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Ostreich
seit der Verleihung der Märzverfassung bis zu ihrer Aufhebung, d)
Die Volkszustände im Frühjahre 1819; Verfassungskämpfe; die octroyirtcn Landesverfassungen.
Äm 15. März 1840 feierte Östreich den Jahrestag der Revolution, gleichzeitig auchdas Dankfest für die am 4. März verliehene Verfassung. Eine lebhafte Theilnahmedes Volks zeigte sich weder für die eine noch für die andere Feier. Die „glorreichenMärztage" festlich zu begehen, verwehrte in Wien der Belagerungszustand, in Pragund in andern Städten der noch nicht gelöste Schrecken über die plötzliche Auf-hebung des Reichstags. Einige im Dunkel der Nacht heimlich auf dem WähringerFriedhof, wo die Opfer der wiener Märztage ruhten, gebrachte Jmmortellenkränze,und eine die gewöhnliche Summe um mehre Proccnt übersteigende Zahl von Ver-haftungen bezeichneten die erstere Feier. Am Dankfestc für die octroyirtc Verfassungsich zu bethciligcn, dazu war weder bei den Liberalen noch bei den Conservativen einebesondere Anregung vorhanden. Jene, wenn sie auch das Gcständniß ablegen muß-ten, daß die Regierung in ihrem Werke dem constitutionellen Geiste noch immereine auffallend große Beachtung geschenkt hatte, mistrauten dennoch der Aufrichtigkeitihrer Absichten und bezweifelten die Dauer auch dieser Verfassung; den Conserva-tiven aber fehlte eine volle Gewißheit darüber, ob wol ein lärmender Enthusiasmusüber dies Verfassungsgeschenk den herrschenden Mächten erwünscht sei, ob nicht viel-mehr eine unwandelbare Gleichmüthigkeit ihrer Loyalität besser entspreche. So ver-einigten sich Freunde und Feinde in dem Vorsätze, den 15. März möglichst stißvorüberziehen zu lassen. Die officiellc Welt, der Hof und das Ministerium an derSpitze, ging den gleichen Weg, wie denn überhaupt, nach dem Hauptschlage vow6. März, das ganze Verfassungsgcschäft für viele Monate ruhte, und vom Vor-züge der Verfassungsbestimmungen, von der Ausarbeitung der verheißenen zahllose"organischen Gesetze auch das feinste Ohr nichts zu hören bekam. Daran war abernicht die Trägheit oder der böse Wille der Regierung schuld. Die deutsche unddie ungarische Frage nahmen eine so drohende Gestalt an, daß sie ^«lle Aufmerk-samkeit und alle Kraft des Ministeriums beanspruchten.
Solange der Reichstag tagte, war die deutsche Frage allseitig als ein lwl>ms tangoi-tz behandelt worden. Einestheils gestatteten die innern AngelegenheitenÖstreichs keine Abschweifung der Aufmerksamkeit auf ein fremdes Gebiet, und da""fühlten sich weder die Freunde noch die Feinde des Anschlusses in dieser Angelegen-heit des Sieges sicher. Sie erwarteten von der Zeit die Lösung der Frage undmeinten, nach der Feststellung der östreichischen Verfassung müsse sich auch das Ves'hältniß zu Deutschland in faßlicher Weise gestalten. Die Regierung zeigte sich gleichfalls, wenigstens in ihrem öffentlichen Auftreten, einer zuwartenden Politik zugetha^'Sie ließ, von dem vorwiegend östreichischen Interesse des Rcichsverwesers überzeug -die frankfurter Nationalversammlung ruhig ihren Weg gehen, sperrte sich nicht gkg^die Erfüllung wenigstens einzelner Bundespflichten, und harrte geduldig des Auge"
*) Die neuere Geschichte des östreichischen Kaiserstaates in ,seiner Gesammtheit ist in stlg „den Artikeln behandelt worden: „Die Märzkatastrophe in Östreich--, im fünften Bande .„Gegenwart" S. 676— 740 - „Östreich seit der Märzrevolution bis zur Eröffnung ^.- - — - — -- - - g ^s Reichstag«
Reichstags", im zehnten Bande, S. 126—175; „Ostreich von Eröffnung des rieeily»^»'^rWien bis zur Oktoberrevolution", im zehnten Bande, S. 229—275; „Östreich st" 740Oktoberrevolution bis zur Auslosung des Reichstags", ebenfalls im zehnten Bande,
— 761. Dem letztem Artikel nun schließt sich eng der vorliegende an. Ein uli^-
mälde, das die gegenwärtigen innern Zustände der östreichischen Monarchie veranscha.wird die Reihe dieser Darstellungen schließen. D.
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