemüth führen wird.
Wir haben bis dahin, abgesehen von den nordamerikanischen Freistaaten, nurvon europäischen Staaten gesprochen, aber die Völker Europas sind nicht nur diecultivirtesten des Erdkreises, sie beherrschen auch eben durch diese Cultur denselbentheils direct, theils indircct, und überall lenken die Entwickelungsbahnen des öffent-lichen Lebens auf die Wege Europas ein. Wo europäische Völker die eigentliche»Herren des Landes sind, wie etwa in Algier die Franzosen, in Ostindien die Eng-länder, da sind auch schon trotz der größten Hindernisse für den Bau Eisenbahn-verbindungen hergestellt worden: unter den im britischen Parlamente in der Sessionvon 1854 concessionirten neuen Bahnen befinden sich 400 Miles für Indien. Woman das unmittelbare Eingreifen europäischer Cultur nicht hindern kann oder mag,wie in den centralamcrikanischcn Staaten, oder wo man freiwillig zur Nacheiferungsich entschließt, wie in Ägypten, wie in den südamerikanischen Staaten, da habenauch die Schienenwege schon ihren Einzug gehalten. Es ist kein Zweifel mehr,nachdem die riesige Entfaltung des modernen Welthandels die germanische» undgermanisirten Völker zu einem bleibenden Austauschverkehr mit allen Ländern derErde geführt hat, werden sie auch die Schienenwege als ein ebenso großartiges wiewohlthätiges Produkt ihres energischen Culturfortschritts in allen Ländern der Erdeeinheimisch machen.
Der Bau.
Und doch ist die Anlage einer Eisenbahn mit so vielen und so großen Schwierigkeiten verknüpft, daß man ihr auch die gewaltigsten Anstrengungen für die Her-stellung von Verkehrsstraßen der früher» Art in keiner Weise zur Seite sehen kann. »Die Hauptschwierigkeiten sind von, Beginn aus theils finanzieller, theils technischer Art,und jede Erhöhung der letzter» führt auch zu einer bedeutenden Erhöhung dererstem. Durch den kühnen Fortschritt der Technik ist es freilich dahin gekommen,daß man sozusagen vor keiner Schwierigkeit mehr zurückbebt. Man hat Eisenbahnenhoch oben in der Luft, über weite tiefe Thalebcnen, oder über das Häusermeer einervolkreichen Stadt und tief unter der Oberfläche der Erde durch breite Felsberge oderunter einem Flusse hergeführt; man hat reißende Ströme und kleinere Meeresarmeüberbrückt; man läßt sich durch Abgründe nicht aufhalten und überschreitet die Pässeder Hochalpen; die Curven können um das Doppelte gekrümmt, die Steigungen ummehr als daS Doppelte beträchtlicher sein, als es früher die Norm des englischenIngenieurs ausstellte. Aber mit Ausnahme dieses letzterwähnten Falles führt ebenauch der Fortschritt der Technik zum Bau von Eisenbahnen, deren Anlagekosten nochweit über das gewöhnliche Maß hinausgehen. Und doch ist auch dieses gewöhnlicheMaß schon ein sehr hohes. Lange Vorarbeiten ; Ankauf breiter Strecken von Grundund Boden für die Bahn selbst wie für die ausgedehnten Plätze der Bahnhöfe: Ersteresin der Regel in den stark angebauten dichtbevölkerten Gegenden, Letzteres in oder nebe»dem kostspieligen Terrain größerer Städte; das theure Material, Eichenholz, Eisen,feste Steine, wozu in vielen Gegenden selbst die gewaltigsten Erbmassen zur Aufschüt-tung kommen; die ungeheure Menge menschlicher Arbeitsleistungen u. s. w. — alle