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Zehnter Band.
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Die neuere Physiologie rc.

dcr besonders nach dem einen Ende hin etwas spitzig ausgezogen ist und dort ineinen langen dünnen, nur wie eine Linie sichtbaren Schwanz anstaust, welcher sichpeikschenartig hin- und herbewcgt. Das Innere dieser Körperchcn zeigt keinerlei Artvon Structur; ihre Gestalt, ihre Größe, das Verhältniß zwischen Körper und Schwanzwechselt bei de» verschiedenen Thieren auf das mannichfaltigste, sodaß man mit Fugund Recht behaupten kann, eine jede Art oder Species habe auch eine eigenthümlicheForm von Samenthierchen. Am allgemeinsten herrscht die fadenförmige Gestalt inder Thierwelt vor, sodaß man auch den Namen Samenfäden für diese Gebilde vor-geschlagen und gebraucht hat. Bald ist der Faden vollkommen einfach, linienförmig,wie bei vielen Insekten, bald an dem einen Ende verdickt, stabförmig oder selbstkorkzicherartig gewunden, wie 6ei manchen Singvögeln, bald wieder zu einer Scheibeabgeplattet, wie bei den meisten Säugethieren. Bei der Unke und den Wassersala-mandern ist der lange Schwanz von einer undnlirenden Flosse auf beiden Seiteneingefaßt. Bei den Krebsen findet man nur starre, tonnen- oder dosenförmigeGebilde mit seltsamen strahlförmigen Spitzen; bei den Spulwürmern unbeweglichekculen- oder stabförnüge Körperchcn mit eigenthümlichen Besäße an dem einen Ende.

Die Bewegungen, welche die Samenkörperchen ausführen, werden meist durch Win-dungen und Schlängelungen des Schwanzes bewirkt; sie hören erst dann auf,wenn die Zersetzung beginnt, und hängen durchaus nicht mit dem individuellen Le-ben des Organismus zusammen. In warmblütigen Thieren hören die Bewegungenziemlich bald nach dem Tode durch die Erkaltung der Leiche auf, in kaltblütigendauern sie tagelang nach dem Tode fort, und bei vielen Insekten ist die Fortdauerder Art einzig auf den Umstand berechnet, daß die Samenthierchen innerhalb derGeschlechtsorgane der im Herbste begatteten Weibchen den ganzen Winter hindurchunverändert sich erhalten, um die im Frühsahr zu legenden Eier zu befruchten. Erst dieUntersuchungen der Neuzeit ließen dann noch bei einigen Thieren die Bildung höchsteigenthümlicher Samenmaschinen erkennen — sonderbare, oft sehr complicirt gebauteApparate, die dazu bestimmt sind, die in ihnen eingeschlossene Samenmasse an einenbestimmten Ort zu schleudern, und die man früher oft für Eingeweidewürmer oderabnorme Productionen hielt.

Die erste» Entdecker der Samenthierchen hielten dieselben nicht nur für thieri-sche Individuen, sondern sogar meist auch für das junge Wesen selbst, daS nur nochweiterer Ausbildung bedürfe, die ihm innerhalb des Eies werde. Diese Ansicht ent-sprach der Überzeugung von der männlichen Superioritäk zu sehr, als daß man sienicht lange Zeit hätte festhalten sollen. Der Mann gab daS Wesen des Jungen,freilich in concentrirtester Menge und Gestalt; das Weib gab den Stoff, auf Kostendessen der mikroskopische, vom Manne stammende Embryo sich entwickele. Erstnachdem man auch anderweitig bewegte Elemente des thierischen Körpers, wie z. B.die Flimmerzellen gefunden hatte, wurden Zweifel an der individuell-thierischen Na-tur der Samenthierchen wach, die denn auch durch die genauere Verfolgung ihrerEntwickelung, sowie durch die Feststellung ihrer Rolle im Befruchtungsprocesse voll-ständig bestätigt wurden. Alle Samenthierchen entwickeln sich, den Untersuchungender Neuzeit zufolge, in den Drüsengängen des Hodens aus Zellen, in welchen meistnoch kleine Tochterzellen eingeschachtelt liegen, welche die wahre Bildungsstätte des 'Samenkörperchens darstellen. Dieses wird nach und nach durch Schwinden seinerHüllen frei, und gelangt dann in völlig ausgebildetem Zustande in die Leitungsorgane,wo es meist bis zur Befruchtung verweilt. Man kann demnach die Entwickelungder Fornielemente des männlichen Samens von ihrem Ursprünge an bis zu ihrerAusbildung Schritt für Schritt verfolgen; man kann nachweisen, daß bei denjeni-gen Thieren, bei welchen die Fortpstanzungszeik nur periodisch in Jahresfrist wieder-kehrt, auch die Wiederkehr der Samenbildung stets »ach demselben Typus sich wie-derholt,^ und daß demnach an eine Vcrgleichung der Samenkörperchen mit Einge-weidewürmern auch nicht im entferntesten zu denken ist.

Nicht minder kategorisch ist der physiologische Beweis, den man aus der Roll«