Band 
Zehnter Band.
Seite
409
JPEG-Download
 

409

Algerien.

die Hitze und im Winter die Kälte außerordentlich groß. Orangenbäume kommenhier nicht fort, wol aber andere einem europäischen Klima entsprechende Früchte undBäume. Eine zeitlang war es Sitz eines Bei, später Standquartier Abd-el-Ka-der's. Die Einwohnerzahl beträgt gegen 5000, meist Eingeborene.

Die. Stadt Blidah ist zwei Meilen von Medeah, unmittelbar am Fuße desAtlas und höchst reizend gelegen. Hier prangen Südfrüchte aller Art, der Bodenist überaus fruchtbar und die Vegetation üppig. Die Stadt selbst hat durch Erd-beben und Krieg sehr gelitten. Sie ist durch Nedouteu und Blockhäuser stark be-festigt. Die Bevölkerung beträgt gegen 6500, worunter 200 Europäer.

In der Provinz Oran ist zunächst die Stadt gleichen Namens zu erwäh-nen. Oran liegt am östlichen Fuße des Felsens Santa-Cruz, auf beiden Seitendes Baches El Nahhi (Mühlenfluß), der die Stadt mit Trinkwasser versieht. DieStadt besteht aus zwei Theilen, beide durch eine tiefe Schlucht, in welcher der El-Nahhi fließt, voneinander getrennt. Im westlichen Theile liegt die alte Kasbah,im östlichen die neue: letztere rührt von den Spaniern, erstere von den Maurenher. In Westen erhebt sich die Stadt terrassenförmig auf dem Abhänge desSanko, dessen Gipfel ein felsiges Plateau von 1320 Fuß Höhe über dem Meerebildet, das parallel mit der Küste läuft. Sechs Forts und eine Postenlinie vonBlockhäusern bilden die Vertheidigung der Stadt. Oran zeichnet sich durch breitegerade Straßen und zierliche Bauart der Häuser vor Algier und Konstantine aus.Alles erinnert dort an die ehemalige Herrschaft der Spanier. Die Bevölkerung be-lauft sich auf etwa 10000 Seelen, wovon die Hälfte Europäer und von diesen wie-der die Hälfte Spanier sind. Die nächste Umgegend von Oran ist öde und dürr: nurin der Schlucht, in der die Stadt selbst liegt, befinden sich fruchtbare Strecken und dieVegetation ist dort sogar ziemlich üppig. Überhaupt gehört Oran zu den gesundestenOrten an der Küste. Eine Meile von Oran entfernt liegt der Hafen von Mers-cl-Kebir, gewissermaßen der Vorposten von Oran. Der Hafen ist nur klein, dochdie Rhede ist tief und durch Felsen gegen den Mistral, durch Batterien gegen denFeind geschützt. Auf einer schmalen Felsenjunge erhebt sich das Fort mit demLeuchkthurme. Fünf Meilen nordöstlich von Oran liegt Arzew, als Stadt unbedeu-tend, wichtig jedoch wegen ihrer ausgezeichneten Nhcde. An dem Meerbusen vonArzew und zehn Meilen von Oran liegt die Stadt Mostagancm, 230 Fuß über demMeere. Eine Meile davon ergießt sich der Schelif ins Meer. Diesem Umstände hatMostagancm es zu danken, daß sein Handel sich mehr und mehr hebt. Mazagran,eine Meile von Mostagancm auf der Straße nach Oran, ist ein unbedeutender Ortund ein Vorposten Mostaganems. Endlich ist noch die Stadt Scherschell zu er-wähnen, ein Hafenplatz zwischen Tenes und Algier. Die Stadt liegt in einer blü-henden Gegend, ist gut gebaut, stark befestigt und hat gegen 2000 Einwohner.

Im Innern der Provinz Oran muß vor allem genannt werden die StadtTlcmsen. Dieselbe liegt 5'/- Meile südlich von der Küste und sechs Meilen östlichvon der marokkanische» Grenze. Die Stadt ist von drei Seiten mit tiefen Schluch-ten umgeben und nur an der vierten (südwestlich) zugänglich. Die Einwohnerzahlbeträgt etwa 5000, worunter 800 Juden. Im Süden steht die alte CitadelleMeschnar, im Westen die Mansurah, ein befestigtes Viereck. Zehn Meilen südöst-lich von Oran, nahe an der Ebene Eghres, liegt Maskara. Die Stadt bildet einmit Mauern umgebenes Viereck, dessen Ecken mir kleinen Geschützthürmen versehensind.. Im Innern befindet sich ein Fort. Maskara besitzt viele bemerkenswerthe Ge-bäude, namentlich Moscheen, gute Wasserleitungen und ist sehr gewerbthätig. DieUmgegend ist reich und fruchtbar, das Klima sehr gesund, doch wird die Hitze imSommer oft unerträglich. Zur Zeit Abd-el-Kader's war Maskara ein wichtigerMittelpunkt der religiösen Agitation. Südlich von Scherschell, 57- Meile, liegt dieStadt Milianah, auf dem südlichen Abfall der ersten Atlaskette, 2700 Fuß über demMeere, ganz im maurischen Stile, aber gut gebaut. Im Sude» befindet sich dieehemalige Kasbah. Die Umgegend ist außerordentlich reich und ergiebig, der Auf-