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Zehnter Band.
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488 Die neuere Physiologie re.

lichc Zeugung vorkommt. Die Fortpflanzung durch innere und äußere Keime, miroder ohne Generationswechsel ist demnach in der großen Reihe der Erscheinungen invieler Beziehung nur eine Ausnahme, welche aus specielle» Ursachen entspringt.Diese liegen wol meistens in den LcbenSbedingungen, durch welche die Brüt oder dieausgebildete Art durchgehen muß. Da wo die Erzeugung einer großen Anzahl fori-pflanzungsfähiger Individuen nöthig ist, um die Existenz zu sichern, wo ferner einegroße Anzahl von Keimen hergestellt werden soll mit möglichst geringem Substanz-verlust, wo bleibende Associationen gegründet werden sollen, deren einzelne Theilhaberin organischem Zusammenhange miteinander bleiben werden, wo endlich unüberwind-liche Schwierigkeiten dem Zusammentreffen der zeugenden Individuen gegenüber-stehen — in allen diesen Fallen werden wir innere und äußere Knospenzeugungantreffen, die je nach den äußer» Existenzbedingungen in mehr oder minder abwei-chender Weise in die Abwickelung des Lebens eingreifen werden. Wir dürfen unsindeß nicht verhehlen, daß unsere teleologischen Speculationen in vielen Fällen auchscheitern und wir uns durchaus keine Rechenschaft geben können, warum in den Le-benscyklus dieser oder jener Art eine solche ungeschlechtliche Zeugung eingeschoben ist,zumal da in allen dennoch wieder auf die geschlechtliche Zeugung als durchgreifendeNorm zurückgegangen wird und demnach stets wieder die Möglichkeit gegebenist, diejenigen Schwierigkeiten und Hemmnisse zu beseitigen, die unserer Ansicht nachder geschlechtlichen Vermehrung im Wege gestanden haben sollen. Bei allen Schluß-folgerungen, welche, wie wir später sehen werden, aus den Fortpflanzungserschei-nungen gezogen werden können, wird man deshalb stets von der geschlechtlichen Fort-pflanzung als Grundlage ausgehen und die übrige» Fortpflanzungsarten nur alsNebenerscheinungen auffassen müssen. Deshalb dürfen wir aber auf der andernSeite nicht verkennen, daß die Forschungen über die verschiedenen Arten der unge-schlechtlichen Fortpflanzung, welche bei den niedern Thieren vorkommen, über dasVorkommen und die Bedeutung des Generationswechsels einen der Glanzpunkteunserer in der neuesten Zeit gewonnenen Resultate in der Entwickelungsgeschichteder Thiere abgeben, und daß die.allseitige Verfolgung der dabei stattfindenden Vor-gänge noch immer einen der wesentlichsten Gegenstände der Untersuchungen in dieserRichtung bildet.

Die Fortpflanzung der Gattung auf geschlechtlichem Wege wird durch denGegensatz zweier Producte des Organismus vermittelt, die wir mit dem Namendes Samens und des Eies belegen. Bei dem Menschen und allen Wirbelthieren,sowie fast bei sämmtlichen Gliederthieren, ja selbst bei den meisten niedern Typenfindet man die Geschlechter getrennt, sodaß zwei Individuen, Männchen und Weib-chen, die oft durch äußere Charaktere bedeutend verschieden sind, zusammen den Be-griff der Art darstellen. Nur bei einigen verhältnißmaßig geringen Ausnahmen, wiez. B. bei unsern Landschnecken, findet man wahre Hermaphroditen, d. h. Individuen,welche vollständige männliche und weibliche Zcugungsorgane auf demselben Indivi-duum vereinigt tragen. Unter den uns bekannter« Thieren sind die Blutegel undNegenwürmer in demselben Falle. Aber selbst bei Hermaphroditischen Thieren dürftees nur selten vorkommen, daß das einzelne Individuum sich selbst zur Hcrvor-bringung von Jungen genügte. Meist find die Zeugungsorgane in der Weise ange-ordnet, daß zwei Individuum einander begegnen müssen, um wechselswcise ihre Eierzu befruchten.

Die Struktur der Zeugungsorgane in ihren so außerordentlich verschiedenen For-men hier näher zu erörtern, dürfte unsere Aufgabe nicht sein. Fortgesetzte Unter-suchungen über den Typus, nach welchem sie sich entwickeln, haben die Thatsachefestgestellt, daß dieser für beide Geschlechter gemeinsam ist, und daß die" einzelnen Ab-theilungen der Geschlechtsapparate bei Männchen und Weibchen einander in ihremGrundplane genau entsprechen. Jeder Theil der Geschlechtswerkzcuge findet selbstda, wo die Verschiedenheit groß ist, sein Analogon bei dem ander» Geschlechte; diescheinbar so sehr verschiedenen Theile entwickeln sich aus einer Grundlage, von wcl-