Band 
Zehnter Band.
Seite
525
JPEG-Download
 

525

Die neuere Physiologie rc.

dige Varietäten oder Raren existirten, welche durchaus unabhängig von allen äußernklimatischen wie andern Verhältnissen sind, und die, soweit unsere Forschungen rei-chen, auch stets in derselben Weise existirt haben. Seit der Erbauung der Pyra-miden und der älteste» ägyptischen Denkmäler haben auf dem Boden Ägyptens ver-schiedene Racen nebeneinander gewohnt, ohne daß ihre physischen Eigenthümlichkeitendie mindeste Abänderung erlitten hätten. Die Racen sind also denjenigen Einflüssen,durch welche die Arten in ihren äußern Charakteren verändert werden können, gänz-lich entzogen, da selbst Diejenigen, welche die ursprüngliche Einheit des Menschen-geschlechts behaupten, dennoch zugestehen müssen, daß die Art und Weise, wie dieRacen sich gebildet haben, völlig unbekannt sei und jedenfalls in unvordenkliche, derForschung völlig unzugängliche Zeit fallen müsse. Freilich hat man zur Stützungder Ansicht wieder behauptet, daß die körperlichen Verschiedenheiten, welche die Racenauszeichnen, nicht größer seien als diejenigen, welche bei derselben Species eines andernThiers sicherlich hervorgebracht worden seien. Aber man vergißt, daß das Eine einepositive Thatsache, das Andere ein nur auf Analogie gestützter Schluß ist, den manebenso leicht zurückweisen kann, als man ihn annimmt; denn die Grenzen, innerhalbwelcher eine Species durch äußere Verhältnisse geändert werden kann, sind für jedeArt verschieden, und es ist leicht nachzuweisen, daß diejenigen Arten, welche ursprüng-lich die größten Verbrcitungsbezirke besitzen, auch gegen die klimatischen Einflüsse amunempfindlichsten find und ihren Typus am hartnäckigsten festhalten. DiejenigenRacen aber, welche bisjeht bei weiter Zerstreuung über die Erde so beharrlich ihrenTypus festhielten, wie die sogenannte kaukasische oder die rothe Nace der Amerikaner,zeigen auch in ihren ursprünglichen Wohnsitzen eine außerordentliche Verschiedenheitder Klimate. Gerade für den Menschen und dessen Hauptraccn läßt sich aber nach-weisen, daß sie in hohem Grade unempfindlicher sind gegen die klimatischen Einflüsse^ als die Hausthiere, welche sie begleiten. Während die sämmtlichen Hausthiere der! Europäer in Südamerika zum Theil wesentlichen Veränderungen unterworfen wärdensind und in der kurzen Zeit seit der Entdeckung einige wohlcharakterisirte Racen ge-bildet haben, stehen sich dort noch immer Indianer, Neger und Europäer mit den-selben charakteristischen Eigenthümlichkeiten gegenüber, die durchaus keine Änderungerlitten haben. Die Hausthiere wurden also von Einflüsse» betroffen, welche an demMenschen selbst spurlos vorübergegangen sind: ein sicherer Beweis, daß die eine Spe-cies leicht, die andere schwer von den Einflüssen betroffen wird, wie dies übrigensauch jeder mit derartigen Fragen beschäftigte Naturforscher weiß. Es gibt Gattungenund Familien, in welchen jede Art sich mit so bestimmten festen Charakteren aus-! Prägt, daß kein Zweifel über ihre Begrenzung stattfinden kann; es gibt wieder an-

! dcre Familien und Gattungen, wo gerade das umgekehrte Verhältniß stattfindet und,

!> wie man zu sagen pflegt, die Arten schwierig zu unterscheiden sind, weil eben die

: äußerst leicht veränderlichen Charaktere auf verschiedene Weise ineinanderlaufen.

^ So bliebe denn zur Entscheidung der Frage nur noch der Umstand übrig, daß

alle Meuschenracen vollkommen fruchtbar miteinander find und fruchtbare Bastarde er-zeugen, die sich weiter fortpflanzen können. Daß diese Bastarderzeugung in unsernl Zeiten weniger häufig und kaum hinreichend sei, ein Mischvvlk zu erzeugen, lieg,

auf der Hand, da die barbarische Sitte des Alterthums, sämmtliche Männer z>todten und die Weiber in Sklaverei zu führen, wo dann Mischracen mit ihnen erzeugt wurden, so ziemlich abgekommen ist. Wir sehen freilich namentlich,in Amcrikceine ziemlich bedeutende Proportion von Mischlingen, die aber vielmehr stets wiedeineu erzeugt werden, als daß sie sich mit bleibendem Typus fortpflanzen. Da in! Amerika die weiße Nace die privilegirte ist, so streben alle Mischlinge selbstverständ-

I lieh danach, ihr anzugehören, und sie, wie ihre Descendenten, geben sich alle mögliche

! Mühe, nach und nach wieder in die privil girte Nace sich aufzulösen. Alle Beobach-

! ter geben demnach auch zu, daß es viele Grade dieser Mischlinge gibt, die durchaus

> keinen Unterschied mehr von der Weißen Nace erkennen lassen. Fände also nicht ein

I steter Nachschub von neuen Mischlingen durch Umgang der Europäer und der Misch-