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Algerien.
Städte liegen, länger liegen bleibt. Eis trifft man nur ausnahmsweise an, und selbstauf den hochliegenden Punkten erhält dasselbe sich nur kurze Zeit. Sobald die Regen-zeit beendet ist, beginnt der Frühling. Der Himmel strahlt im prächtigsten Blau, dieVegetation entfaltet sich in ihrer ganzen Herrlichkeit und Kraft. Der Gesundheits-zustand der europäischen Bevölkerung ist in dieser Jahreszeit am befriedigendsten unddieselbe liegt dann auch den Feldarbeiten ämsig ob. Im Juli aber beginnt die großeHitze und mit ihr zugleich eine Trockenheit, gegen welche selbst der überaus reichlichfallende Nachtthau nichts vermag. An der Küste kühlt die Meeresbrise für Augen-blicke die Atmosphäre ab. Dahingegen ist in den zwischen den Bergen liegendenDistrikten die Hitze unerträglich und oft tödtlich für Europäer. Was den Sommerin Algerien aber besonders lästig macht, das ist nicht sowol die Hitze, welche derder tropischen Länder bei weitem nachsteht, als vielmehr seine lange Dauer und dieDürre, die er mit sich führt. Während der vier Sommermonate fallen nur selteneinige Regentropfen. Alle Gewächse, die nicht künstlich bewässert werden können,verdorren und sterben ab; nur diejenigen Bäume konimen fort, deren Wurzeln tiefgenug im Erdboden stehen um von dorther befeuchtet zu werden. Das Arbeitenauf freiem Felde ist um diese Zeit gefährlich für den Europäer. Gallenfieber,Diarrhöe, Dysenterie und Gehirnaffectionen sind herrschende Krankheiten. Im Sep-tember und October färbt sich der Horizont in kürzern oder länger» Zwischenräu-men mit einem röthlichen Dunst, während die Luft von einer Hitze geschwängert ist,welche der eines Backofens nichts nachgibt. Dieser Dunst entsteht durch die Sand-kheilchen, welche vom Süden her durch den Siroccowind herangeweht werden undsich in der Luft ansammeln. Der Sirocco herrscht noch häufiger im September alsim Oktober: er kräuselt die Blätter der Bäume, macht Holzwerk und Tapeten ber-sten, trocknet Haut, Hals und Hände aus, prickelt in den Augen und erzeugt denbrennendsten Durst. Bei reizbaren Temperamenten wirkt er schädlich auf das Ner-vensystem und erzeugt Migräne. Er dauert in der Regel zwei bis drei Tage undendigt gewöhnlich mit einem Gewitterregen. In den der Wüste benachbarten Di-strikten äußert der Sirocco schreckliche Einflüsse. Sehr häufig ist es vorgekommen,daß Soldaten auf dem Marsche plötzlich todt hinfielen oder von einem Delirium be-fallen wurden, welches sie zum Selbstmord trieb. Ende Oktober, wenn der Winterbeginnt, sind die Tage abwechselnd trocken und feucht, ohne daß die Hitze aufhört.Nach heißen Tagen folgen oft außerordentlich kühle und feuchte Nächte. Um dieseZeit kommen gewöhnlich die europäischen Auswanderer an, und diese haben dahervon dem schnellen Witterungswechsel viel zu leiden. Die hier beschriebenen Wittcrungs-verhältniffe beziehen sich indessen nur auf den cvlouisirten und colonisirbaren Theildes Landes. Die wüsten Ebenen im Süden haben das Wüstenklima, das demEuropäer geradezu tödtlich wird.
Bevölkerung.
Die neuesten ofsiciellen Angaben über die BevölkerungSverhältnisse Algeriensreichen bis zum 31. Dec. 1851. Um diese Zeit betrug die Gcsammtbevölkerung desLandes, ohne die Armee, 2,575422 Seelen, und zwar 2,444139 Eingeborene und131283 Europäer. Diese Bevölkerung vertheilt sich auf die einzelnen Provinzenwie folgt:
Provinz: Europäer:
Algier. . . 57081
Oran . . . 46820Konstantine 27382
Eingeborene im Teil: im Sahara:627347 172795
365047 130745
970977 177228
Zusammen:
800142
495792
1,148205.
sj Europäer.
Wenn wir zunächst die europäische Bevölkerung nach ihrer bürgerlichen Stel-lung betrachten, so finden wir, daß 85678 in den Städten, 33810 auf dem Landeals Ackerbauer und 13494 auf dem Lande andern als agricolen Beschäftigungen