Band 
Zehnter Band.
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338 Das Eisenbahnwesen.

weise über billiger» Bau und sparsamern Betrieb auf den Privateiscnbahnen versau-gen werden. Und warum sollte man nicht auch bei einer solchen Eisenbahnfrageden mislichen Verhältnissen, in denen man bereits befangen oder die man voraussieht,zu begegnen suchen! Man kann einerseits eine bedenkliche Neigung der großen Privat-capitalien, sich nur auf Unternehmungen zu werfen, welche mit den Cursschwankun-gcn auf der Börse eine Verbindung zeigen, und eine sehr bedenkliche Neigung derkleinern Privatcapitalien, sich den Verwendungen im Landbau und in den kleinernGewerben zu entziehen, wol vor Augen haben; man kann aber auch andererseitsdem peinlichen Drucke entgehen wollen, den eine überall mit ihren Beamten ein-greifende und regulirende Regierung auflegt. Ich meine somit, ein aufmerksamer,unbefangener und aufrichtiger Beobachter könne kaum sich des Geständnisses erwehre»,daß die Argumentation mit ökonomischen Berechnungen und Nachweisen über Eisen-bahnbau und -Betrieb, welche man gewöhnlich in den Vordergrund schob, wenigstensin vielen Fällen gleichsam nur der Sack war, auf welchen man schlug, während maneine» Träger meinte, der direct gar nicht genannt wurde. Wir haben sicherlich dieweitab größere Zahl von Privateiscnbahnen erhalten, weil in den einen Ländern dieStaatsregierung von solchen „ökonomischen Dingen" ferngehalten werden sollte, und inandern die Concessionen erst wegen Mangels einer klarern Einsicht in das Wesen unddie Bedeutung einer Eisenbahn, später wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht zu-rückgehalten wurden, nicht aber, weil man die Staatseisenbahnen für wirthschaftliche

Fehlgriffe an und für sich erklären konnte. Als man sich in Nordamerika und Eng-land grundsätzlich über diese Frage entschied, lagen noch gar keine Nachweise ausder Erfahrung vor, und als sie vorlagen, hat man sich in der Schweiz im Allge-meinen und sonst in einzelnen Fällen doch für Privakeisenbahnen entschieden. Was

die Staatseisenbahnen betrifft, so brauchen wir nur darauf hinzuweisen, daß dieLänder mit gemischtem Bau, wie Frankreich, wie Deutschland, noch immer Privat-cisenbahnen neben den Staatseisenbahnen erstehen sehen, daß notorisch in einzelnenTerritorien zu gar mancher Staatsbahn erst geschritten wurde, nachdem man auf dieEntstehung einer Privatbahn unter zusagenden Bedingungen verzichtet hatte, und daßselbst das belgische Eisenbahngesetz den Gedanken an Einführung von Privatbahnenauf Nebenlinien nicht grundsätzlich ausschloß.

Fassen wir das Gesagte zusammen, so geht unsere Ansicht dahin, daß in derWirklichkeit der Bau von Staats- und Privateiscnbahnen in erster Linie durch denallgemeinen Charakter des Staatslebens und die Grundsätze in den Anschauungenund Gesetzen der Völker über die Befugnisse und den Beruf der Staatsgewaltenentschieden worden ist, und daß bis gegen die letzten Jahre hin die Meinung, obdie Staats - oder die Privateiscnbahnen in sich eine besser angelegte Unternehmungseien, und welche von beiden dem das Transportwesen benutzenden Publicuni gegen-über die eigentliche Aufgabe der Eisenbahnen in vorzüglicherer Weise erfüllen, eineuntergeordnete Rolle gespielt hat; daß auch die Entscheidung, welche man innerhalbdes Gedankenkreises und der Gesetzesgrundlagen eines Volks mit Fug und Rechtgetroffen haben mag, deshalb noch keine Berechtigung für ein anders geartetesund constituirtes Staatsleben hat; daß ferner der reale Zustand der fungirendenStaatsgewalten wie der lebenden Generationen von Privaten sich uns zur Berück-sichtigung für die praktische Entscheidung aufzwingt, gleichviel wie wir die Frage'-hrer „Idee" nach entscheiden mögen. Endlich, daß wo und wann ökonomischeGründe und finanzielle Berechnungen durchgeschlagen haben, dies zumeist nichtdurch den Complcx jener Gründe und Berechnungen geschah, niit welchen man zubelegen sucht, daß die Staats- oder die Privateisenbahne» eine in sich bessere undfür das Publicum wohlthätigere Unternehmung seien, sondern durch daS einfacheüber kräftige Argument, daß man für die Anlage von Staatseisenbahnen keine Mit-tel, oder für die Anlage von Privakeisenbahnen keine Unternehmer fand. Und wennin den Ländern mit gemischtem Bau, wie namentlich in Deutschland, für die Re-gierungen und die auf die schließliche Entscheidung der Staatsgewalten einwirkende,