Band 
Zehnter Band.
Seite
755
JPEG-Download
 

ig-

!eit

in-

>ei-

icr

ch:

m-

>en

ger

>ag

cn-

>nd

em

>ur

e."

cht

äre

eu-

ren

lese

ffe,

lUs ^en, lsen

!Ng

ien

der

ßt:

eg°

us-

ibs

rn-

en,

zen

zu-

ind

den

rtei

:m-

>er-

den

ur,

ps,

en.

n.)

^er-

ind

en.

,nf

ge-

IIN-

go>

itte

ge-

istreich. 755

schickte Wendung der Thatsachen die Verdienste Dach's nur desto strahlender hervor. Aufdiese Art endete die Debatte über den tz. 1, die einzige und letzte, welche die allgemeineAufmerksamkeit auf die Thätigkeit des krcmsierer Reichstags lenkte. Was fortan inder hanakischen Hauptstadt berathen wurde, verlor sich spurlos in dem Geräusche an-derer Ereignisse, namentlich des am Jahresschlüsse begonnene» Feldzugs gegen Ungarn.

Die Berathung der Grundrechte.

Nach den Aufregungen dieser Tage in eine unerquickliche Abspannung zu*rückversetzt, zwischen Furcht und Hoffnung, ob die Regierung dem Reichstage dieVollendung des Verfassungswerks vergönnen oder durch einen Machtspruch seinerThätigkeit einen vorzeitigen Schluß setzen werde, gleichmäßig schwebend, ging die Ver-sammlung an die Berathung der Grundrechte. Die kurzweiligste Unterbrechung inden schleppenden Gang der Debatten brachten die Abgeordnete» Borrosch und Wild-ner. Der Erstere, ein eifriger Sprachreiniger, fand stets Gelegenheit', die in denGesetzentwürfen, in der Textirung der Grundrechte gegen die deutsche Grammatik be-gangenen Sünden zu rügen; der Andere, ein fanatischer Patriot oder „Schwarz-gelber", wie die spöttische Benennung damals lautete, fühlte sich im Gewissen ver-pflichtet, gegen die Namen: Staatsbürger, Staatsangehöriger in den Grundrechtenzu protestiren und an ihrer Stelle überall den Namen „Östreicher" vorzuschlagen.Daß diese mit kindischem Eifer vertheidigten Abänderungen regelmäßig das Haus indie heiterste Stimmung versetzten und ihrem Vertreter nur Spott eimrugen, bedarfkeiner Versicherung. Selbst die Debatte über die Aufhebung des Adels und die Aus-schließung aller Fremden aus der Armee erhitzte die Gemüther nicht in dem Grade,als man bei den herrschenden Neigungen und Abneigungen hätte vermuthen sollen.Der letztgenannte Punkt, die Beschränkung der Kriegsdienste auf Inländer, war un-gleich wichtiger und dem Hofe peinlicher, als die, wie Jedermann voraussah, un-praktische und dem Stande der Dinge nach unmögliche Aufhebung des Adels. JenerPunkt rücksichtlich der Ausländer traf die bestehende Organisation der Armee undhätte, durchgesetzt und konsequent durchgeführt, der berühmten und bewährten östrei-chischen Waffenbrüderschaft, der sichersten Stütze des Thrones, ein Ende gemacht.Die gewöhnlich hervorgehobene Bevorzugung des Adels in den östreichischen Militär-kreisen verdiente keineswegs die Bedeutung, welche ihr von den Demokraten zuge-schrieben wurde: sie fand nur im beschränkten Maße statt und verlor bei der Ver-brüderung, die unter allen Offizieren gleichen Grades herrsck te, alles Gehässige. Umaber Offizier zu werden, bedurfte es in keiner Weise einer Ahnenprobe. Im Gegen-theil hatten in der Artillerie, in den technischen Corps und selbst in der InfanterieBürgerliche die meisten Offizicrstelle» inne. Die Abneigung des Volkes traf aber destomehr die zahlreichen Ausländer, die aus dem „Reiche" und namentlich auch ausEngland kamen, um einem glänzenden Waffendienste, wie ihn die Heiinak meist nichtbot, im östreichischen Heere obzuliegen. Diese hatten natürlich kein näheres östreichischesInteresse, kümmerten sich nicht im geringsten um die politische Wohlfahrt des Staatsund bildeten die lebendigen Träger des Satzes, daß die Armee eine durchaus selbstän-dig abgeschlossene Körperschaft, einen Staat im Staate schaffe. In ihnen schaute manden schroffen Armeegcist, die Helden der unbedingten Disciplin verkörpert. Sie mußtender Regierung jetzt, wo dieselbe weder der ungarischen noch der italienischen Aristo-kratie trauen konnte und von dem zahlreichen polnischen Adel durch eine unausfüll-bare Kluft geschieden war, wo im Schosse des Bürgerthums ferner so gefährlicheRegungen sich zeigten, doppelt werth sei», und ihnen galt daher auch der Hauptangriffdes Reichstags. Noch vor Beginn der Debatte erhob sich der Kriegsminister, GeneralCordon, um gegen den Ausschluß der Ausländer von der Armee zu protestiren.Er verzuckerte die Pille, indem er die Nothwendigkeit der Neubildung einer östrei-chischen Marine hervorhob, zu deren Bemannung und, Führung sich schwerlich diepassenden Kräfte im Anlande finden dürften, und verlangte eine Einschränkung der

48*