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Zehnter Band.
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436 Thüringen.

(Schönau, Liebau), oder auf Dürre (Dörrensölz) anspielen, bunt durcheinander.Auf altgermanische Nechtsinstitute deuten Dingsleben, Harras und Queienfeld.

Itoch grenzen der fränkische und thüringische Dialekt mit der alten Grenze desRennstieg, der wie ein Katzenstreif über den Nucken des Gebirges läuft und dendie alten Landgrafen von Thüringen beim Regierungsantritt von Osten nach Westenmir Gefolge zu umreiten hatten. Ganz eigenthümlich ist der Volkssprache des nörd-lichen Thüringe» der Infinitiv, welcher mit Wegwerfung der Endung en oder nund dem Präfixum ge gebildet wird; z. B. machen: gemach; schlafen: geschlas;thun: gethu. Auch die Ausdrücke: Hauserrn für Hausflur; die Ahrt das Pflügen;gähren schmähen; das Stoß schlechte Vieh; hvschoh! für holla! scheinen hier aus-schließlich im Gebrauch zu sein. Am deutlichsten gibt sich der Unterschied auch beiden höher» Ständen im Diminutiv auf le oder chen, und wie kürzlich in den„Grenzboten" richtig bemerkt wurde, durch die Höhe und Tiefe der Aussprache. DerFranke spricht, wie der Süddeutsche überhaupt, zwei bis drei Töne tiefer als der Nord-deutsche; dieser im Ganzen schneller; jener rauh, dieser weich. Den Unterschied vonD und T, von B und P versteht der Thüringer am wenigsten von allen Deutschen.In kleine» Nuancen wechselt die Modulation fast in jedem Thale und Flußgebiete,die einander überhaupt oft nicht minder fremd find als die Alpenthäler oder dieLandzungen Rügens. Zn der Nuhl wird das N ganz eigenthümlich geschnarrt undauch dort gibt es sonst nicht wiederkehrende Ausdrücke wie schillich für schlecht;hein? nicht wahr?; ei» Schnöder: 9 Pfennig; Helltä: Festtage. Im Süden heißtes: Grüß Gott! im Norden: Guten Tag! oder: Ihr Diener! wenn nicht gar: Die-ncrchen, Dienerchen!

Mit dem Dialekt gehen die Volkstrachten und die verschieden geformten Trag-körbe. In manchen Gegenden wird die Bauerntracht mit Strenge festgehalten; inandern blieb vielleicht nur ein schöner Nest im Kopfputz der Frauen übrig! Imnördlichen Hügellande, im wohlhabenden Frimarn und Siebleben thront auf denFrauenköpfen ein wahres Dohlennest aus Federn, Flocken und Litzen, von dem aussich eine Bändermasse wie ein Wasserfall den Rücken hinab ergießt. Ist der Schnittvon Rock und Mieder ziemlich modern, so hat sich doch in der Wahl der Farbenei» Herkommen erhalten und Dunkelgrün, Dunkelblau oder Schwarz mit stets hell-grünem breiten Besatz sind allgemein. Im Süden der Werra erscheint das rhein-fränkische türkisch-rothe turbangcformte Kopftuch, welchem wir in Ruhla und Thal,als aus nördlichem Vorposten'befindlich, vereinzelt begegnen, bei den Mädchen all-gemein; im Saalgebiete zeigt sich das blaue Kopftuch und in der Waldregion Mei-ningens kommt das schwarzseidene, zinnoberroth bebordete Tuch.

Ganz eigenthümlich bleibt die altcnburger Bauerntracht, sowol bei den Männernals bei den Frauen. Die Männer tragen bis an das Knie reichende und hier un-terbundene schwarzlederne Pluderhosen, woran sich dann die schon erwähnten engenStiefel schließen. Dazu kommt bei festlicher Gelegenheit der lange schwarze Staats-rock ohne Kragen, sodaß sich Reichthum und Rang vornehmlich an der Feinheit derHemdstickerei zeigen können. Für gewöhnlich vertritt eine stets dunkelgrüne Jacke dieStelle des Rocks. Den Kopf bedeckt ein niedriger fast mützenartiger Filzhuk. DieFrauen verhüllen ihr meist hellbraunes Haar in orientalischer Weise vollständig durchein unschön platt um den Kopf gewundenes buntes Tuch, das durch ein zweites,schleierförmig über den Rücken Hinabfallendes ergänzt wird. Vor der Brust erhebtsich als „Latz" ein aus zeuchüberzogener Pappe bestehender, geradeausstehender, bisunter das Kinn und oft höher reichender Harnisch, welcher bei der Arbeit im Stallund auf dem Felde sehr zweckmäßig sein soll, um Handgeräth dagegen zu stemmen,der aber auch als fürchterlicher Sonntagsstaat gelten muß. Dazu gesellt sich ein soenger Rock, daß er den Gang hindern würde, wenn er nicht schon am Knie endete,sodaß nun Strumpf und kokettes Strumpfband bei den reichern Mädchen eine be-sondere Zierde ausmachen.

Was sonstige Bräuche und Gewohnheiten betrifft, so sind die Bergmannsdörfer