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Die neuere Physiologie rc.
häufig die neuen Knospen entstehen; oft aber ist auch der gemeinschaftliche Theilhöher organisirt, indem er selbständige Contractilität, besondere Schuh- und Bcwe-gungsorgane zeigt. Oft ist der Zusammenhang der durch Knospung erzeugten In-dividuen ei» ziemlich loser; in andern Fällen ist die Verschmelzung der Einzelthiereeine innigere. Hier (bei den zusammengesetzte» Seescheiden) werden die einzelnenThiere von einer gemeinschaftlichen Masse, einem Mantel, umhüllt, der Zellen ent-hält, in deren Höhlungen die Einzelthiere sich zurückziehen können und in welchemzugleich Kanäle ausgegraben sind, die den Einzeithierc» als Abzugskanäle der Aus-wurfsstoffe dienen, während sie sonst vollkommen voneinander isolirt sind; dort(bei den Polypen) öffnet sich der Ernährungskanal eines jeden Individuums in eingemeinschaftliches Reservoir oder in ein Netz gemeinschaftlicher Kanäle, sodaß die voneinem Einzelthiere genommene Nahrung dem ganzen Thierstocke zugute kommt.Während so einerseits eine mehr oder minder innige kommunistische Verschmelzungder Individuen durch die Knospung hergestellt wird, ist es andererseits durch densel-ben Vorgang möglich, Thicrstöcke herzustellen, bei welchen die verschiedenen Indivi-duen nicht viel mehr als die Bedeutung einzelner Organe eines zusammengesetztenIndividuums darstellen. Einzelne solcher Individuen sind dann ausschließlich zurNahrung, andere zur Fortpflanzung, andere zur Bewegung bestimmt; jedes sol-ches Einzelthier hat eine seinem Zwecke entsprechende Organisation, bildet sich aberaus einem gemeinschaftlichen Grundtypus hervor, der erst im Laufe der Entwickelungsich in bestimmter Weise modificirt. Leicht begreiflich ist es auch, daß bei derartigerFortpflanzung die Grenzlinie zwischen Organ und Individuum dann verwischt wer-den kann, wenn die Knospe auf einem solchen Punkte ihrer Entwickelung stehenbleibt, wo sie noch in voller Unselbständigkeit auf Kosten des prodncircnden Einzel-thieres existirt. Nicht jede Knospe wird ein Individuum, obgleich in ihrer Grund-gestalt die Möglichkeit gegeben sein kann, ein solches zu werden. Bei den sogenann-ten Schwimmpolypen (Siphonophorcn) ist die Vielgestaltigkeit der Thicrstöcke wolauf den höchsten Gipfel getrieben. Man findet dort das specielle Individuum für Er-nährung, oft auch für Bewegung und für Fortpflanzung, die alle sich nach einemgemeinschaftlichen Typus aus Knospen hcrvorbilden und durch ihre Verbindung einenThierstock darstellen, der wieder Gesainmtorganc und einen Gesammkwillcn besitzt.Deshalb aber annehmen zu wollen, daß Alles, was nach dem gemeinschaftlichen Knos-pentypns sich hervorbildet, auch ein Individuum sei, ist denn doch wahrlich eineetwas zu weit getriebene Ausdehnung des Begriffs, den man mit dem Worte In-dividuum verbindet. Bei den erwähnten Schwimmpolypen hat ein jedes Nah-rungskhier einen Fangfaden von äußerst complicirter Strüctur, der genau auf die-selbe Weise hervorsproßt, genau nach demselben Typus sich entwickelt, wie das In-dividuum selbst; ja sogar die einzelne» Anhängsel dieses Fangfadens sprossenebenfalls nach demselben Knospcntypus hervor, sind morphologisch in Übereinstim-mung mit allen übrigen Theilen des Thierstockes, mögen diese nun Individuen oderOrgane darstellen. Soll der Fangfaden, soll das Anhängsel des Fangfadens des-wegen ein Individuum heißen, weil es aus demselben Knospcntypus, wie jenes, sichhervorbildet? ,
Die Beantwortung von Fragen dieser Art hängt freilich mit gewisse» Grund-anschauungen in der Physiologie zusammen, die wir nicht unberührt lassen können.Für Denjenigen, welcher in der Function nur das Resultat einer bestimmten Struktursieht, ist ein Übergang zwischen Organ und Individuum leicht begreiflich: es mußihm klar sein, daß die Entwickelung einer Knospe auf jeder beliebigen Stufe stehenbleiben kann, wo bald die unabhängige Jndividualisirung, bald die Abhängigkeit desOrgans mehr hervortritt. Nicht so verhält es sich mit Denjenigen, welche dein In-dividuum noch einen immateriellen Eristenzgrund verleihen, der sich der Organedes Individuums gleichsam nur als seiner Werkzeuge bedient und der selbst nachder Vernichtung desselben noch fortdauert. Da muß denn freilich eine tiefe Kluftbefestigt sein zwischen beiden Begriffen: Organ und Individuum. Betrachtet man