Thüringen. 475
schon erwähnte Abhandlung des Geh. Justizraths Ncichard in Redens „Zeitschrift fürdeutsche Statistik" (Heft 3, März 1847) gibt die Stühle von Gera aus 850, dieauswärtigen Stühle auf 4500 — 5000 und die Quantität Kammwollgarn, welchejährlich durch die geraischen Fabriken verarbeitet wird, auf 12000 Centner an, welcheeinen Mittelwerth von 1,500000 — 2,000000 Thaler darstellen. In einem Berichtder Handelskammer von Gera aus dem Jahre 1850 finden wir die Anzahl derWebstühle für Kammwollwaaren auf 3575 gestiegen, was eine Vermehrung umdas Vierfache bedeutet. Zur Fabrikation der gemischte» Stoffe werden aufs Jahrfür 70—80000 Thaler Seide aus Italien und und den Zwischenplähen, und anfeinsten Baumwollengarnen etwa 1800 Centner eingeführt. Die eingehenden Farben-waaren für die dortigen Fabriken belaufen sich jährlich auf einen Werth von 60000Thaler. Der Werth der geraischen Wollzeuge und gemischten Waaren, wie diesel-ben in Farbe und Appretur vollendet in den Handel kommen, wird jährlich auf3—3'/r Million Thaler geschäht. Die Tuchmanufactur (1850: 1350 Stühle) pro-ducirt einen Theil des Garns selbst, bezieht aber »och mehr Gespinnste aus demAuslande. Auch die Production an Leinwand, an Strumpf- und Bandwaare istnicht unbedeutend. Für die Lederbereitung belänft sich die Zufuhr an Netzhäuten ausdem Norden und Amerika, welcher am leichtesten nachzukommen ist, auf 6000 Centner.Nicht unbedeutend ist auch eine Maschinenbauwerkstätte mit dazu gehöriger Eisengießerei.Dabei find die Arbeitslöhne in Gera nicht gedrückt; das Proletariat nicht übermäßig. InSchleiz werden jährlich ungefähr 5000 Centner Baumwollengarn aus England, Sachsenund Baien,; 7—800 Centner türkischroth gefärbte Garne aus Elberfeld und Düsseldorfverwebt. Greiz hat nach den Gewerbetabellen von 1853 vier Kammgarnspinnereienmit 6140 Feinspindcln. I» 52 Fabriken für wollene und halbwollene Zeuge 2607Handstühle; in einer Baumwollweberei 500 Handstühle. Kleine Webermeister sehen255 Stühle für Seide und Halbseide, 273 für Baumwolle, 1696 für Wolle undHalbwolle in Bewegung. Es gibt hier zwei große Färbereien, vier Zeugdruckereien.In Zculenroda arbeiten in neun Strumpffabriken, die bis China cxportiren,1137 mechanische Stühle. Außerdem befindet sich in Dölau eine Kammgarn-spinnerei mit 1040, in Schönfeld eine mit 1120 Spindeln. Im ganzen LändchenNeuß-Greiz klappern 9050 Handwebstühle neben den 1137 mechanischen. Zeulcn-roda ist die erste Strumpfwirkerei der thüringischen Staaten, wie Apolda im Weima-rischen mit seinen acht Fabriken gehäkelte, gestrickte und gewirkte wollene Modewaaren,Jacke», Mühen (Fez), Röcke und Shawls liefert, die bis in den Orient gehe» undsich auf der Industrieausstellung in München große Anerkennung erwarben. Flanell,Barchent u. s. w. wird in Eiscnach, Ruhla, Koburg, Saalfeld und vielen Ortengewebt.
Die Eisenprodnctio» Thüringens haben wir oben annäherungsweise im Gewichtangegeben, und in Schmalkalde» und Brottcrode, in Suhl und dessen Umgegend, inAella und Mehliö herrscht rechtschaffener Gewerbfleiß, wenn er auch nicht imStande ist, dem Proletariat und seiner Noth zu steuern. Es hält allerdings schwer,daß die Büchsenschäfter und gar die Messerschmiede, Feilenhauer und Verfertiger derSchustcrahle und Spicknadcl gegen die Maschinen und die Massenproduktion Bel-giens, der Nuhr und selbst größerer deutscher Fabrikstädte Concurrenz halten. Suhl,das schon von, 9. Jahrhundert an Waffen schmiedete, bis ins 16. Jahrhundert alsDeutschlands Waffenkammer galt und Gewehre nach den Niederlanden und Spa-nien lieferte, wird gegenwärtig nicht nur durch Lüttich und Sömmerda, sondernschon durch Jserlohn und Kassel gedrückt. Die preußische Regierung veranlaßte inneuerer Zeit die Anlage von drei Gewehrfabrikcn in Suhl, welche bis zum Jahre1851 vorzugsweise mit der Ausführung fortlaufender Aufträge der preußischen Mi-litärverwaltung beschäftigt wurden. Diese Aufträge waren so bedeutend, daß nichtselten Bestellungen auswärtiger Regierungen abgewiesen werden mußte». Nach derGewerbetabelle von» Jahre 1849 waren in den dortigen Gewehrfabriken 786 Arbei-ter beschäftigt. Seitdem haben jedoch jene Staatsaufträge aufgehört, weil das