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mächtigern Einwirkung von seinen Glaubensgenossen im Osten ausgesetzt. Die Län-der des slawischen Idioms, zu denen wir auch Böhmen und die Donauländer rech-nen dürfen, bildete» den eigentlichen Sitz jenes starren und exklusiven Nabbinismus,wie wir ihn eben zu schildern versuchten und zu dem in neuester Zeit noch da-Sektenwcsen der messtasgläubigen Sabbatäer und Frankisten, der wunderthätigenKabbalisten und der fanatischen Chassidin, hinzukam. In diesen Ländern, wohinvon dem Licht der Reformation und der neuen Cultur »och kaum ein Strahl ge-drungen war, und wo in der christlichen Bevölkerung nur der grelle Gegensatz vongedanken- und gefühllosen Sklaven neben sitten- und haltlosen Gebietern cxistirte,bildete die jüdische Bevölkerung, Beide» unentbehrlich, Beiden verächtlich und Beideverachtend, eine vollkommen abgeschlossene Gesammtheit ohne alle Beziehung zurAußenwelt, und versenkte sich gänzlich in jenes Sonderlebcn einer erstorbencn Ver-gangenheit, das den Charakter des Judenthums jener Zeit bildete. Wie die jüdischeBevölkerung dieser slawischen Länder ursprünglich aus Deutschland eingewandert war,und daher die sogenannte deutsch-jüdische Sprache immer noch als ihre Mutter-und Nationalsprache redete, so strömten jetzt von hier aus wieder ununterbrochenEinwanderer zurück, die besonders als Jugcndlehrer und Rabbiner einen sehr be-deutenden, jeder Entwickelung widerstrebenden Einfluß ausübten.
Daher befand sich in Deutschland die große Masse der jüdischen Bevölkerung,die armen und gedrückten Bewohner der Dörfer und kleinen Städte, und auch inden großen die überwiegende Mehrzahl der handeltreibenden und trödelnden Judenmeist noch auf dem Standpunkt ihrer frühern Bildung, Lebensanschauung und Neli-gionsübung. Und wenn auch in den sogenannten freien Reichsstädten, wo sie wenigervon Einzelwillkür abhängig waren, ihre Gewerbthätigkeit eine freiere und ihr Wohl-stand ein gesicherterer war, so waren es doch auch hier wie in den Residenzeneiniger humanen Fürsten immer nur noch Einzelne, die sich durch Wissen und Be-ruf über das Bildungsniveau ihrer Glaubensgenossen erhoben. Aber die höhereAchtung, die solchen von Nichtjuden zuthcil wurde, trug in jeder Beziehung dasGepräge der Ausnahme, die auf die Stellung der Gesammtheit keinen Einfluß aus-übte, wol aber geeignet war, eine allmälige Umwandlung der öffentlichen Meinungvorzubereiten. Am frühesten und am bewußtesten trat diese Tendenz in Preußen(zur Zeit noch Kurfürstenthum Brandenburg) hervor. Der großsinnige KurfürstFriedrich Wilhelm befolgte den ebenso humanen als staatsklugen Grundsatz desSchutzes gegen Diejenigen, die um ihres Glaubens willen verfolgt wurden, nichtetwa nur gegen seine Confessionsgenosscn in Frankreich, sondern schon früher gegendie verachteten und rechtlosen Juden. Er nahm die von Kaiser Leopold auS Östreichvertriebenen Juden 1670 in seinen Staaten und in seiner Residenz auf und gewahrteihnen am 21. Mai 1671 ei» Schntzprivilegium nicht nur unter günstigern Bedin-gungen, als sie irgendwo genossen, sondern unter einer Form, die ihnen zumersten mal einen geordneten Rcchtszustand und einen haltbaren Platz in der bür-gerlichen Ordnung des Staats sicherte. Von diesem Moment ab darf man dieAufgabe der jüdischen Gemeinde zu Berlin dakiren, den Ausgangs- und Sammel-punkt der Bestrebungen für die neue Cultur- und Entwickelungsstufe des Judcn-lhums zu bilden. Die Gewährung des freien, durch kein Ghetto beschränkten Nic-derlassuugsrechts und selbst des Grundbesitzes in der Residenz, die Freigebung allerGewerbe, die Bestallung des Oberrabbincrs durch kurfürstliches Edict von 1682und die Umwandlung des LeibzollS „als gehässig und entwürdigend" in eine regel-mäßige Abgabe, bezeichnen den weit über seine Zeit erhabenen Standpunkt deSgroßen Fürsten. In Preußen konnte derselbe von jetzt ab ebenso wenig durch die klei-nen Belästigungen des folgenden Regenten wie durch die Denunciationen eines Eisen-menger's wieder verrückt werden. Entsprechend der Stellung, die sie hier einnah-men, entwickelten auch die Juden nicht nur eine gewinnreiche und achtbare gewerb-liche Thätigkeit, sondern auch ein Streben »ach höherer Bildung und nach einerAnnäherung an die nichtjüdische Gesellschaft. Die Anwesenheit König Friedrich Wil-