Algerien. 379
fahrbar, von da ab jedoch sind die User steil. In der Höhe von Milianah bilden dieUfer des Schclif eine große Ebene. An vielen Stellen ist der Fluß überbrückt.
Nächst dem Schelif, ist die Makta der bedeutendste Fluß der Provinz Oran.Sie wird aus dem Flüssen Habra, Sig und Hammam gebildet und hat im Ganzeneinen 20 Meilen langen Lauf. Von diesen Flüssen ist der Sig der bedeutendste; erentspringt in der Ebene Mckerra am Fuß des Beghra, macht beim Berge Scherfaeinen Durchbruch und tritt alsdann in die weite Sig-Ebene. Der Hammam fließteinige Meilen östlich fast parallel mit dem Sig und vereinigt sich später mit derHabra, bis alle drei unter dem Namen Makta sich in den Meerbusen von Arzew er-gießen. Der Sig fließt in senkrecht abstürzenden Ufern und ebenso der Hammam.Der Sig hat trübes schlechtes Wasser von dunkelbrauner Farbe, das die Araber sogarfür tödtlich halten. Der Melah entspringt westlich am See Sabgha am BergeÄerulis, hat einen nur 7 Meilen langen Lauf und mündet 2 Meilen vvm CapFigalo in das Meer. Sein Wasser ist durchaus salzig.
Der westlichste Fluß der Provinz Oran und somit Algeriens ist die Tafna. Sieentspringt aus unzähligen Quellen, südöstlich von Tlemsen auf dem Beni-Smiel.Der Fluß bahnt sich in einem engen, vielfach gewundenen Thale mühsam den Wegdurch die Berge und fließt, 10 Meilen östlich an der marokkanischen Grenze, derInsel Naschgun gegenüber in das Meer. Aus seinem 8 Meilen langen Laufe nimmtder Fluß viele kleine Gewässer auf. An der Mündung ist das Flußthal etwa 800Schritt breit, aber häufig mit Stauwasser angefüllt. Das rechte Ufer ist mit steilenHügeln von 3 — 400 Fuß Höhe eingefaßt, das linke Ufer ist offen. Die Gegend zu-nächst am Fluß ist mit Strauchwerk bedeckt, doch gibt es wenig eigentliche Bäume.Vor der Tafnamündung liegt in einer Entfernung von 3000 Schritt die Insel Rasch-gun. Sie ist etwa 1200 Schritt lang, 300 Schritt breit und besteht aus einemschroffen Felsen, wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs und nur auf der Südwestseitezur Noth ersteiglich. Die Oberfläche welche sich 90— 120 Fuß über das Meer er-hebt, ist mit Dammerde bedeckt, voller Gras und Buschwerk. Seit 1842 ist dieInsel ganz unbesetzt. Bis dahin war dort ein Zollamt eingerichtet.
An Seen gibt es in Algerien nur zwei von Bedeutung: den Fezzara bei Bonaund den Sabgha oder Salzsee bei Oran. Der Fezzara hat etwa 4 Meilen Um-fang. Der Salzsee ist 3 Meilen lang und etwas über 1 Meile breit. Nach derVerdunstung im Sommer enthält er nur wenig Salz, das auf seiner fast trockenenOberfläche eine förmliche Schicht bildet. Zur Regenzeit hat er etwa 6 Fuß Tiefe,den größten Theil des Jahres über jedoch läßt er sich durchwaten. Er enthält keineFische. Moräste finden sich namentlich bei Bona. Die vielen Quellen welche nichtWasser genug haben, um sich ein eigenes Bett bahnen zu können, bilden diese Mo-räste, deren Austrocknung bisher noch nicht vollständig bewerkstelligt werden konnte.Auch im Süden von La Calle liegen bedeutende Sümpfe, die sich bis an den Ortselbst erstrecken und die Gegend ungesund machen. Ebenso ist die Gegend um Oranund namentlich die Ebene Tlelat mit Morästen angefüllt, die der träge Lauf derGewässer mit sich bringt.
Algerien liegt ziemlich auf der Grenzscheide zwischen den heißen und den gemä-ßigten Breitegraden. Sein Klima vereinigt daher die Eigenschaften dieser beidenZonen und nähert sich dem Italiens, Spaniens und des südlichen Frankreich. In-deß unterscheidet man eigentlich nur drei Jahreszeiten: den Winter in den MonatenNovember bis Februar; den Frühling von März bis Juni; den Sommer von Julibis Oktober. Der Winter ist besonders durch Regen bezeichnet, welche außerordent-lich schnell aufeinander folgen und ungeheure Wassermasscn herabbefordern. DasThermometer fällt zwar selten tiefer als 10—12° 6. unter Null; allein die Rauhig-keil, welche die Regen erzeugen, erheischt die Heizung der Wohnungen. Schncefällcsind selten und in den Ebenen, sowie längs der Meeresküste nicht sehr bedeutend.Der Schnee, der in letzter» Regionen fällt, schmilzt alsbald wieder, wohingegen der-selbe natürlich auf den Gebirgen, sowie auf den Hochebenen, in welchen die meisten