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Zehnter Band.
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Die große und kleine Industrie.

in Preußen 1845: 87 Gesellen und Lehrlinge, 1849 nur 85; in Würtemberg 25,in Nassau 55, in Sachsen 145, in Baiern 185. Diese Unterschiede hängen wesent-lich zusammen mit dem juristischen oder faktischen Schwierigkeitsgrade, Meister zuwerden. So z. B. je größer die Stadt, umsomehr pflegt das Handwerk einenfabrikähnlichen Charakter anzunehmen: in Preußen kommen auf 100 Meister in dengroßen Städten 117 Gehülfen, in den kleinen 58, in Flecken und Dörfern 28.Bei den Maurern und Zimmerleuten, die gewöhnlich mit größerm Capitale arbeiten,haben in Preußen 100 Meister sogar 455 Gehülfen. — Dagegen findet man durch-schnittlich puf eine preußische Maschinenfabrik 250 Arbeiter, auf eine badische 270,auf eine zollvereinsländische 50; auf eine thüringische Topffabrik 56, auf eine böh-mische Porzellanfabrik 1—200, auf eine preußische Glasfabrik 55, auf eine däni-sche 42, auf eine sächsische 18, auf eine thüringische 44, auf eine badische 45, aufeine kurhesfische 59, auf eine zollvereinsländische überhaupt 36; auf eine schlefischeBaumwollweberei 5—600, auf eine dänische 170, auf eine thüringische 140, auseine kurhesfische 117, auf eine sächsische 122, auf eine rheinpreußische 90, auf einewestfälische 97, auf eine badische 67; auf eine zollvereinsländische Wollspinnerei11 —12, auf eine zollvereinsländische Wollweberei 15—14; auf eine östreichische'Papierfabrik 80, auf eine böhmische 250 Arbeiter. *) In England rechnet mandurchschnittlich für jede sogenannte Factory 500 Arbeiter. **) Auch auf dem Continentegibt es einzelne riesenhafte Unternehmungen: so z. B. soll die Cockerill'sche Fabrikzu Seraing 1846 4200 Arbeiter gehabt und ein Product von 17 Millionen Francshervorgebracht haben; die Liebig'sche Wollfabrik zu Rcichenberg in Böhmen be-schäftigte gegen 5000 Webstühle und 7—8000 Arbeiter.

Während die Handwerker vormals den Kern des Mittelstandes bildeten, hatsich gegenwärtig der reiche Fabrikherr ebenso sehr über den Mittelstand erhoben, wieder proletarische Fabrikarbeiter unter denselben herabgesunken ist.

Übrigens können Fabriken erst auf einer ganz bestimmten Entwickelungsstufe derVolkswirthschaft in größerm Maße vorkommen. Es müssen die gewöhnlichen Be-dingungen der höhern Arbeitstheilung zuvor gegeben sein. Also bedeutende Capita-listen müssen existiren, ein weiter Absatz vorhanden sein, auch ein dürftiger und dochzahlreicher Arbeiterstand sich gebildet haben, der in strenger Subordination und ohneviel Aussicht auf Beförderung zu dienen bereit ist. Wo nun Fabriken aufblühen,da pflegen sie diese Voraussetzungen, auf denen sie beruhen, auch ihrerseits noch wei-ter zu bilden: wie ja gewöhnlich in menschlichen Dingen die Ursachen und Folgeneine Wechselwirkung aufeinander ausüben. Insbesondere tragen die Fabriken zurSteigerung der Vermägcnsungleichheit und zur Ausdehnung des Marktes gern bei.Aber etwas muß ihnen doch schon vorgearbeitet sein, wenn sie gedeihen sollen. WasDeutschland betrifft, so finden wir den ersten fabrikmäßigen Betrieb zu Anfang des15. Jahrhunderts in Augsburg und Nürnberg. ***) Dagegen wollten in Altbaiernnoch zu Ende des vorigen Jahrhunderts die zahlreichen Versuche des Staats, durchZölle, Prämien, Monopolien eine Fabrikindustrie zu erkünsteln, keine rechte Wurzelfassen. Es fehlte nicht blos an einem hinlänglichen, festbegründeten Absatz, sondernhauptsächlich waren weder die Unternehmer, reich genug, noch die Arbeiter zahlreichund arm genug, um mit Erfolg an Fabriken denken zu können, ff) So hat manim heutigen Finnland die Tuchfabriken auf alle Art zu begünstigen gesucht: nicht nurdurch Schutzzölle, technische Lehranstalten u. s. w., sondern auch durch obrigkeitlicheCapitaldarlehne zu 2 "/„. (Hierbei ist die natürliche Höhe des russischen Zinsfußesnicht außer Acht zu lassen!) 'Gleichwol gesteht der Statistiker von Finnland, Gabriel'Nein, daß die Leute, welche dort ganz vornehm „Tuchfabrikanten" heißen, in derThat armselige Handwerker sind, die nur mit gelieferter Wolle arbeiten können.

*) Vgl. Kotelmann, „Statistische Übersicht Östreichs und des Zollvereins" (Berlin 1852).

—) „blclinbmßk rsvisrv", April 18-19, S. E

***) Vgl. Becher, „Politischer Discurs, herausgegeben von Zinken", >1, 1-122 fg.

1) Rudhart, „Zustand von Baiern", II, 178.