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Eilfter Band.
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314 Ostreich.

Die Finanznoth.

Der Reformeifcr des Ministers des Innern und der Justiz, welcher sich auch

den höchsten Leitern des Unterrichts und des Handels mittheilte, fand dort die ge-

ringste Nacheifcrung, wo ihn die östreichischen Völker am sehnlichsten wünschten, woihn Parteiumtriebe gewiß in keiner Weise gelahmt hätten, nämlich auf dem Gebieteder Finanzen. Man kann es nicht als Reform bezeichnen, daß die Erhebung der i

directen Steuern, welche früher in dem Wirkungskreise der Landstände blieb, nur !

durch kaiserliche Beamte vor sich ging. Dies war die natürliche Consequenz desveränderten Verfassungslebens. Wichtiger war die merkliche Steigerung der Steuer- !kraft des Volks, die unermüdliche Aufsuchung und, was noch erfreulicher war, dieAuffindung neuer Einnahmsquellen. Abgesehen davon, daß die in den deutschenErbländern gültigen Steuern nach der Bezwingung von Ungar» auch auf diese Pro-vinz ausgedehnt wurden, so erhöhte man die Grundsteuer um 33 Durch einneues Stempel- und Registrirungspatcnt ward die Einnahme aus dieser Quelle aufdas Doppelte gebracht, die Branntweinerzeugung höher besteuert und auch auf die Er-zeugung des Rübenzuckers eine neue Steuer gelegt. Am empfindlichsten traf dieErhöhung der Grundsteuer, weil nach dieser Stcucrguote auch der Zuschlag für diespeciellen Landesbedürfnisse und für die Grundentlastungsbeiträge, sowie die Com-munalumlagen bemessen wurden. Trotz dieser beträchtlichen Vermehrung der Ein-nahmen, und obwol die Hülfsmittel des Credits im reichsten Maße benutzt undsuch die möglichste Sparsamkeit in den Ausgaben (die Unterrichtsanstaltcn, das Ge-fängniß- und Justizwcsen mußten am meiste» darunter leiden) eingeführt wurden, soverschwand dennoch die Geldklemme nicht, welche die östreichische Revolution vonallem Anfange begleitete und dieselbe überlebte. Diese Finanznoth dauerte auch fort,als die Regierung die Märzverfassung octroyirte, änderte sich nicht, als sie dieselbeaufhob, ja sie blieb selbst, als die äußere Macht Ostreichs wieder in hohem Glänzestrahlte.

Gewöhnlich, aber durchaus grundlos wird die Schuld an der Entwerlhungdes östreichischen Papiergeldes der Revolution beigemesscn. Diese deckte nur dasÜbel auf, schuf es jedoch nicht. Das jährliche Deficit war schon seil Jahren stetigim Wachsen. Es betrug im Jahre 1843: 12 Millionen; 1846: 15 Millionen;1847: 47 Millionen Gulden. Schon lange vor den Märztagen konnte man auchdas allmälige Schwinden der klingenden Münze aus dem Verkehre, ihre Ansamm-lung in festen Händen (die Thätigkeit der Sparkasse» ist verhältnißmäßig neu, ihreBenutzung durchaus nicht allgemein) oder in einzelnen Provinzen, wie namentlich i»Italien, bemerken. Da aber die Möglichkeit des Umtausches des Papiergeldes ü'Silber Jedem offenstand und ohne Schwierigkeiten jederzeit bewerkstelligt werde»konnte, so machte sich weniger Mistrauen geltend. Die Überzeugung, daß den östrei-chische» Finanzen über kurz oder lang ein schwerer Schlag bevorstehe, war allgemeinund mußte bei nächster Gelegenheit seine praktischen Folgen äußern. Da kamen plöß-lich und gewittergleich die'Märzereignisse. Dem Sinken der Staatspapiere folgte derAndrang an die Bank zur Einlösung des Papiergeldes auf dem Fuße nach, anfangs m^so sehr aus Mistrauen gegen den Werth des Papiergeldes als aus Furcht vor Plün-derung, Raub und ähnlichen Begleitern der Staatsumwälzung. Die Vankdirecl"-ren und das Ministerium, gleich schwach, fanden nur Ein Hülfsmittel: Aufhebungdes Einlösungszwanges und Verbot der Silberausfuhr. Die unmittelbare Fo^*war, daß das Silber und Gold eine Waare wurden und der Werth der Banknote''seine Stetigkeit verlor. Eine größere Umsicht der Bankverwaltung hätte zwar d>Entwerthung des östreichischen Papiers auf die Dauer uicht verhindert. Der Baa*-vorrath der Bank war an und für sich nicht groß, die Stimme der Staatseinnahme'

(sie betrug vor der Revolution durchschnittlich 156 Millionen Gulden) in keine»Verhältniß zu den Ausgaben. Nun kam hinzu, daß Ungarn und die angrenzende«Länder nicht nur nichts eintrugen, sondern riesige Summen verschlangen, die >ta'nischen Provinzen in gleicher Weise als bloße Finanzlast wirkten, die indirec