Band 
Zehnter Band.
Seite
474
JPEG-Download
 

474 Thüringen.

lonialwaarenmassen Bremens nach Baiern und der Schweiz, viel Getreide auSBaicrn nach Bremen kragen, viel Eisen, schweres Baumaterial und die Steinkohlevon Neuhaus befördern wird. Die Kosten sollen sich bei einer Strecke von mehrals 19 Meilen nicht übermäßig auf etwa 7,651000 Thaler belaufen. Die Ausführungder Zweigbahnen von Sonncberg nach Koburg und der Verbindung von Koburg undLichtenfels hängen von der Ausführung der genannten Hauptbahn ab. Für eine Eisen-bahn von Gera nach Altenbnrg wurden die Vorarbeiten schon 1847 vollendet, aberüber die Ausführung ist es seitdem wieder still geworden.

Um eine große Rolle im „kosmischen Gütcrleben" zu spielen, fehlt Thüringenzwar dir Überfluß an Rohprodukten und bisjetzt wenigstens die Steinkohle; nurder Südosten dieser Staatengruppe konnte sich die Nähe der zwickauer Kohlen-werke vollständig zunuhe machen. Indeß sind fast alle thüringische Länder imStande, Vieh, Wolle, Leder, Eisen, Salz und Hol; zu exportiren; mehre fabricirenund exportiren Eisenwaaren, Woll- und Baumwollstoffe, Glas, Porzellan, Farben-erden, Vitriol, feine und grobe Holzfabrikate. Überall übersteigt der Ausfuhrwerthden Werth der Einfuhr. Der Export Meiningens beträgt nach einem mäßigenÜberschlage jährlich 900000 Ccntner mit einem Ertrage für die arbeitenden Jn-dustriekräfte von mehr als 6 Millionen Gulden. Wenn Meiningen in der Regelnur fünf Siebentel seines Getreidebedarfs producirt, so exportirt Altenburg bei nureinigermaßen günstiger Ernte reichlich. Gotha versendet jährlich an 5000 CeutnerFleischwaaren, sodaß die betreffenden Handlungen in Leipzig nicht leicht versäumen,auf die Firma „Leipzig und Gotha" zu sehen. Es kann keine Rede davon sein,daß die kleinen Staaten sich aufeinander beschränken sollen: mag Altenburg nachHamburg liefern und Meiningen vom Nhcine beziehen, nur wird man, wenn dieCommunicationsmittel sich mehren und Erzeugnisse wie Bedürfnisse rubricirt sind,erst in der Nähe und dann i» der Ferne Ausgleichung suchen, nicht umgekehrt.Die Holzausfuhr, welche sich früher aus Verflößung durch Main, Saale und Werrabeschränkt sah, ist seit der Eisenbahneröffnung und namentlich seit der zweiten Hälftedes Jahres 1855 so bedeutend geworden, daß die bis dahin unerhörte Nachfragenur zum geringsten Theile befriedigt werden konnte. Namentlich ging sehr viel Bau-holz nach Westfalen für die dortigen Eisen- und Steinkohlenbaugesellschaften.

Als Hauptstadt des thüringischen Verkehrs bleibt nach Lage und Leben immerErfurt, obgleich sein Handel, seitdem der directe Bezug namentlich von den Seestäd-ten in Schwung gekommen ist, beträchtlich gelitten hat. Noch immer besitzt es mehrals dreißig Großhandlungen und die Spedition durch Agenten und Mäkler ist be-deutend. Die Fabriken pharmaceutischer Präparate, sowie pharmaceutischer undchemischer Geräthschaften nehmen einen namhaften Platz ein. Die Maschinenfabrikhat eine ausgebreitete Thätigkeit. Metall- und Lederwaaren, Baumwollgcwebe allerArt und Garn bilden bedeutende Exportgegenstände. Als Hauptmanufacturort der vonuns vorzugsweise ins Auge gefaßten thüringischen Staaten ist jedoch Gera zu bezeich-nen, das sich seit etwa zwanzig Jahren zu einer sehr ansehnlichen Stadt emporgear-beitet hat. Geras Wollzeugproduction kann sich den bedeutendsten Plätzen in Deutsch-land anschließen, Sie ging von altersher auf alle Messen Deutschlands, nach demNorden, nach Ostreich, Italien und der Schweiz. Die dortigen Fabrikanten bestan-den jede Concurrenz und waren die letzten, welche Zollschuh begehrten. Oft wardie Nachfrage in und außer den Messen bei ihnen so groß nach Amerika, Spanien,der Türkei und Ägypten, daß sie die rohen Merinos in England auskauften, umden übernommenen Verpflichtungen in gefärbten und gedruckten Stoffen rechtzeitig ge-nügen zu können. Gegenwärtig bezieht die Wollmanufactur von Gera ihre Wollenicht blos aus dem Thüringischen, dem Königreich Sachsen und den benachbartenpreußischen Provinzen, sondern auch aus Mecklenburg, Polen, Rußland und Un-garn. Sie beschäftigt nicht nur Spinnereien in Gera und dem Ncußischen, sondernauch in Thüringen und Sachsen. Ebenso vertheilt sie ihre Webereien an Merino,Tibet, Wollmuseline u. s. w. auf Gera, Schlei-, Greiz und die Umgegend. Die