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Zehnter Band.
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Algerien.

zu athmen vermag, stickend heiß im Sommer, eisig im Winter, entblößt von denallernothwendigsten Utensilieu. Sie schlafen auf dem bloßen Fußboden; eine Decke istbei ihnen schon ein großer Luxus. Über einem elenden, schnulzigen Hemde tragensie einen groben Burnus und dasselbe Costume dient für alle Jahreszeiten. Brot,Wein und andere ähnliche Lebensbedürfnisse sind ihnen unbekannt. Sie zermalmenetwas Weizen, Gerste und Krauter, bereiten daraus eine Art Brei und verschlingenihn, etwa wie bei uns die Hausthiere. Selbst die Türken sagen von den Kabylen,daß sie eine barbarische meineidige Nace seien, die weder Gott fürchten noch den Men-schen Treue und Glauben halten. Gewöhnlich begeht man den Irrthum, alle Be-wohner des Atlas und der Küste, die nicht Araber sind, mit dem gemeinsamen NamenKabylen zu belegen. Indeß steht es fest, daß die Stämme des Atlas wie der Küstein Gestalt, Farbe und Sprache außerordentlich voneinander verschieden sind. Baldfindet man rußfarbene Gesichter, welche eine Mischung mit Negerblut vermuthen lassenwürden, wären nicht die glatten Haare da, welche dem widersprechen. Bald wie-der trifft man Helles Haar und die Gesichtsfarbe der europäischen Gebirgsbewohner.Die Stämme vermischen sich auch nicht miteinander, daher ihr Urtypus sich rein er-halten hat, sodaß man sich über die Verschiedenartigkeit ihres Ursprungs gar nichttäuschen kann.

Nicht weniger verschiedenartig sind die Idiome, welche unter den einzelnenStämmen gesprochen werden. Es finden sich hier die Idiome der alten Numidier,Getuler, Karthager, Wandalen zusammen. Noch größer sind die Contraste in Sitteund Lebensweise. Während die Mczzayos, in der Gegend von Bugia, und dieBewohner der Schiffa das Räuberhandwerk vorzugsweise betreiben, findet man z. V.an den Abhängen des Dschurdschura Stämme, welche an Cultur manche europäischeVölkerschaften übertreffen. Diese Stämme des Dschurdschuragebirges sind vermuthlichvandalischer Abkunft. Ihre Häuser haben durchaus nichts von der maurischen Bauart,sondern erinnern vielmehr an die europäischen Wohnungen. Die Bewohner sindtüchtige Bergleute, fabricire» Pulver und Waffen, Decken und Burnus, die in ganzAlgerien, Marokko, Tunis und Tripolis sehr begehrt werden. Soviel man durchAussagen, dieser Eingeborenen von ihren Institutionen weiß, bieten diese eine merk-würdige Ähnlichkeit mit den alten germanischen Einrichtungen dar. So z. B. giltbei ihnen das virtus inter 6<itüos mchorss kamt. Die jünger» Männer zwischen20 und 25 Jahren sind zum Kriegsdienst verpflichtet, nach diesem Alter verfallensie der Reserve. Auch führen sie regelmäßige Civilstandsregister, eine seltene Sache §bei den Arabern. Die mächtigsten unter diesen Stämme» waren die Kuku und ^die Beni-Abbes. Ersterer Stamm ist fast ganz ausgerottet, die Beni-Abbes aber Mbilden noch heute einen einflußreichen Stamm, der sich durch besondere Anhänglichkeit Man die Europäer auszeichnet. Im Allgemeinen unterscheidet man unter den Einge-borenen Algeriens, welche nicht Araber sind, fünf große Stämme, nämlich die eigent-lichen Kabylen, die Mziten, die Mzabiten, die Biskri und die El-Aghrouat, vondenen die beiden erstern die Gebirge, die drei andern das Zabland bewohnen.

Man kann nicht oft genug auf die außerordentliche Verschiedenheit hinweisen,welche zwischen den kabylischen Stämmen und den Arabern herrscht. Der Kabylekämpft vorzugsweise zu Fuß, der Araber zu Pferde. Ihre Sprachen haben nichtsgemein miteinander. Der Araber meidet den Europäer, der Kabyle im Gegentheilsucht in den Städten der Europäer Arbeit. Vor allem aber bildet der uralte Haßzwischen den Siegern und den Besiegten eine Scheidewand zwischen beiden National, jtäten. Die Sieger sind die Araber, denn sie waren es, welche im 7 . Jahrhundertden römischen Colonien den letzten Stoß gaben, gleichzeitig aber auch der VandalenHerrschaft ein Ende machten. Vermöge der Überlegenheit ihrer Reiterei setzten sie sichin Besitz der Ebenen, während die gebirgigen Distrikte, deren Einnahme schwierigerwar, den frühern Bewohnern verblieben. Und so bildete sich eine natürliche Grenzezwischen den arabischen und den vandalischen Ansiedelungen. Jene arabischen Ervbe- ^rer hatten dieselbe Organisation, welche stets die fremden Eroberer in das eroberte

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