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Zehnter Band.
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Ägypten.

des Delta abgelenkt, wodurch die pelusische Mündung, welche zu Zeiten des He-rodot (um 450 vor Christo) die wichtigste war, jetzt gänzlich verschwunden ist. DasWasser hat sich dagegen mit aller Macht in den kanobischen und scbennytischen (imAlterthum ein Nebenarm des erstem!) geworfen, oder wie sie jetzt heißen, in denArm von Rosette und den von Damiette. Die Befürchtung, daß durch die ange-deutete Neigung des Flusses, das Wasser nach Ost abzulenken, auch der Arm vonDamiette allmalig versanden und dadurch der ganze Culturboden an seinen Gesta-den vernichtet werden würde, war unter Mehcmcd-Ali die Hauptveranlaffung, diebeiden (aber unvollendet gebliebenen) Schleußen (darmzss) anzulegen, welche nichtweit unterhalb der Gabelungsstelle die beiden Arme des Flusses schneiden, in ihrerjetzigen Gestalt jedoch dem Schiffer ebenso gefahrbringend sind, als nutzlos für denbeabsichtigten Zweck dastehen.

Der Arm von Rosette fließt über Terraneh (von hier aus, aus dem linkenUfer, geht die gewöhnliche Karavanenstraße nach den Natronseen), Kasr-Sijad(rechtes Ufer, von hier aus führt die Straße nach Tantah, einem großen Markt-orte, wo zugleich das Grab des großen Heiligen der Araber, Sajid-Ahmed-el-Bedawi, ist), Ramanijeh (hier geht der Kanal nach Damanhur ab) und endlichAtfeh. Hier mündet der Mahmudijehkanal, welcher bis nach Alexandrien führt.Um ihn passiren zu können, muß jedesmal die Schleuße von Atfeh geöffnet werden,was bei niedrigem Wasserstande nur eine Regierungserlaubniß verschaffen kann. Un-terhalb von Rosette mündet der Rosettearm in das Meer, die Mündung führt denNamen des Boghaz von Rosette. Die Stadt, welche im Arabischen Naschid heißt,hat eine bedeutende Blütezeit gehabt, die Häuser waren mit Geschmack gebaut, bie-ten aber heutzutage einen jämmerlichen Anblick dar.

Durch den Barrage von Damiette fahrt man in den gleichnamigen Nilarmein. Nach einer großen Krümmung ist Benha-cl-'affel (Honig-Benha) erreicht, miteinem Lustschlosse, wo Abbas-Pascha gern zu weilen pflegte, um sich dort, amRande einer großen, wüsten Strecke den Augen aller Europäer zu entziehen. Dar-auf folgt Ziflet-Mit-Qamar, Samanhud (das alte Sebennytos), Mansurah, eineder reichsten, cultivirtesten Gegenden im Delta, und endlich Damiette mit demBoghaz von Damiette. Die große Strecke längs des Meeres ist unbebaut undmeist vom Meere überschwemmt. So ist östlich vom Damiettearm der große Seevon Menzaleh, der durch drei Mündungen mit dem Meere in Verbindung steht:Boghaz von Dibeh, Gemileh und Um-Fareg, östlich vom Rosettearm der Burlosseemit dem Boghaz von Burlos, westlich davon der Etkusee, woran sich der vonAbukir anschließt, und endlich im Süden Alcxandriens (arabisch Jskenderijeh) derMareotis-(Mareut-) See. Eine Menge von Kanälen, von den beiden Hauptarmenausgehend, durchkreuzen das Deltaland, vermögen aber nicht bis in die Osttheile zudringen, um die alte Culturfähigkeit des Bodens wieder zu erwecken.*) Die Ost-grenze des Delta bildet eine Reihe großer Seen: die Bittersecn, der Timsah- undBallahsee. Des Delta nördlichste Spitze ist Cap Burlos, 31° 35^ 30" nörd-licher Breite.

Um die Zeit des Sommersolstitiums beginnt der Nil, durch die tropischen Re-gengüsse im obern Lande genährt, anzuschwellen und seine Farbe zu wechseln, diefast rothbraun wird. Gegen das Hcrbstäquinoctium hin hat er seinen höchsten Was-serstand erreicht. Das ganze Land ist dann von ihm überschwemmt und gleichteinem Meere, aus dem Städte und Dörfer wie Inseln hervorragen. Oft genugmachen die Nilschiffer mit ihren Fahrzeugen mitten in einem Palmenwalde Halt.Die Höhe des Nil (21 Fuß reichen hin, um ein fruchtbares Jahr zu geben) wirdin Kairo in officieller, festlicher Weise, oft aber mit unrichtiger Angabe der wah-ren Höhe verkündigt, denn die Höhe der Steuer steht hiermit in Verbindung. All-

*) Folgende Linie bezeichnet die Grenze zwischen Culturboden und Wüste: Kairo, Matarieh,Kankah, Lell-el-Wadi, und noch etwas ostwärts Beweis und Salieh.