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Zehnter Band.
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Algerien.

genwärtig sind bereits drei jener Dörfer völlig hergestellt und bevölkert, und dasUnternehmen scheint sehr glänzende Resultate zu liefern.

Uni den kleinern Colonisten, sowie den Arbeitern, welche aus Europa einwandern,für die ersten zwei bis drei Tage einen Zufluchtsort zu gewähren, hat die Regierungin den Häfen von Algier, Oran, Philippeville und Bona sogenannte Emigranten-depots errichtet. Im Jahre 1852 haben in diesen Depots etwa 14000 Indivi-duen momentanes Unterkommen gefunden.

Noch ist zu erwähnen, daß seit 1830 durch Kauf etwa 250000 HectarenLand, und zwar zum großen Theil gut bebautes, aus den Händen der Eingebore-nen in diejenigen von Europäern übergegangen sind.

Aus allen diesen Nachweisungen geht indessen hervor, daß der allerkleinste Theildes culturfähigen Bodens wirklich cultivirt wird, und daß noch viele Millionen Händereichliche Arbeit finden, freilich auch unter der Bedingung, daß genügende Capitaliendie Arbeit überhaupt möglich machen.

Schlußbetrachtung.

Die Zukunft eines Landes liegt wol zunächst in den Händen Derer, die esregieren und die es bewohnen; doch andererseits walten gewisse natürliche Verhältnisseund Bedingungen ob, nach welchen dessen Geschicke sich regeln. Daß Algerien einst

eine mächtige und blühende Colonie werden kann, daran ist nach den Hülfsquellen,

die es darbietet, nicht zu zweifeln, und es bedarf, um das zu beweisen, nicht erstdes Hinweises auf Karthago. Die Frage ist nur die, welche Stelle es voraussicht-licherwcise in dem Völkerbünde der civilisirten Welt wird einnehmen können.

In Frankreich meinen sehr Viele, vermittelst Algier werde Frankreich einstunumschränkt im Mittelmeere gebieten. Ein Blick auf die Karte zeigt jedoch dasEitle einer solchen Ansicht. Es genügt nicht eine langhingestreckte Küste zu besitzen,um ein Meer zu beherrschen: weder Schweden, noch Preußen, noch Rußland be-herrschen die Ostsee, und Neapel beherrscht nicht das Mittelmeer. Andererseits wardie Hansa einst Herrin der Nord- und Ostsee, schalteten Genua und Venedig einstunbeschränkt im Mittelmeere, und doch besaßen sie vcrhältnißmäßig geringfügige Kü-stenstriche. Diese Staaten waren bedeutende Handelsmächte, und nur, wenn der

friedliche Verkehr, die kommerzielle Thätigkeit Hand in Hand mit der maritimen

Machtentwickelung geht, ist an eine Seeherrschaft zu denken. Als Phönizier undKarthager die bekannten Meere beherrschten, gab es weder Engländer noch Ameri-kaner, es gab nicht einmal Franzosen in Toulon und Marseille. Am Welthandelkann Algerien nicht theilnehmen, solange es nicht im Stande ist, massenweise zuproduciren. Erst in der allerletzten Zeit .aber hat es angefangen, Frankreich miteinigen Prvducten zu versehen, während es in vielen Dingen seinen eigenen Bedarfnoch nicht befriedigen kann. Ein solches Verhältniß ändert sich aber nicht radicalin hundert, ja nicht in zweihundert Jahren, zumal bei den gegebenen klimatischenund sonstigen physischen Verhältnissen des Landes. Aber selbst abgesehen hiervon,muß man billig fragen, warum Frankreich mit Hülfe Algeriens eine Herrschaft sollteausüben können, die es jetzt allein- mit seinen respectabeln Mitteln nicht ausübenkann. Die Antwort hierauf dürfte eben in der geographischen Stellung des Mittel-meeres selbst zu suchen sein. Es ist dies ein geschlossenes Meer, zu dem Englandden Schlüssel besitzt und den es behalten wird, solange es eines Wegs nach Ost-indien bedarf. Der Besitz Algeriens wird an diesen Verhältnissen nichts ändern.

Man braucht indessen jene überspannten Hoffnungen der Franzosen nicht zutheilen und darf doch zugeben, daß ein Zuwachs an politischer Macht mit dem Be-sitze Algeriens verknüpft ist. Zunächst gilt es schon als negativer Vortheil fürFrankreich, daß nicht ein anderer Staat die Südküste des Mittelmeers beherrscht. Dieenglische Fahne in Algier und Bona wäre eine permanente Drohung gegen Toulonund Marseille. Ferner sichert die Herrschaft über mehre Millionen MohammedanerFrankreich einen entscheidenden Einfluß auf die künftigen Geschicke der mohammedani-