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Zehnter Band.
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Die große und kleine Industrie.

das Kämmen, Spinnen, Ausrüsten u. s. w. voneinander getrennt ist. Viele bedeu-tende Fabrikherren dieser französischen Provinzen haben sich ganz von klein auf em-porgearbeitet; einer in Rouen war zuerst Schweinehirt, dann Gewerbsarbeiter u. s. w.*)

Man hat nicht selten Mittel gesucht, um auch dem Hausgewerbe die Vortheilezu verschaffen, welche der Fabrik aus ihrer größern Concentration erwachsen. DieseMittel sind bis zum 17. Jahrhundert gerade Dasjenige gewesen, was die Handels-politik der meisten Regierungen vorzugsweise gefärbt hat. Ich rechne dahin vorallem die technischen Gewerbreglements, wie sie in den alten Zunftstatuten oft eineso große Rolle spielen, und wie noch Colbert so viele gegeben. Wir sehen auseiner Anordnung dieses großen Mannes von 1669, 'daß er selbst keineswegs dieGewerbtreibenden damit zu fesseln beabsichtigte. Er hatte vielmehr die ausgezeich-netsten Techniker seiner Zeit in französischen Dienst gezogen, hatte sie mit Hülfevon Staatsvorschüssen Fabriken errichten lassen, die gleichsam als Seminarien fürden französischen Gewerbfleiß dienen sollten. Da waren nun die Reglements zueiner Art von Jnstruction bestimmt, um die abgehenden Schüler in ihre Selbstän-digkeit hinüberzugeleiten. Die meisten sind damals notorisch von den Gewerbtrei-bcnden selbst erbeten worden. Während sie im Allgemeinen nur die größtmöglicheSolidität der Arbeit im Auge harten, also die Sicherung unerfahrener Käufer ge-gen Betrug, waren manche auf den besondern Geschmack einzelner Absahgegendenberechnet; so z. B. die Anordnung von, 22. Nov. 1726, daß alle nach Spanienund Italien bestimmten Strümpfe, i, clsux tils gewebt werden sollten. Die Regie-rung hatte ihre Consuln im Auslande, welche sie von jedem Wechsel der Nachfrageu. s. w. unterrichten mußten; sie theilte dann ihr Wissen auf dem Wege der Regle-ments den kleinen Gewerbtreibenden mit, die sonst nur zu spät, eben durch die Un-verkäuflichkeit ihrer nach altem Schlendrian gemachten Producte, also durch schwerenSchaden klug geworden wären. Solche Reglements sind natürlich früh veraltet; wonicht eine durchaus vorurtheilsfreie, einsichtsvolle und bewegliche Leitung an der Spitzesteht, da werden sie das Gewerbe mehr fesseln, als stützen. Ein einziger trägeroder dünkelhafter Beamter kann hier den unersetzlichsten Schaden anrichten. Des-halb ist das Reglementswesen in den meisten Ländern abgekommen, sobald die großenFabriken ansingen, die arbeitenden Kräfte auf eine noch wirksamere, jedenfalls zeit-gemäßere Art mit der technologischen und mercantilen Einsicht in Verbindungzu setzen.

Am längsten hat sich die obrigkeitliche Einmischung in den Schau- und Skcm-pelanstalten für solche Waaren behauptet, die noch immer von kleinen Producenten'für den Weltmarkt geliefert zu werden pflegen. Man denke nur an die Linnenleg-gen, vormals auch Tuch- und Hopsenschauanstalten in Deutschland; an die russischeBrake für Talg, Hasenfelle, Juften, Holz, Theer und Pottasche; die nordameri-kanische Staatsschau und Stempelung für Pökelfleisch, Butter, gesalzene Fische, Mehl,Hopfen, Taback, Holz, Theer und dgl.**) Aus den mittlern Culturstufen sinddergleichen Einrichtungen um so nützlicher, je weniger da noch die Erkenntniß Ge-meingut der Nation geworden ist, daß die Ehrlichkeit im Handel durch den eigenenVortheil der Verkehrenden geboten wird. Schon der nahe, mehr noch ferne Ab-nehmer findet in der Person des kleinen Producenten, der sich für ihn unter derMenge sozusagen verbirgt, keine Garantie. Einzelne Verkäufer könnten hier wirk-lich eine zeitlang betrügen, ohne doch für ihre Person durch ein gemindertes Zu-trauen des Publicums, das nur die Gesammtheit beträfe, gestraft zu werden. Da

*) M. Mohl, „Aus den gewerbswissenschastlichen Ergebnissen einer Reise in Frankreich"(Stuttg. 1845), S. abO fg.

**) In Maryland hatte man früher auch eine Ziegclschau, die aber ziemlich bald wiederaufgehoben wurde, weil Alles der Art mehr für den auswärtigen als für den inländischenHandel Bedürfniß ist (Ebeling. „Geschichte und Erdbeschreibung von Nordamerika", V, 417).2m Baumwollcrport gibt es keine Staatsschau; darum wird aber auch sehr über das Betrüg-lichc dieses Verkehrszweiges geklagt.