Band 
Zehnter Band.
Seite
669
JPEG-Download
 

Ägypten. 669

mä'lig strömt das Wasser deS Flusses wieder ab und hinterläßt eine schwarze, frucht-bare Schlammmasse, sein segensreiches Geschenk, die vorzüglick düngende Thonerde,kohlensauer» Kalk und Magnesia enthält. In den ersten Monaten des Jahres ister auf seinen ursprünglichen Stand zurückgekehrt, nachdem man durch ein zweck-mäßig angelegtes Kanalsystem dem Wasser einen möglichst ausgedehnten Flächenraumzur Befruchtung des Bodens gewährt hat. Die jährliche abgesetzte Schlammdeckehat im Laufe der Jahrhunderte nicht nur Hen Boden des Flusses, sondern auch dendes Landes selbst erhöht. Diese Erhöhung beträgt auf das Jahrhundert 4 — 4'/,Zoll. Alte noch vorhandene Marken von Nilhöhen (wie bei dem Nilmesser vonElephantine und am Meqias) und die Angaben einzelner Schriftsteller vergan-gener Jahrhunderte — und darunter sind einige aus vorchristlicher Zeit — lie-fern den Beweis, daß das Land sich im Lause der Jahrhunderte erhöht habe.Unter dem König Möris (ungefähr 2200 vor Christo) betrug der höchste Wasser-stand 8 ägyptische Ellen (etwa 12 Fuß), zur Zeit Herodot's (450 vor Christo)ungefähr 15—16 Ellen (etwa 24 Fuß), zur Zeit der Ptolemäer war, nach An-gabe des Nilometers auf Elephantine, der höchste Stand 24ouditus, während gegen-wärtig der höchste Stand fast 7'/2 Fuß darüber zeigt. Der Meqias (Nilmesser) aufder Insel Rodah gegenüber von Kairo, erbaut in der Mitte des 9. Jahrhunderts,enthält 16 ouditus. Heutzutage steigt der Nil bereits mehr als 3 Fuß über die letzteMarke. Dieses Verhältniß im umgekehrten Falle ist zugleich die Veranlassung der'gänzlichen Verarmung der nubischen Landschaft geworden. Alte Marken von Nil-höhen, welche sich an dem Felsenuser bei Semneh und Kummeh vorfinden, liefernden schlagenden Beweis, daß hier vor 4000 Jahren der Strom ungefähr 24 Fußhöher stieg als gegenwärtig, während selbstredend der umgekehrte Fall hätte eintre-ten sollen. Das Flußbett hat sich durch eine unerklärliche Naturerscheinung gesenktund der Nil ist fortan verhindert, sein segensreiches Geschenk dem nubischen Landezutheil werden zu lassen. Nur mit Hülfe von Schöpfmaschinen wird hier derAckerbau in mühsamer Weise betrieben. Im Allgemeinen ist noch zu bemerke», daßin Obcrägyptcn der Westen, in Unterägypten mehr der Osten bebaut ist.

Das Klima von Ägypten ist im Ganzen gesund und zuträglich. Die Ein-wohner sind weniger den Krankheiten ausgesetzt als die Bewohner anderer Länder.Von den vorherrschenden Krankheiten sind nur,.Augcncntzündungen (in keinem Landewird man soviel Erblindete finden als in Ägypten) und Dysenterien besonderserwähnungSwerth. Ein lästiger und schmerzhafter Ausschlag, die sogenannten Nil-beulen, tritt um die Herbstzeit ein, wenn der Nil zu steigen beginnt, wiewol dieEingeborenen weit seltener als die Fremden daran zu leiden pflegen. Auch sonstherrschen um diese Jahreszeit Krankheiten mehr als in irgendeiner ander» vor.Äußerst drückend und die Lebenskraft lähmend ist die Wirkung des heißen Süd-Ostwindes, El-Khamasin (wörtlich: die 50), welcher im Monat Mai regelmäßigzu wehen pflegt und eine Unmasse von Staubsand mit sich führt. Sein arabischerund einheimischer Name ist Marissi, wol im Zusammenhang mit dem koptischenNamen für Oberägytcn, Mares oder MariS, von welchem er hcrweht. Die Luftwird ganz damit erfüllt, der Himmel verdunkelt sich und die Sonne erscheint alseine braunrothe Scheibe am Himmel. Dieser Wind weht nicht tagtäglich, sondernnur periodisch in einem Zeiträume von 50 Tagen, woher sein Name, dann aberstets drei Tage hintereinander. Pest und Cholera, d'ie gewöhnlich in Gemeinschaftmit dem verschlimmernden Manssi auftreten, sind gefürchtet« Gäste, die indessen seitlängerer Zeit Ägypten mit ihrem Besuche verschont haben. Ihre Wirkungen sindaber schrecklich. Die Pest vom Jahre 1835 raffte allein in Kairo nicht wenigerals 80000 Seelen hinweg. Das Klima Oberägyptens ist gesunder wie das desuntern Landes und selten, steigt die Pest in das obere Land hinauf. Für Brust-leidende ist bekanntlich Ägypten ein ebenso sehr heilsames Klima, als es schädlich,ja tödtlich für Solche ist, welche a» der Leber leiden. Die Temperatur in, den verschie-denen Theilen ist sehr verschieden, da das Land der warmen Regenzone (kaum ein