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Zehnter Band.
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Algerien.

scheu Welt überhaupt. Gelingt es dem französischen Organisativnstalente, den Islamis-mus dem modernen Staate anzupassen, wie dies neuerdings nicht ganz unwahrschein-lich erscheint, so wird dies auf die östlichen Reiche die tiefeingreifendsten Wirkungenausüben. Vermöge Algeriens näherte sich Frankreich dem Orient schon gar merklich.Bereits dehnt sich seine Herrschaft bis an die Grenze von Tunis aus, und letzterStaat, obgleich nominell von der Pforte abhängig, ist dies doch in viel höhcrm Maßevon Frankreich, sodaß man den Zeitpunkt als nicht gar zu fern betrachten kann, wodies Land die Geschicke Algeriens theilen wird. In noch späterer Zeit dürften Tri-polis und Fezzan demselben Anziehungspunkte folgen. Die französischen Farbenwerden alsdann an der Grenze von Ägypten wehen. An der westlichen Seite Al-geriens scheint Marokko bestimmt, früher oder später unter französische Botmäßigkeitzu gelangen. Dieser Staat zeigt sich fortwährend im Geheimen der französischenHerrschaft feindselig, und voraussichtlich führt dies Verhältniß endlich zu einem Kampfum die Entscheidung, die nur zum Vortheile Frankreichs ausfallen kann. Manmuß zugeben, daß dies Conjecturcn, deren Verwirklichung jedenfalls in weiter Ferneliegt; doch beruhen sie auf der Grundlage einer gewissen Nothwendigkeit. Algerienkann sich im Süden nur bis an die Wüste ausdehnen und scheint daher angewiesenin der Längenausdehnung einen Ersaß zu suchen. Allerdings wird jenes langhin-gestreckte schmale Küstengebiet ein Hinderniß mehr sein, daß die Colonie für Europaein politisch-furchtbarer Körper werde.

Für die gegenwärtige Zeit können indessen die Vortheile, welche Frankreich ausseinen algerischen Besitzungen zu ziehen vermag, hauptsächlich nur kommerzieller Na-tur sein. In dieser Beziehung befindet sich das Mutterland in einer Lage, wie keinanderer europäischer Staat seinen überseeischen Besitzungen gegenüber. Frankreich,als Industriestaat, producirt Alles, was Algerien bedarf, in reichlichem Maße, undder Seetransport, der sich in zwei bis drei Tagen bewerkstelligt, vertheuert dieseProducte nur um ein Geringes. Andererseits ist Algerien durch seine Bodenproducteberufen, Frankreichs Kornkammer zu werden, sowie überhaupt eine Menge von wich-tigen Producten zu liefern, welche jetzt noch aus fernen tropischen Ländern bezogenwerden müssen. Dem französischen Handel ist hiermit ein weites Feld der Thätig-keit geöffnet. Französische Fabriken werden natürlich aus diesen Verhältnissen dengrößten Nutzen ziehen, und die französische Rhederei wird die hauptsächlichste Ver-mittlerin sein. Wir haben weiter oben gesehen, daß nächst Frankreich die Hinter-länder und die fernen Colonien am meisten am algerischen Handel betheiligt sind,und daß dieser Verkehr hauptsächlich durch französische Schiffe bewerkstelligt wird.Dagegen ist kaum Aussicht vorhanden, daß Algerien selbst leicht ein Industriestaatwerden könne. Es fehlt hierzu an den Grundbedingungen, vor allem an einemHinterlande, welches für den Überfluß der Produktion einen geeigneten Markt ab-gäbe. Die geringen industriellen Bedürfnisse, welche die Araberstämme zu befrie-digen haben, können unmöglich die Grundlage einer großen Industrie bilden. EineÄnderung diese- Verhältnisses seht Umwandlungen in der Cultur der arabischenWelt voraus, welche außerhalb unserer Berechnung liegen und jedenfalls entferntenJahrhunderten vorbehalten bleiben. In militärischer Beziehung wird Algerien fürgeraume Zeit noch, wie bisher, Frankreichs praktischer Manöverplatz bleiben, wiedies bereits erwähnt worden. Frankreich selbst kann so des tiefsten Friedens genie-ßen und doch sein Heer in steter Kriegsübung erhalten. Neuerdings hat die Re-gierung auch begonnen, einen Theil der französischen Sträflinge nach Algerien zusenden. Man wird aber erst Resultate abwarten müssen, ehe sich beurtheilen läßt,ob jene Verbrechercolonien der Gesammtheit der Colonie von wesentlichem Nutzensind und die Lasten des Staats in Wahrheit erleichtern.

Die Aufgabe Frankreichs in Algerien ist ebenso groß als interessant. ES han-delt sich darum, eine ungezügelte, halb nomadische Bevölkerung an ein geregelte«Staatslcben zu gewöhnen. Der Araber, der bisjetzt die Hälfte seines Lebens aufseinem Pferde zubrachte, soll den festen Wohnsitz in einem steinernen Hause, eine