208 Westindien.
Pflicht scheinbar im geringsten zu verletzen, wäre es ihm ein Leichtes gewesen, dieUnternehmungen durch seine Nachsicht zu einer gewissen Stärke heranwachsen zu lassen.Weder das böse Gerede in der Heimat, noch die Verlegenheiten, veranlaßt durch dieUnbesonnenheit der Colonialrcgiernng zu Cuba, vermochten ihn von dem Pfade derPflicht abzulenken. Der Oberbefehlshaber der Insel, sicherlich ein Beamter redlichen,friedlichen Charakters, aber wahrscheinlich mehr dafür gemacht, Soldaten zu befehli-gen, als bürgerliche Geschäfte zu leiten, verbot einer ganz unbedeutenden Streitigkeitwegen mit dem Zahlmeister eines Privatdampfschiffes, welcher, wie es scheint, anden ihm zur Last gelegten Ereignissen gar nicht schuld war, den Passagieren undder Post der Union, die sich auf einem Schiffe befanden, jede Verbindung mitdem Lande. Sicherlich ist dies eine höchst sonderbare Weise, den vermeintlichenMisbrauch der Presse, begangen durch den Unterthan einer fremden Macht, imeigenen Lande zu bestrafen. Der Oberbefehlshaber ist bei einer Entfernung über3000 Meilen von seiner Regierung nicht ermächtigt, einen diplomatischen Verkehrmit den Vereinigten Staaten zu unterhalten. Er ist in keiner Beziehung der Lei-tung des spanischen Ministers in Washington untergeordnet, und dem Präsidentenblieb nur die Wahl, entweder mit Gewalt die Handelsverbindung wiederherzustellen,was leicht zu einem Kriege führen könnte, oder die Unterhandlungen mit Madrid ab-zuwarten, welche Wochen und Monate erfodern. In dieser Zwischenzeit sind wirallen möglichen Vorfallenheiten ausgesetzt, die höchst bcklagenswerthc Folgen habenkönnten, und dies Alles einer Kleinigkeit wegen, welche leicht durch eine» Noten-wechsel zwischen Washington und Havana hätte beseitigt werden können. Der Prä-sident hat indessen das Ungemach geduldig ertragen, und ließ Cuba fortwährend mitaller Gewissenhaftigkeit alle die Vortheile der Gesetze des öffentlichen Rechts ange-deihen, denen man sich in diesem Falle entzogen hatte. Die Ereignisse jedoch, welcheich hier berühre, und manche andere, welche immer fortdauern, müssen nothwendigeine Änderung unserer Beziehungen zu Cuba herbeiführe». Der Präsident glaubt,Englands und Frankreichs Einfluß sei gut angewendet, wenn sie Spanien dazu ver-mögen, die Verwaltung Cubas anders einzurichten, sodaß die Jnselregierung selbstdie Mittel hätte, solchen Übeln abzuhelfen, welche sehr viel dazu„beitragen, das Stre-ben nach ungesetzlichen Unternehmungen zu vermehren. Eine Übereinkunft, wie dievorgeschlagene, kann jedenfalls nur vorübergehender Natur sein; sie muß in demunwiderstehlichen Wellenschlag eines jungen Lälides nothwendig zugrunde gehen, wasnach der Ansicht des Präsidenten so offenkundig daliegt, daß man gar keine aus-führliche Beweise anzuführen braucht. Solch ein Project, wenn überhaupt, ist blosin einem Lande wie Europa auszuführen, dessen internationale Beziehungen auf derBasis eines hohen Alterthums beruhen, die sich nach und nach den Verhältnisse»gemäß gestalteten. Amerika, vor kurzem noch eine Wüste, wächst mit ungeheurerSchnelligkeit heran: eS verändert die Territorialbeziehungcn, welche bei seiner Ent-deckung sehr zufälliger Art waren, nach ganz natürliche», einfachen Principien. Der-lei Vorkehrungen sind eine Anomalie in dieser Hemisphäre. Dies wird schon durchVergleichung der Geschichte Amerikas und Europas in einem einzigen Jahrhundertvollkommen bestätigt. Die politische Stellung Frankreichs, Englands und Spanielim Jahre 1752 ist von der jetzigen im Wesentlichen nicht verschieden. Sie war«"alte, herangercifte, befestigte Staaten und hatten ihre herkömmlichen Beziehung*"sowol untereinander als niit der übrigen Welt — die leitenden Mächte des westlich*"und südlichen Europa. Gänzlich verschieden ist der Stand der Dinge in Amerik"'Die Vereinigten Staaten waren als ein Volk nicht vorhanden, sondern bestand*'aus einer Reihe englischer Colonien, die sich längs der Küste hinzogen und »i^über eine Million Einwohner zählten. Frankreich erstreckte sich von der B»*h.des St.-Lorenz bis zum Golf von Mexico, von den AlleghanieS zum MissisÜ^weiter gegen Westen war das Festland eine Wildniß, von wandernden Wilde»wohnt, der Gegenstand streitiger Ansprüche zwischen Frankreich und Spanien."
„In Europa war vcrhältnißmäßig Alles festgesetzt — in Amerika Alles p