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Zehnter Band.
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480 Die aeuere Physiologie rc. ^

Schöpfung, wie sie auf der Erde sich entwickelt, auch wirklich nur allein auf dieser U

Fortpflanzung durch Einzelwesen beruht oder ob auch Ncuerzeugung von bisher un- P

bekannten Formen stattfindet? ^

Es laßt sich nicht leugnen, daß die Thatsachen, welche die Geologie uns an die Zs

Hand gibt, für eine solche Neuerzeugung organischer Formen sprechen. Die Artender Thiere und Pflanzen, welche in frühern Zeiten die Erde bevölkerten, sind voll- ^

ständig untergegangen und andere an ihre Stelle getreten, die unmöglich, was auchmanche Theoretiker davon gesagt haben mögen, aus den früher bestehenden hervor-gegangen sein könnten. Die Erdgeschichte weist uns unzweifelhaft nach, daß gewisse S

organische Typen vernichtet, daß andere neu gebildet wurden; aber über die Art und ^

Weise dieser Entstehung neuer, vorher unbekannter Formen läßt sie uns gänzlich im M

Dunkeln. Nicht minder ist es eine noch ungelöste Frage, ob diese Erschaffung neuer ^

Formen nur von Zeit zu Zeit, epochenweise, nach großen Intervallen, in mehr oder ,y,

minder allgemeiner Weise sich wiederholte, wie die Vertheidiger scharf abgeschnittenerSchöpfungsepoche» wollen, oder ob diese Neuschaffung beständig fortging, indem nach > ^a>

und nach an die Stelle eines aussterbenden Typus ein neuer gesetzt wurde. War ^

dies Letztere der Fall, so spricht die Analogie auch dafür, daß in demjenigen Abschnitte ^

der Erdgeschichte, in welchem das Menschengeschlecht mit der heutigen Schöpfunglebt, ebenfalls eine solche Neuerzeugung organischer Typen stattfindet. So sehr man ^

aber versucht sein mochte, dieser Annahme beizupflichten, so geben uns dennoch diein der heutigen Schöpfung beobachteten Thatsachen keine Grundlage an die Hand, ^

welche auf eine Neuschöpfung organischer Formen schließen ließen. Die ältere Natur- S

forschung hat zwar viel von einer sogenannten Urzeugung geträumt, wonach Pflanzen hj,

und Thiere, besonders niederer Art, unmittelbar aus den chemischen Elementen ent- ^

stehen sollten: Luft, Wasser und organische Substanz — der formlose, sogenannte ^

Urschleim — sollten fähig sein, durch ihr Zusammentreten neue Thier- und Pflanzen- h>,

formen zu erzeugen. Es sind noch keine zwanzig Jahre her, daß man in allen Lehr- ^

büchern weitläufige Abhandlungen von der Urzeugung (Ssneratin asquivoos oder ^

spontanes) fand, in welcher eine Menge Beobachtungen, meist sehr »»Wissenschaft- be

licher Art, zum Nachweise derselben aufgehäuft waren. Das Mikroskop, welches ^

uns mit den kleinsten, dem bloßen Auge unsichtbaren Pflanzen und Thieren bekannt ^

machte, uns deren Keime und Lebensgeschichte kennen lehrte, hat nach und nach, ^

freilich nur infolge hartnäckiger Mühen, diese Nebel zerstreut. Es ging hier wie in ^

allen übrigen Erfahrungswissenschaften nnt dem x der unbekannten Endursache. Je ^

weiter die unmittelbare, thatsächliche Erkenntniß drang, desto mehr Organismen wu» ^

den aus der Liste derjenigen gestrichen, die durch Urzeugung entstehen sollten, und ^

heute kann man sagen, daß dieser Mythus nur noch in den Köpfen Derjenigen spukt, ^

die vor zwanzig Jahren ihre Kenntnisse über diesen Punkt auf den Universitäten hol- Hh

ten und auf dem dort gewonnenen Standpunkte stehen blieben. Ich würde diesen ^

Gegenstand bei dem geringen Raume, der uns zugemessen ist, demnach gänzlich bei ^

Seite lassen, wenn nicht noch eine tiefe Wurzel des Glaubens an eine Urzeugungin den gewöhnlichen Vorurtheilen der Menschen haftete. Diese Wurzel ist die Ent- ^

stehung der Eingeweidewürmer. Der Mensch beherbergt deren eine große Zahl. Man ^

kennt im Ganze» wol über zwanzig verschiedene Arten, die nicht nur im Darme, ^ä

sondern auch in fast allen übrigen Organen des Menschen sich vorgefunden haben, ^

viele an Orten, zu welchen kein Zugang von außen existirt, zum Theil in den ver-borgensten innern Organen: im Gehirn, im Auge, im Muskelfleische, in der Leber, ^in den Nieren u. s. w. Jedermann hat bei sich selbst, bei Kindern oder Angeho-rigcn Bekanntschaft mit diesen unheimlichen Wesen gemacht, und den Meisten de

von dem Arzte die Versicherung gegeben worden, daß die Würmer auf Kosten d^ ^Leibessubstanz durch eine krankhafte Disposition entstanden seien, u>un urcygeeignete Mittel bekämpfen könne. So sollen die Spulwürmer und Peitschenwurmer ^

der Kinder, die Bandwürmer der Erwachsenen durch eine solche krankhafte An age ^

gebildet werden, infolge einer regelwidrigen Bildungsthätigkeit, ganz m ähnlicher

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