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Das Eisenbahnwesen.
unbetheiligte Wissenschaft— wie wir offen und gern zugebe» — in den letzten Jah-ren jene Nachweise über die eigentliche Natur und die Bestimmung der Eisenbah-nen, über den idealen Beruf der allgemeinen Staatsgewalt und das ökonomische Fi-nale für das Publicum weit stärker in Betracht gezogen worden sind, wo man sichfür die Staatseisenbahnen entschied: so hat man doch gerade auch in diesen Ländern,in denen von einer anerkannt grundsätzlichen Besitzergreifung aller solcher Unterneh-mungen durch Privatkräfte nicht die Rede sein kann, die Privateiscnbahnen durchjenes muthige Vorwärtsbringen an so vielen Stellen, während man noch die ökono-mischen Ergebnisse für zweifelhaft hielt, eine Existenzberechtigung sich erringen sehen,deren großes Fundament man keinen Augenblick in seiner Bedeutung für die Wohl-fahrt des modernen Staates verkennen sollte.
Wir legen auf. diese Hinweise ein um so größeres Gewicht, als wir bei einemaufmerksamen und unbefangenen Eintreten in die Beurtheilung der rein ökonomi-schen Seite jener beiden Arten von Eisenbahnen, mögen wir sie für sich oder nachihren Dienstleistungen für das Publicum betrachten, in der That nicht die Voraus-setzungen und Berechnungen bewährt finden können, mit welchen die ganze Frageein für allemal und unwiderleglich entschieden werden sollte. Wenn auch in demsich kreuzenden Gewebe der vorgebrachten Gründe rothe Faden nicht zu verkennensind, so lassen sie sich weder in jener Stärke nachweisen, mit welcher man sichund Andere alarmirt hat, noch ziehen sie sich blos aus der einen Seite her. Auchgewahrt man bald, wie wol gar manche Gründe s priori berechtigt erscheinen konn-ten, während in der wirklichen Lebenserfahrung sich dann doch die Sache andersherausstellt; ferner wie man in eben diesem wirklichen Leben Mittel und Wege fin-det, um Auswüchse zu beseitigen, welche man wie eine unvermeidliche naturnokhwen-dige Folge gewisser Ursachen proclamirt hatte.
Sobald man auf die wirthschaftliche Seite der Discussion eingeht, ersieht mangleich, welche wichtige Rolle in derselben das „Eigeninteresse" der Privaten, dasStreben nach dem Eigenvortheil in den ökonomischen Intentionen der Einzelnenspielt — und zwar bei den Freunden wie bei den Gegnern der Staats- oder Privat-bahnen. Alsbald begegnet uns auch wieder die Abstraktion von der lebendigen Wirk-lichkeit. Eine Art „absoluter" Private wird den Berechnungen für und wider zu-grunde gelegt, nur gleicht er auf der einen Seite ungefähr einem Engel, auf derandern einem Teufel: dort kann er Alles, was ihm nützlich sein dürfte, hier willer Alles, was dem Gemeinwesen schadet. Gerade so wiederholt sich bei diesem Nech-nungsexempel dieselbe Erscheinung rücksichtlich der Staatsverwaltungen. Auf der eine»Seite werden sie vermeintlich durch einen Fiscus repräsentier, der ebenso kenntnißlosals unersättlich, und auf der andern durch Beamte, welche als die personificirtenBegriffe der Pflichttreue, der Einsicht, der Geschäftskenntniß u. s. w. gelten könnten.Und nun zu den Rechnungen selbst! Schon in den Vorstudien für die Errichtungeiner Eisenbahn, namentlich aber in dem Entschluß, eine solche auf einer bestimmtenRoute zu bauen, sollen bald die Privaten bald umgekehrt die Staatsverwaltungenjedesmal das Bessere leisten, d. h. hier vorsichtiger und umsichtiger zuwcrke gehen,sich weniger unnützen Ausgaben exponiren, die Voranschläge genauer aufstellen; ins-besondere dann auch nur Linien in Angriff nehmen, die später nicht wieder aufgege-ben werden. Besonders im Punkte der Vorarbeiten wird indessen öfter zu Gunsten derPrivatunternehmungen entschieden, weil man hier eine erste Frucht der eigenthümlichenKraft des Eigeninteresses wahrnehmen will. Ohne Zweifel nun haben Privatunter-nehmer alle Ursache, mit ihrem eigenen Gelde recht vorsichtig bei den Ausgaben zusein; dagegen aber ist auch zu bemerken, daß Wollen und Vollbringen zwei ver-schiedene Dinge sind, und dann, daß es in der Verfolgung der Eigeninteresscn aucheine Hast gibt, die, um die Tasche vollzupfropfen, sie gefährlich weit öffnet. Wirfuhren das Factum beispielsweise an, wie in England mit seinen 7686 eröffnetenMiles Bahnlänge am Ende von 1853 für weitere 12688 Milcs Privatbahnen
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