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Zehnter Band.
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Zudenthum.

bereit- die erste jüdische Zeitschrift i» deutscher Sprache herausgegeben, die besondersbic Erweckung des religiöse» Sinns durch erbauliche Aufsähe und die Verbreitung ^eines freiern Wissens und Denkens bezweckte. Sie enthielt manche verdienstliche Ar-beit von verschiedenen Autoren und fand auch eine erfreuliche Verbreitung in Mittel-deutschland.

Israel Jakobson; gottesdienstliche Reformen. >

Dem westfälischen Konsistorium, welchem Jacobson als Präsident vorstand undFranke! als Mitglied angehörte*), war unter königlicher Autorität die Sorge für an-gemessene Religionsübung, die Beaufsichtigung des Untcrrichtswesens und die Prü-fung der Rabbinen und Lehrer anvertraut. Eine derartige Wirksamkeit mußte fürdie Bestrebungen solcher Männer natürlich eine erwünschte Handhabe zur Förderungeiner allgemeinen Zeitbildung sowie zur Anbahnung wesentlicher religiöser Reformendarbieten. So entstand alsbald auch in Kassel eine Elementarschule, die später auchmit einem Lehrerseminar verbunden war; besonders bedeutungsvoll aber wurde die-selbe durch Einrichtung eines allsabbathlichen Gottesdienstes, mit welchem man zumersten mal deutsche Vorläge verband, die von Mitgliedern des Consistoriums ge-halten wurden. Allmälig nahmen diese Verträge die Gestalt regelmäßiger Predigtenan, und die Betstunden erweiterten sich mehr und mehr zum Gottesdienste der Ge-meinde. Bald schloß sich an den Religionsunterricht der Schule auch die Einführungfeierlicher Einsegnungen der entlassenen Zöglinge, und auch die Vollziehung von Trauun-gen in der Synagoge und unter würdigen Formen erhob sich hier bald zum Ge-brauch. Alle diese Einrichtungen wurden darauf auch in den Schulen zu Wolfenbüttcl,Seesen und Dessau eingeführt, und in lehterm Orte wurde auch in der Gemeinde-synagoge die Predigt nach und nach zu einem Element des Gottesdienstes erhoben. !Endlich errichtete Jacobson, durch den Erfolg aller dieser Schöpfungen ermuthigt, !1810 in Seesen einen Tempel, in welchem ein wesentlich reformirter Gottesdienststattfinden sollte. Deutsche Predigt und deutscher Choralgesang mit Orgelbegleitungsowie die Einlcgung einzelner deutschen Gebete bildeten neben der Herstellung einerwürdevoller» äußern Ordnung die Hauptelcmente dieser Reform.

Alle diese Neuerungen, so wesentlich sie auch erscheinen mochten, wurden ohneerheblichen Einspruch von Seiten der dortigen Juden und selbst der Rabbinen insWerk gesetzt, weil sie nicht mit dem Ansprüche auf allgemeine gesetzliche Geltung,sondern nur als Privateinrichtungen zu besondern Zwecken auftraten, denen sich dieGemcindeglieder nur als Einzelne nach ihrer freien Wahl anschlössen. Dagegen zeigtesich sofort das Widerstreben gegen die von dem Konsistorium beanspruchte Autorität,als dasselbe äußerst unbedeutende Gesetzesbestimmungen oder vielmehr mir eingeführteGebräuche für aufgehoben, und z. B. den Genuß von Hülsenfrüchten, Hirse, Zucker,Thee und Taback während des Passahfestes für erlaubt erklärte. Die betreffende Ver-ordnung blieb nicht nur vollkommen wirkungslos auf die gewohnte Praxis, sondernerregte von vielen Seiten den lebhaftesten Unwillen. Im Allgemeinen aber erfreutesich das Konsistorium allgemeiner Achtung und eines sichtbaren Erfolgs. Schulenerstanden in vielen Städten; Lehrbücher, besonders auch für den Religionsunterricht,wurden verfaßt. Die Bildung verbreitete sich immer weiter, die Vaterlandsliebe wur-zelte immer tiefer in den Gemüthern, und die Pflichttreue der Juden in der Er-füllung ihrer Bürgerpflichten fand auch öffentliche Anerkennung durch die bessere ge-sellschaftliche Stellung Aller und durch Erhebung Einzelner zu ehrenvollen Staats-ämtern. **) Das jüdische Konsistorium und die organisirte Landeskirche Westfalen-ist natürlich mit dem Reiche selbst untergegangen und hat sich nur in bedeutungs-

*) Außer diesen Beiden bildeten Dr. Heinemann (noch jetzt in Berlin lebend) und AdvocatMerkel, als Laien, und die drei Rabbinen Berlin, Calkar und Steinhard die Mitgliederdesselben.

**) Jakobson wurde Landstand und Ritter der westfälischen Krone, und ein gewisser Wolf >Oberst der königlichen Leibwache.