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Zehnter Band.
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484 Die neuere Physiologie rc.

diese in der Weise ein, daß man eine seichte Rinne an irgend einem Orte des Thier-chcns entstehen sieht, welche allmälig tiefer wird und nach und nach so sehr sich ein-grabt, daß die zwei Individuen nur durch eine Brücke zusammenhängen, die zu-letzt ebenfalls schwindet. Gewöhnlich findet diese Theilung der Quere nach statt, inandern Fallen beobachtet man auch Längskhcilung oder selbst eine schiefe Theilung,die zu der Achse des Thiers in keiner bestimmten Beziehung steht. Bei der Längs-theilung werden gewöhnlich die Organe, die das nngetheilte Thier besaß, so gespalten,daß jeder Theilungssprosse eine Halste derselben erhält. Bei der Qucrtheilung findetdie Neubildung derjenigen Organe statt, welche der einen Hälfte ausschließlich zu-fallen. Dies ist z. B. der Fall bei den Glockenthierchen, die durch eine schiefe Quer-spalte sich in der Weise trennen, daß der Mund dem vorder» Theilsprößling aus-schließlich angehört. Der Hintere Theilsprößling erzeugt in diesem Falle an einer be-stimmten Stelle seines Körpers einen neuen Mund. Wahrscheinlich in allen Fällengeht die Theilung der Infusorien von einem innern Gebilde, dem sogenannten Kerneaus, welcher zuerst sich verlängert, schuhsohlenförmig einschnürt und um dessen Hälf-ten herum sich dann die Körpermassen der beiden Theilsprößlinge concentriren. So-bald die Theilung vollendet ist, gleichen beide Theilsprößlinge dem ursprünglich ein-getheilten Individuum, nur mit dem Unterschiede, daß sie etwas kleiner sind. Esist leicht begreiflich, daß bei solcher Fortpflanzungsweise eine ungeheure Anzahl vonNachkommen erzeugt werden kann, da durch die stete Theilung der Sprößlinge jenegeometrische Proportivnsrcihe entsteht, die durch das Beispiel vom Schachbrett so be-rühmt geworden ist. In der That scheinen nun die aus einer Theilung hervor-gegangenen Infusorien die Fähigkeit zu besitzen, sich sehr bald, oft schon nach we-nigen Stunden, aufs neue wieder zu theilen, sodaß ein Individuum in sehr kurzerZeit Millionen von Nachkommen zu erzeugen und ganze Wassertümpel zu bevölkernim Stande ist.

Die Knospenbildung dürfte unter den niedern Thieren besonders häufig da auf-treten, wo die Bildung eines gemeinschaftlichen Thierstockcs oder einer sogenanntenKolonie erzielt wird. Wir kennen ganze Thiergruppen, in welchen die Associationeinzelner Individuen zu einem gemeinschaftlichen Ganzen fast ein durchgreifendes Ge-setz ist, wo dann infolge dieser Association auch bei sehr unscheinbaren Thierchen diestaunenerregendsten Resultate in Beziehung auf Massenentwickelung hervorgebrachtwerden. Die Koralleninseln sind nicht die einzigen Beispiele, die man in dieser Hin-sicht erwähnen kann. Der Boden des Meeres ist bis auf eine gewisse Tiefe fast buch-stäblich überdeckt mit den Erzeugnissen solcher Thierstöcke, die ihrer Organisation nachverschiedenen Typen angehören, aber alle durch Knospung von ursprünglich einfachenIndividuen hervorgebracht wurden. Die Knospung selbst ist meist ein höchst ein-facher Vorgang. An einer bestimmten Stelle des thierischen Mutterkörpers bildet sicheine Ausbuchtung, deren Höhle ursprünglich mit dem Reservoir der allgemeinen Er-uährungsflüssigkeit in Verbindung steht. Diese Ausbuchtung isolirt sich mehr undmehr. Nach einem gewissen Typus schreitet die innere Bildung vorwärts, währendzugleich aus der anfangs unförmlichen Knospe sich die Gestalt des Individuumsherausmodellirt, sodaß zuletzt als Endpunkt des Processes ei» neues Individuum da-steht, welches bald dem Muttcrthier ähnlich, bald auch durchaus von ihm an G-stallund Funktion verschieden ist. Oft bleibt die Knospe in stetem Zusammenhange mitdem Mutterthiere während des ganzen Lebens, zuweilen in so inniger Weise, daßeine genauere Trennung der einem jeden zugehörigen Organe fast nicht möglich ist-Aus solchem Zusammenhange und aus der Entstehung der Knospen an bestimmtenOrten entspringen dann die verschiedenen Formen der Thierstöcke, bei denen auß^den mehr oder minder im Zusammenhang befindlichen Einzelthieren meist auch nochsolche Theile unterschieden werden können, welche der Gesammtheit des Thierstocksangehören. Ost beschränkt sich das Gemeinschaftliche auf eine Grundsubstanz, aufeinen mehr-oder minder formlosen Mutterbodcn, welcher von Kanälen durchzogenwird, in denen die yllgemeine Ernährungsflüssigkeit circulirt und aus welchen dann

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