Algerien. 383
viuz Oran. In der Stadt Algier gibt es 25 und in der Stadt Oran 17 Syna-gogen. Sämmtliche Cultusausgaben werden vom Staate bestritten.
Die nichtangesessene Bevölkerung in den Städten Algeriens umfaßt Handwerker,Tagelöhner und Händler der geringsten Art, die aus Kabylien, Biskri, Laghuat,aus der Oasis der Beni-Mzab und aus dem Negerlande einwandern. Jede dieserNationalitäten hat ihre besondere Beschäftigung. Der Kabyle verdingt sich als Hand-langer oder Tagelöhner auf dem Felde; der Mzabite ist Badwärter, Fleischer oderGewürzkrämer; der Laghuate hilft beim Transport des Olivenöls; der Neger ist Maurer-oder Anstreicher. Alle diese Leute kommen nach den Städten, um sich etwas zusammen-zusparen und später davon in ihre Heimat gemächlich leben zu können. Diesen Zweckzu erreichen, leben sie während ihres Aufenthalts in der Stadt mit der größten Karg-heit. Ein festes Domicil kennen sie gar nicht, sondern des Nachts schlafen sie in denKaffeehäusern, in den Bazars oder unter den Arkaden der öffentlichen Plätze. Derarabische Name dieser nichtangesefsenen Bevölkerung ist Berrani, d. h. Leute vonauswärts. Schon unter türkischer Herrschaft bildete» die Berrani besondere Kor-porationen, je nach der Beschäftigung die sie trieben, oder auch nach der Nationa-lität, der sie angehörten. An der Spitze dieser Korporationen standen Amins oderSyndici, und Letztere standen wieder unter der Aufsicht des Ka'td. Im Anfangewaren die Berrani höchst gefährlich für die französische Herrschaft. Nicht alleinmachten sie Nachts die Straßen unsicher, sondern sie dienten auch den rebellischenStämmen als Spione. Allmälig hat man sie aber ordentlich organisirt, sodaß siesich schwer der polizeilichen Aufsicht entziehen können. Jeder Berrani nämlich muß,sofort nach seiner Ankunft in der Stadt und spätestens innerhalb 24 Stunden, sichbei dem arabischen Bureau melden. Dort werden sein Name, Stamm, kurz seinganzes Signalement in ein Register eingetragen, worauf er dann ein Wanderbuckund eine Medaille erhält, deren Nummer der des Registers entspricht. In dasBuch werden die Zeugnisse aller Herren, bei denen der Berrani arbeitet, eingetra-gen. Jeder Berrani wird in die Corporation seiner Nation aufgenonrmen und so-mit unter die Aufsicht des Amin gestellt, welcher von da ab das vermittelnde Or-gan zwischen ihm und der Oberbehörde bleibt. Die Amins werden vom Staate be-soldet. Will der Berrani den Bezirk seines Wohnorts verlassen, so kann das nurmit Erlaubniß der Behörde geschehen, und, um diese zu erhalten, muß derselbe einCertificat des Amin vorzeigen. Die Amins der verschiedenen Korporationen bildeneine Art Handels- oder Schiedsgericht, vor welches die Berrani alle ihre innernStreitigkeiten zu bringen haben. Endlich müssen des Nachts Patrouillen von Ber-rani, unter Anführung von Amins oder von französischen Polizeiagcnten, die Stra-ßen durchziehen und für die öffentliche Ruhe Sorge tragen.
Die zahlreichen Invasionen, denen das nördliche Afrika im Laufe der Jahr-hunderte ausgesetzt gewesen, haben in den Wohnsitzen der Bevölkerung wenig odernichts geändert. Die Einwanderer ließen sich meist an der Küste nieder, währenddie Eingeborenen ungestört die brennenden Regionen der Wüste oder die höchstenGipfel des Atlas bewohnen durften. Die civilisirtesten unter allen eingeborenenStämmen Algeriens sind zweifelsohne die Biskri und Mzabiten, die Gctuler desAlterthums, denen Rom häufig die Ehren des Bürgerrechts ertheilte. Sowie schondie Römer in ihnen treue Bürger fanden, so dürfen auch heute die Franzosen sieals ihre besten Freunde unter den Eingeborenen betrachten. Sie bewohnen haupt-sächlich jene Zone, welche unter dem Namen des Dattellandes (Blad-el-Djerid) be-kannt ist, und leben ausschließlich ihren Handelsinteresscn, unbekümmert um dasTreiben der wilden Kabylenstämme- Sie gehören, in religiöser Beziehung, zurSekte des Ali und unterscheiden sich somit in diesem Punkte ebenso sehr als durchihre Sprache von den Kabylcn und Arabern.
Ein zweiter wichtiger Bestandtheil der muselmännischcn Bevölkerung Algerienssind die Kabylcn. Die Sitten dieser Völkerschaft sind heute fast noch dieselben wiezur Zeit des Belisar. Die Kabylen leben meist in enge» Hütten, wo man kaum