376 Algerien.
Oran. Unmittelbar an den Ufern der Habra und des Sig befinden sich Moräste,welche näher an der Vereinigung beider Flüsse noch bedeutender werden. Die EbeneEghres liegt unmittelbar im Süden der Stadt Maskara. Sie hat eine Länge vonetwa 3 Meilen und ziemlich 1 Meile Breite. Zur Hälfte ist sie mit Weizen - undGerstenfeldern bedeckt, aus welchen Zwergpalmen hervorragen. Der Boden, obwolzum Feldbau sehr geeignet, steht an Fruchtbarkeit der Ebene Ceirat nach, weil esihm an Bewässerung fehlt. Hingegen gibt es hier keine Moräste und der Aufent-halt ist völlig gesund.
Die meisten Flüsse der Colonie Algerien entspringen im Atlasgebirge, nur sehrwenige in den eigentlichen Küstenbergen. Fast alle Flüsse, welche vorn Atlas kommenund das Land durchströmen, um sich in das Mittelmeer zu ergießen, bilden großeKrümmungen, haben einen trägen schleichenden Lauf, sumpfige Ufer, sind mit Busch-werk eingefaßt und haben enge Mündungen. Kein einziger derselben ist schiffbar.Die meisten nehmen ihren Lauf von Süden nach Norden, nur der Schelif machthiervon eine bemerkenswerthe Ausnahme. Ihre Mündungen sind fast überall durchSandbänke verengt oder durch förmliche Sandbarren verstopft, deren Höhe in derheißen Jahreszeit steigt und in der Regenzeit fällt. Mehre Flüsse in der ProvinzOran verlieren sich in den Morästen oder im Sande, haben also gar keine Aus-mündungen; Binnenschiffahrt existirt nicht. Über die wenigsten Flüsse führen stehendeBrücken und diese stammen fast alle noch von den Römern her. Erst in neuesterZeit sind von den Franzosen einige Flüsse überbrückt worden. Zwischen den Grenzenvon Tunis und Marokko münden nicht weniger als 25 größere und kleinere Flüssein das Mittelmeer; hierbei sind die zahllosen Bäche nicht eingerechnet, welche dieKüste bewässern. Wir führen hier nur die bedeutendern Flüsse an.
Zm Innern der Provinz Konstantine, auf dem Teladise, 6 Meilen von derStadt Konstantine, entspringt der Seybus. Beim Berge Tarf tritt der Seybusin eine weite Ebene und mündet nach 25 Meilen langem Lauf, mit einer Breitevon etwa 300 Fuß, in den Golf von Bona. Abweichend von andern Flüssen, hatder SeybuS einen schnellen Lauf, selbst bei niedrigem Wasserstande. Je näher anseinen Quellen, destv seichter ist der Fluß, sein Bett aber ist mit großen Steinenangefüllt. Bei Medsches-Amar hat er schon mehr Tiefe; in der Ebene sind sowolder Hauptstuß als auch die Nebenflüsse tief cingeschnitten, und bei Guelma sind dieUfer außerordentlich steil. Vor der Mündung des Seybus lagert sich eine großeSandbarre von ganz unregelmäßiger Gestalt, sodaß der Fluß im Sommer hier nurfünf Fuß, in der Regenzeit etwa doppelt soviel Tiefe hat. Im Gebirge ist das Fluß-thal immer fruchtbar. Nur wenige hundert Schritt westlich vom Seybus fließt dieBudschima bei Bona in das Meer. Sie entspringt als Malmja, etwa 6 Meilensüdwestlich von Bona, fließt nahe beim See Fezzara vorbei, hat einen trägen Lauf,sumpfige Ufer und vermehrt dadurch die ungesunde Lage von Bona. Der Mafragentspringt 5 Meilen südöstlich von La Calle, durchseht das Gebirge beim BergeNaora, 2 Meilen von der Küste, wendet sich dann nach Norden und fließt 2 Meilenöstlich von Bona in das Meer. Seine Ufer sind nicht so sumpfig wie die derBudschima und mit wildem Gesträuch eingefaßt. Die Ebene, welche der Seybus undMafrag durchströmen, ist über 7 Meilen lang und hat 3 — 4 Meilen mittlere Breite.
Von geringerer Bedeutung ist der Setsaf. Er entspringt 3 Meilen nördlichvon Konstantine, nimmt eine Menge kleiner Nebenflüsse auf und fließt nach 7 — 8Meilen langem Lauf unter dem Namen Resa bei Philippeville in das Meer. DerRummel entspringt im Süden von Konstantine aus mehren kleinen Flüssen, die sicheinige Meilen von der Stadt vereinigen, und von denen der Hammam und derSigan die bedeutendsten sind. Durch sie verstärkt, durchbricht der Rummel 1Meile oberhalb Konstantine den Berg Aifur, nimmt kurz vor der Stadt rechts denBumerzug auf und umfließt jene auf drei Seiten in einem tiefen Felsenthale, zumTheil sogar unterirdisch. Oberhalb der Stadt hat der Rummel drei Furten, vondenen zwei sogar für Geschütz praktikabel sind. Hinter der Stadt nimmt der Fluß