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Zehnter Band.
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Die neuere Physiologie rc.

Allgemeinen kann man sagen, daß die Bastardzeugung um so leichter vor sich geht,je höher die Thiere in der Reihe gestellt sind, und daß sie um so schwieriger statt-findet, je weiter man sich von dem Menschen entfernt. Ebenso ist es nicht zu leug-nen, daß eine Menge Verhältnisse in der Natur existiren, welche die Erzeugung vonBastarden, wenn nicht unmöglich machen, so doch außerordentlich erschweren. Dieverwandten Arten, die in denselben Lokalitäten vorzukommen pflegen, haben meistensverschiedene Fortpflanzungsepochen, oder wenn sie zu gleicher Zeit der Liebe pflegen,so besitzen sie Gewohnheiten, welche eine Vermischung mit den verwandten Arten ge-rade zu dieser Zeit erschweren. So wird man z. B. in unsern süßen Gewässern,welche von verschiedenen Arten Weißfischen bevölkert werden, schwerlich zwei ver-wandte Wpecies finden, die zu derselben Zeit laiche». Die wilden Thiere ähnlicherArten, -wie z. B. Hirsch und Reh, werden ebenso entweder verschiedene Brunstzeitenhaben oder aber sich gerade in der Fortpflanzungszeit so unter sich isoliren, daß aneine Vermischung dieser Arten nicht zu denken ist. Alle diese Umstände erklären leicht,weshalb im wilden Zustande nur wenige Bastarde erzeugt werden, die dann begreif-licherweise um so leichter wieder untergehen, als sie keine gleichartigen Genossen fin-den, mit welchen sie den Mischungstypus weiter fortpflanzen können.

Man hört oft die Behauptung wiederholen, daß Bastarde zwar erzeugt werdenkönnen von verschiedenen Arten, daß aber ihre weitere Fortpflanzung unmöglich sei,weil sie stets zur Fortpflanzung untauglich wären: nur Thiere einer und derselbenArt vermischten sich fruchtbar, die Mischlinge seien unfruchtbar und stürben aus.Wie man solche Behauptungen noch immer keck hinstellen könne gegenüber den con-statirten Thatsachen, daß Bastarde von Wölfinnen mit Hunden sich sowol unter-einander als auch mit Hunden fruchtbar paarten, wo Bastarde von Hasen undKaninchen sich fruchtbar mit Kaninchen begatteten und Maulthierstuten Junge hervor-brachten, ist wahrlich unbegreiflich; man müßte sich denn bei allen diesen Fällen mitder Entschuldigung helfen wollen, daß die Ältern keine verschiedenen Arten seien.Für den Hund mit den Wolf hat man freilich, gestützt auf ältere Autoritäten, manch-mal diese Identität anzweifeln wollen, wenn auch gewiß mit Unrecht, da diese bei-den Arten schon durch die außerordentliche Verschiedenheit der Trächtigkeitsdauer (siewährt beim Hunde etwa 60, beim Wolfe etwa 90 Tage) ausnehmend verschiedensind. Wenn wir demnach aus den bekannten Thatsachen den Schluß ziehen, daßnicht nur Bastardzeugungen vorkommen können, wenn auch selten, sondern daßauch die Bastarde selbst wieder fruchtbar sein können, so wolle» wir damit doch nichtbehaupten, daß die Wissenschaft in dieser Beziehung vollständig zum Abschluß ge-kommen sei. Bei der ungemeinen Wichtigkeit, welche diese Frage allerdings hat,dürften umfassende Versuche, von Männern geleitet, welche mit den Ergebnissen derneuern Forschung vollkommen vertraut sind, gerade in der jetzigen Epoche ein fühl-bares Bedürfniß sein-

Wie schon angeführt, besitzen alle diese Fragen eine unendliche Bedeutung, weilsie auf diejenige von der Einheit des Menschengeschlechts die unmittelbarste Beziehunghaben. Wir sehen den Menschen über die ganze Erde verbreitet und finden eineMenge von Varietäten odcr Nacen, welche, ursprünglich in mehr oder minder genaubegrenzte Wohnbezirke beschränkt, theilweise sich über die ganze Erde ausgedehnthaben. Die Einen, hauptsächlich gestützt auf die religiösen Mythen, verlangen dieEinheit des Menschengeschlechts und betrachten die Nacen nur als Varietäten inner-halb der Menschenart; die Andern, wesentlich gestützt auf wissenschaftliche Forschungen,behaupten die ursprüngliche Verschiedenheit der Menscheuracen und sehen die Zwischen-glieder als Mischlinge an, welche von diesen ursprünglich verschiedenen Arten erzeugtwurden. Besonders auffallend in dieser Beziehung find diejenigen Forscher, wie derAmerikaner Morkon und seine Schüler, welche die religiöse Tradition als Ausgangs-punkt ihrer Untersuchungen nahmen, mit dem Bestreben, diese zu stützen, umfassendeForschungen anstellten, aber doch endlich zu dem entgegengesetzten Resultate gelangten.

Von vornherein muß mau bei Untersuchung dieser Frage anerkennen, daß stän-