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Eilfter Band.
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Ostreich. 323

Bestimmt, die öffentliche Meinung zu Gunsten des östreichischen Projects anzure-gen, sprach sie eine von den gewöhnlichen officicllen Kundgebungen verschiedene, ganzungewöhnliche Sprache. Sie redete den deutschen Einheitsbestrebungen das Wortund empfahl die größte Stärkung der Bundesgewalt. In diesem Sinnc war derin der Denkschrift mitgetheilte Entwurf einer deutsche» Zollverfassung gearbeitet.Dieser Entwurf verlieh nicht allein der Bundesgcwalt die ausgedehntesten Rechte, son-dern setzte sich noch in einer andern Beziehung mit den Volkswünschen in Einklang.Er verlangte nämlich die Schöpfung eines Bundesrathes für Handel und Schif-fahrt, eine Art lloard ok onunoil ok tralls, welcher aus den Vertretern des Ge-werbe- und Handclsstandes, und zwar von diesen selbst gewählt, nur zum geringernTheile von den Regierungen ernannt werden sollte. Die ausführlichste Erörterungerhielt in der Denkschrift die ökonomische Seite der Zollvereinigung.

„Handelsfreiheit und Schutzzollsystem bilden nicht im Principe nothwendige Ge-gensätze, und der Kampf zwischen Schutzzoll und Freihandel kann durch die östrei-chisch-deutsche Einigung auf befriedigende Weise gelöst werde». Durch diese Einigungwird den, einen wie dem andern Princip wesentlich Rechnung getragen. Je klei-ner das Land, desto bedenklicher wird der Schutzzoll, desto nothwendiger der Frei-handel; je ausgedehnter dagegen der eigene Markt, desto größer der innere Mit-bewerb; je größer dieser, desto unmöglicher das Monopol, desto niederer die Waaren-Prcise, desto größer auch die Fähigkeit zum Mitbewerb auf dem Weltmärkte."

D!an erkennt aus den angezogenen Stellen der Denkschrift, wie sorgsam Alleshervorgehoben und in ein glänzendes Licht gestellt wurde, was zur Förderung einergünstigen Meinung vom Handclsbundc geeignet erschien. Die deutschen Einheits-freunde, die Anhänger der alten Bundesverfassung, die eifrigen Schutzzollner, dienorddeutschen Freihändler, Alle wurden der Reihe nach mit dem allseitigen Vorthei-len der Zollvereinigung bekannt gemacht. Es fand auch Druck in vielen Kreiseneine begeisterte Anerkennung: die Gegner des Ministeriums nahmen ihn stets Nament-lich aus, wenn sie gegen die Cabinetspolitik tadelnd auftraten; den Freunden dcSMinisteriums diente er als Schild, die Angriffe der Feinde gegen die geringe Be-rücksichtigung moderner Interessen im Miuistcrrathc abzuhalten. Von seiner Thätig-keit erwartete man die Besserung der Finanzverhältniffe, und ihm wurden alle kräfti-gen, liberalen Maßregeln der Regierung bereitwillig zugeschrieben. Nur der Kreis deröstreichischen Industriellen zeigte einen geringern Grad von Bewunderung für Bruck'sNrformplanc. Die Zollvereinigung durfte zwar, da sie theilweise aus rein politi-schen Motiven angestrebt wurde, nicht offen bekämpft werden; dagegen stieß dieangekündigte Umwandlung des Prohibitivsystem in ein Schutzzollsystem auf einendesto deftigern Widerspruch. Die zahlreichen privaten Kundgebungen, welche sich indieser Richtung geltend machten, anzuführen, ist nicht füglich zulässig. Doch besitzenAr auch ofsicielle Documcntc, die sich in gleichem Sinnc äußern, so z. B. dieDenkschrift der böhmischen Industriellen und den Jahresbericht vom Jahre 1849 dersvieiicr Handelskammer. Beide vertheidigen das Prohibitivsystem und sehen der Ein-führung des bloßen Schutzzolles mit„Bangcn entgegen.

Daß das Prohibitivsystem in Ostreich keine glänzenden Resultate herbeigeführtAt-'c, konnte wol nicht abgeleugnet werden. Man machte aber dafür nicht dasSystem, sondern seine mangelhafte Handhabung verantwortlich. Der Mangel an8"ten Volks- und Realschulen, die früher herrschende ungleiche Stcuerverthcilung,^ unverhältnißmäßige Belastung der landwirthschaftlichen Bevölkerung, das Mis-^uc» gegen die Solidität der östreichischen Gcldwirthschaft, welches der Industriedem Handel alle Capitalien entzog, um sie womöglich im Besitz von GrundBoden zu sichern, die »»patriotische Vorliebe des Ädels und der Reiche» fürAusländische Erzeugnisse, die schlechte Douanc: diese Umstände bedingten »ach der^usicht der- böhmischen Industriellen den ungenügenden Erfolg des Prohibitivsystemsu Östreichs Handel ohnehin nur ein passiver sei, so würde, schloffen Dieselben wei-