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Zehnter Band.
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322 Das Eisenbahnwesen.

Europas nicht die Rede sein kann, auf dem Wege der Anleihen zusammengebracht,deren Zinsfuß sich, weil man auf die specielle Fundirung dieser Schuld auf diedurch sie herzustellenden Eisenbahnen nicht eingehen mag, nach dem laufendenCredit des betreffenden Staates zu richten pflegt. Bei sehr vielen Eisenbahnen istindessen der Bau, beziehungsweise die für denselben nöthige Capikalsumme durch man-cherlei Zusammenwirken der Staatsgewalt und der Privaten beschafft worden, nament-lich bei Bahnen, deren Errichtung die Staatsgewalt wünschte, ohne daß sie selbstdie Mittel aufbringen wollte, oder die Privatthätigkeiten von sich aus zur Übernahmeder ganzen Arbeit und des ganzen Risico sich entschließen konnten. So hat dieStaatsregierung einen Privatcisenbahnbau dadurch zu fördern unternommen, daß sieeinen beträchtlichen Theil der Actien für sich, wie für eine Privatperson, übernahm,was namentlich in den nordamerikanischen Staaten und in den schweizerische»Cantonen der Fall gewesen ist. Oder sie hat — wie besonders eine zeitlang inFrankreich — einen Theil der Arbeit, etwa den Unterbau, oder auch nur die erste»Studien und Vorarbeiten ausgeführt, bald mit bald ohne Anspruch auf eventuelleRemuneration. Ferner hat der Staat den Privatunternehmern verzinsliche odereventuell unverzinsliche Darlehen gegeben, letztere in der Art, daß der Staat nichteher Zinsen beanspruchte, bis eine festgesetzte Verzinsung der Privatcapitalicn effec-tuirt war. Endlich hat er — und das ist die gewöhnlichste Form der Staatsunter-stützung verblieben — den Privatcapitalicn den Bezug eines Zinsminimums, meistvon 4 °/> garantirt. In allen diesen Fällen handelt es sich um zwei Hauptpunkte,die nicht immer gleichzeitig nebeneinander erstrebt- zu werden brauchen: einmal willder Staat fehlende Privatkräfte herbeiziehen oder ergänzen, und dann will er sicheinen vorbehaltenen Einfluß auf die Unternehmung durch die Übernahme einer augen-fälligen Last verdienen und sichern. Wo diese Hülfsleistungen wirklich eintreten,pflegen dann auch zu den für den Privatbau gewöhnlichen Feststellungen im Pflich-tenheft noch einzelne besondere Punkte Aufnahme zu finden. Ünter den gewöhnlichfestgestellten Bedingungen ist Manches, wie etwa die Bestimmung über einspurigesoder doppelspuriges Geleise, das natürliche Ergebniß der bestehenden oder voraus-sichtlichen Verkehrsstärke. Anderes, wie die Solidität des Baues, liegt im eigenen In-teresse der Unternehmung; wie denn auch überall auf das Ergebniß von Versuchen,die Holzschwellen dauerhafter zu machen, oder durch Eisen und Steinwürfcl zu er-setzen und dgl., natürlich lebhaft genug geachtet wird. Auch die vollständigeÜbereinstimmung der Spurweite liegt — man braucht es nicht weiter auszuführen— so sehr im Interesse sämmtlicher Bahnverwaltr.ngen, daß sie nicht nur auf allenBahnen desselben Landes, sondern auch aus den Bahnen verschiedener Länder herbeigeführt wird. Obschon man hier und da Vorliebe für eine breitere Spurweitegezeigt hat, ist jetzt in Deutschland, in Frankreich, in Belgien, für Holland unddie Schweiz grundsätzlich Spurweite von 4 Fuß 8'/- Zoll englich ----- 4 Fuß 7,8äZoll badisch in Anwendung gekommen. Nachdem infolge eingegangener Vertragedie breitere Spurweite auf der züricher Nordbahn wie auf der holländischen BahnAmsterdam-Arnheim beseitigt worden, hat sich nunmehr auch Baden zum Aufgebenseiner bestehenden Spurweite von 5'/, Fuß badisch — 5 Fuß 2,994 Zoll englisch----- 1,6 Meter definitiv entschieden.

Der Betrieb.

Nicht blos die Arbeitsleistungen für den Transport sammt den Folgen derselbenfür das bürgerliche und individuelle Leben zeigen, daß mit den Eisenbahnen die Ma-schinenarbeit für die Bedürfnisse des Verkehrs aufgetreten ist: cS zeigt sich die Ana-logie auch schon in der ganzen Art und Weise, in welcher, abgesehen von der wirk-lichen Dampfmaschine, jene Arbeitsleistungen im Betrieb der Bahnen zu Standekommen und im Gange erhalten werden. Die ganze Beschaffenheit und zumal auchder große Kostenaufwand für das Bctriebsmaterial fällt vorab in die Augen: esmuß eben der Gewinn für die Unternehmer und die Masse und Güte des Arbeits-