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Zehnter Band.
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Die große und kleine Industrie.

viele Knopfe wieder ein. Als Moritz Mohl diese Gegend bereiste, waren von denArbeitern, welche sich bereits zu selbständigen Knopffabrikanten emporgeschwungenhatten, einige noch unter 30 Jahren alt. Meist werden die geschicktesten Arbei-ter nachher Fabrikanten, da gewöhnlich, wer Ausgezeichnetes liefern kann, auch dasGangbare am besten liefert. Die große Elfenbeinschnitzerei zu Dieppe wurde vornicht langer Zeit durch den reinen Geschmack eines einzigen Fabrikanten begründet;einige seiner Arbeiter machten Ersparnisse von ihrem hohen Lohne und konnten sichdann selbst etabliren. Vor einem Jahrzehnd ungefähr gab es dort zwölf Fabrikan-ten, lauter junge Männer, die sich ihr Vermögen selbst erworben hatten. Im Oise-dcpartemenk waren von l30 Fabrikanten kaum vier, die sich nicht selbst von ein-fachen Arbeitern emporgeschwungen hatten: sie arbeiteten sämmtlich noch in eigenerPerson mit, ihre Töchter an den Werkeltagen meist in Bauerntracht; in der Regelduzen sie sich mit ihren Leuten. Gerade wie in Nürnberg unterscheidet man är-mere Meister, Faconmeister, welche von den reichern ihren Rohstoff empfangen unddie fertige Waare an diese abliefern; sodann reichere Meister, sogenannte Verleger;endlich Großhändler. Das sind gewiß viele segensreiche Elemente! Wo also dasHaussystem zu halten ist, da kann man sich in vieler. Hinsicht glücklich preisen. Es ,ist aber in der Regel nur da zu halten, wo es wenig ganz reiche und wenig ganz armeLeute gibt. Einem Fabrikanten von mäßigem Vermögen wird es meist lieber sein, alsder Factoreibetrieb, weil es weniger Capital erfodert, auch dies wenigere nicht so unwi-derruflich in Maschinen u. s. w. fixirt; einem wohlhabenden Arbeiter, weil es unabhän-giger läßt, das Familienleben weniger stört. Wie oft beseufzt man in Factoreien die„despotische Fabrikglocke"! Das Stillschweigen, das hier waltet, walten muß, umdie große Menschenmenge nur in Ordnung zu halten, ist für die Betheiligten dochsehr drückend. Dagegen wird der kolossale Capitalist immer nach Factoreien streben,wo er sein Vermögen einheitlicher, planmäßiger, energischer nutzen kann; Proletarierauf der andern Seite, die für Rohstoff, Werkzeug, Unterhalt keine Auslage machenkönnen, müssen iip Factoreien ihre Zuflucht erblicken.

Nach dem Berichte eines englischen Parlamentscomite ist es am wünschens-werkhesten, daß beide Systeme nebeneinander existiren, wie z. B. in Leeds, wo oftdie großen Wollfabrikanten zu ihrer vollständigern Assortirung in den Verkaufshal-len der kleinen beträchtliche Einkäufe machen. Diese großen dagegen sind allein imStande, neue Versuche, Erfindungen u. s. w. zu veranstalten, und so das Geschäftim Ganzen bedeutend weiter zu fördern. Große Fabrikherren, welche das Gewerbeselbst treiben, find ungleich mehr dabei interessirt, neue Absatzwege zu öffnen, alte zuerweitern u. s. w., als bloße Commissionäre, die keine Fabrikgebäude, Maschinenu. s. w. unwiderruflich im Geschäfte stecken haben, und ihre Capitalien meist ohnegroße Schwierigkeit in eine andere Unternehmung übersiedeln können. Es ist inso-fern für die Arbeiter und selbst für die kleinen Unternehmer oft vortheilhafter, sichan einen großen Fabrikherrn als Mittelpunkt ihres Gewerbes anzuschließen, als aneinen kaufmännischen Commissivnär: nur dürfen sie nicht geradezu dieselben Producteliefern, wie jener. Der Commissionär kommt leicht in die Lage, daß er nur entwederauf Kosten seiner Producenten, oder seiner Abnehmer Gewinn machen kann. DenLetztem gegenüber findet er viel leichter Concurrenz, als den Erster« : er sucht deshalbgewöhnlich dem Producenten immer mehr von seinem Verdienst abzuknappen. Wennzuletzt, wie man wol sagt, „Blut an der Niedrigkeit des Preises hängt", so entsteht ^natürlich ein feindseliges Verhältniß zwischen Commissionär und Arbeiter, das allenRath, alle Anleitung für diesen gewaltig erschwert. Wie wenig dagegen bei einemGewerbe, das im Allgemeinen aufblüht, die großen Fabrikanten den kleinen noth-wendig zu schaden brauchen, sieht man in Frankreich. Eine große Fabrik von Me-rinos u. s. w. im Norddepartement beschäftigt 6—7000 Arbeiter und liefert alleinfür 6 — 7 Millionen Francs Merinos jährlich. Daneben gedeihen in der Champagne250 andere Fabriken, von welchen vier Fünftel nur je für 5 — 50000 Francsprvduciren. Jene große vereinigt alle Zweige des Betriebs, während in den kleinern