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Eilfter Band.
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315
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Östreich. 315

Steuern in allen Provinzen, solange das Nevolutionsfieber brannte, an Ergiebigkeitverloren, die Armeekosten in das Maßlose sich steigerten. Das östreichische Papier-geld, gegen früher auf einen kleinern Markt beschränkt und dennoch in wenigen Mo-naten um das Doppelte vermehrt, mußten an Werth verlieren. Aber daß die Re-gierung und die Bank das Signal zum Mistrauen gaben, kopfüber gleich die extrem-sten und dennoch erfolglosen Maßregeln ergriffen, kann nicht scharf genug bezeichnetwerden. Von diesem Augenblicke an begann die berüchtigte Agioscala, welche Ostreichin den Augen der Fremden herabsetzen mußte und die Thätigkeit der Regierungin den wichtigste» Angelegenheiten hemmte. Das Agio selbst, welches dem Silberanklebte, war nur der Ausdruck der innern, durch die Schwäche und den unbeküm-merte» Sinn des Finanzministers Kraus verschuldeten Verwirrung der östreichischenGcldwirkhschaft. Durch halbe Maßregeln den schlimmen Zustand der Finanzen ver-decken , um für die Noth des Augenblicks zu sorgen, dabei die schlechte Organisationder Nationalbank unangetastet zu lassen und für die nächsten Monate goldene Bergeversprechen — darin bestand im Grunde die Finanzwcisheit des Ministers, dem keineEigenschaft des tüchtigen, chrenwerthcn Beamten, aber jede des Reformators einesin arge Schuldenlast verwickelten großen Staates abging. Von der herrschenden Nach-lässigkeit im Finanzministerium gibt folgende Thatsache den besten Aufschluß. Nachder Wiederoberung der Lombardei schuf der Staat sogenannte liillelti cli trosoro undmachte alle Zahlungen in Italien halb in Silber, halb in diesen Schatzschcinen, undnahm sie in gleichem Verhältnisse wieder an. Unbegreiflichcrweise wurde den »icht-italienischen Staatskassen die Annahme dieser Schatzscheinc, welche die Stelle der inItalien nicht gangbaren Banknoten vertraten und die Italiener zur Nespectirung desöstreichischen Papiergeldes zwingen sollten, nicht verboten, ja nicht einmal die Hälfteder Zahlung in Silber wie in der Lombardei verlangt. Massenhaft schickten die Jta-liener, diesen Misgriff klug benutzend, die Schatzscheinc nach Trust, und schlugen siehier zu niedrigem Curse los, während sie die Staatskassen in Prag, Laibach u. s. w.zu ihrem vollen Nominalwerthc annahmen. Dort, wo die Staatskasse» diese Scheineempfingen, konnten sie, in der Geliung auf Italien beschränkt, nicht wieder ausge-geben werden; um sie in der Lombardei anzubringen, mußte ebenso viel Silber auf-gekauft werden. So verlor der Staat ungebeiire Summen, und er verbesserte erstdas Versehen, als es viel zu spät war. Ähnliche Züge könnten noch viele auf-gezählt werden.

Im Jahre 1848 selbst war die Geldcalamität noch wenig fühlbar: das Agioüberstieg selten 10°/,, es hob sich erst am Schlüsse des Jahres stetig auf 12—15 °/o.Dann begann aber zur Entwerlhung des Papiergeldes der Mangel an Geldzeichenüberhaupt sich zu gesellen. Dem Silber wanderte das Kupfer in seine unbekanntenVerstecke nach. Auch hier vermehrte die Energielosigkeit des Ministers das vorhandeneÜbel. Schon im Sommer 1848 waren Zwei- und Einguldenscheine ausgegeben worden.Die letzter» wurden nun, um dem Mangel an Scheidemünre abzuhelfen, halbirt undZeviertheilt, und diese Halbe- und Viertelnoten wurden nicht allein an öffentlichenKassen angenommen, sondern es ward auch dem Publicum gestattet, im PrivatverkehrePrivatpapiere zu gebrauchen. Die größer» Communen gingen mit dem Beispielevoran und druckten Zwanzig- und Zthnkreuzerscheine, bei den städtischen Kassen ge-3en das Staatspapiergeld umtausckbar. Dann kamen die bedeutender» Geschäftsleute,Fabrikanten, Bauunternehmer, bis zuletzt jeder kleine Krämer zu eigenem Be-darf Papiergeld im Werthe von einem halben Kreuzer fabricirtc. Die verschiedenendorten des seit dem Sommer 1849 bis in das Jahre 1851 cursirendcn Papier-3sldes aufzuzählen, ja selbst nur das mannichfachc Material der Reihe nach anzu-führen, ist kaum möglich. Außer den sauber gedruckten Krenzcrnotcn der Gemein-en und ansehnlicher Geschäftsleute sah nian bedruckte Kattunstücke, von Daum-vrollfabrikantcn emittirt, Glas-, Eisen-, Blei-, Holzmünzen, Symbole des Ma-^rials, welches der Emittirende in seinem Geschäfte benutzte. Wessen PhantasieEtwa kein neues Material erfand, oder wer größere Anlagekosten scheute, nahm ein