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Zehnter Band.
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426 Thüringen.

wie grünender Eppich. Gegen die Sorben scheint die Koburg gegründet zu sein, undums Jahr 990 wird Pfalzgraf Ezzo von Lothringen als Burgherr genannt. Spätertreten die Grafen von Henneberg als Besitzer auf. Durch Graf Heinrichs VII.Tochter Katharina, Gemahlin Friedrich's des Strengen, gelangte die Beste endlichan das Haus Meißen. Als Kurfürst Johann den Reichstag zu Augsburg besuchte,um die Augsburger Confession zu vertheidigen, weilte Martin Luther hier „im Reichder Dohlen", um seinem Beschützer möglichst nahe und doch sicher zu sein, und über-setzte in seiner Muße dem deutschen Volke die Propheten des Alten Testaments, wieer ihm auf der Wartburg die Evangelisten verdeutscht hatte. Auch das Lied „Ein'feite Burg ist unser Gott" soll hier entstanden sein. Im Jahre 1632 widerstanddie Beste Wallenstein sowol wie Altringer; seitdem verkleinerte sich ihre Bedeutungin dem Grade, wie sich die Belagerungswerkzeuge vervollkommneten. Herzog Ernst I.von Koburg-Gotha begann im Jahre 1838 die Restauration der Burg, und Hein-rich Schneider schmückte dieselbe mit dem „Einzüge Herzog Kasimir's in seine Burg";ebenso mit dem humoristischen Ereigniß, wo die auf der Beste gehaltenen Bärenihrem Käsig entkommen waren und den im Spcisesaal versammelten Herrschaftenaufwarteten. Schrecken aus allen Gesichtern; indeß eine Hofdame hatte die Geistes-gegenwart, die Ungcthüme mit-Confect zu füttern, bis die Wärter herbeikamen.Im Banketsaal reihen sich die Portraits der Helden des Dreißigjährigen Kriegs,Bernhard's von Weimar, Tilly's, Kaiser Ferdinand's, Gustav Adolf's und Wal-leustein's, im Nosenzimmer die der sächsischen Fürsten mit ihren Gemahlinnen vonDietrich II. (1030) bis zu Ernst dem Andächtigen (1486) aneinander. Die Waf-fensammlung des Rüstsaals führt uns vorn 12. bis zum 17. Jahrhundert durch eineziemlich vollständige Geschichte des Panzers und Panzerhemds, des Schwerts undDegenS, des Luntengewehrs und der Muskete. Besondere Erwähnung verdienen einSchild aus dem Hussitenkriege, die Turnierrüstung Bernhard's von Weimar, dasKurfürüenschwert (1460) und das Schwert Arnold's von Winkelried. An einemspanischen Schwert findet sich die Inschrift: „Zieh' mich nicht ohne Grund undsteck' mich nicht ein ohne Ehre." Türkische Waffen, welche der bekannte Feldmar-schall Friedrich Josias von Koburg (der Türkenfresser) erbeutete, erhielten ein eigenesGemach. Hierzu kamen neuerdings die große Orlogflagge vom Christian VIII. undder Degen Paludan's aus dem. schleswigschen Feldzuge des Herzogs Ernst II.

Die Wartburg, auf welcher jeder Stein von Sagen klingt und jeder Fenster-rahmen ein köstliches Landschaftsgemälde umfaßt, ersteht gegenwärtig unter der Für-sorge des Großhcrzogs Karl Alexander und unter Leitung des Architekten Nützenaus Gießen als stolzes Waldschloß, da sie eine zeitlang fast als im Verfall begriffenanzusehen war. Neue Fenstersäulen, Balcone und Zinnen schmücken das Ritterhaus,dessen großer Saal sich durch originelles Holzschnitzwerk, kletternde Bären und Affen,kauernde Adler, springende Katzen und märchenhafte Schlingpflanzen auszeichnet.Vom Professor Schwind aus München erhalten Kapelle und Gänge bedeutungsreicheFrescogemälde; bereits vollendet sind die vortrefflichen Scenen: „Warte Berg, dusollst eine Burg haben"; „Landgraf, werde hart"; „Die Rittermauer um Nauen-stein"; „Ludwig der Heilige und der Löwe", und endlich die Scene: „Das Kindmuß trinken und kostete es das thüringer Land." In der Rüstkammer befinden sichdie historischen Panzer Heinrich Raspe's, Albrecht's des Unartigen, Friedrich's mitder gebissenen Wange, der Prinzen Ernst und Albrecht, nebst der, welche Kunzvon Kaufungen trug. Auch die Rüstung des Papstes im Panzer, Julius' II-, be-findet sich hier neben manchem kursächsischen und französischen Eisenrock. Luther'sstille Zelle wird in alter, ehrwürdiger Ursprünglichkeit erhalten.

Welche Burg kann sich an Sage und Geschichte mit der Wartburg messen,von Ludwig dem Springer bis zu Landgraf Hermann, von Luther bis zum Octo-bersest 1817! Mit dem Sängerkrieg auf der Wartburg, welchem sich neuerdingsdie Aufmerksamkeit besonders zuwendete, hat es folgende Bewandtniß: LandgrafHermann erwarb sich bei viel ritterlichem Sinn, im Wetteifer mit König Robert