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Eilfter Band.
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322 Ostreich.

Tragweite unsers Vorhabens und der zu seiner Ausführung gefaßten Beschlüsse weitbelangreicher. Was wir anstreben, ist nicht eine bloße Annäherung, sondern eineenge Verbindung, eine Zoll- und Handelscinigung im vollen Sinne des Wortes, da-her dieselbe auch nicht mit dem Zollvereine allein, sondern mit ganz Deutschland be-werkstelligt werden muß. Für die Lösung dieser Aufgabe kann es nicht als genü-gend erscheinen, uns mit der preußischen Regierung in eine specielle Verhandlungüber diesen Gegenstand einzulassen. An dem obersten Ccntralorgane des Bundes istes, die Einleitung einer Verständigung über diese wichtige, ganz Deutschland ge-meinsame Angelegenheit zu übernehmen." Gleichzeitig legte auch die „Wiener Zeitung"Verwahrung ein gegen den Vorschlag, als sollten auf dem nach Frankfurt zu beru-fenden Zollcongresse nur Östreich, Preußen und Hannover als Vertreter des östrei-chischen Handelssystems, des Zoll- und deS Stcuervercins thätig auftreten, die Ge-sandten der übrigen Staaten dagegen blos zur Mittheilung von Erläuterungen zuge-lassen werden. Östreich verlangte im Gegentheile die Berufung aller deutschen Staa-ten zur gleichmäßige» Theilnahme an den Verhandlungen. Ausführlicher und be-stimmter sprach sich die Denkschrift des Handelöministcrs vom 30. Dec. 18i9 auS,welche gleichzeitig mit der Depesche des Fürsten Schwarzenberg den,, deutschen Re-gierungen übersendet wurde. Sie wiederholte die Ankündigung des Überganges ausdem Prohibitiv- in das Schutzzollsystem in Östreich selbst, wodurch das größte Hin-derniß der Vereinbarung mit dem schutzzöllnerischen Deutschland beseitigt und gleich-zeitig die volle Garantie der ernsten Absichten Östreichs gegeben werden sollte. Diesewurden nämlich von Preußen stark bezweifelt. Die Verhältnisse, meinten die preu-ßischen Staatsmänner, wären auf beide» Seiten nicht gleich, der ganze Plan blosauf die Vermehrung der politischen Macht Östreichs berechnet. Die Denkschrift gingdann auf eine Kritik des Zollvereins ein, welchem sie die allzu große Stabilitätdes Tarifs und die geringe Rücksicht auf den Arbcitswerth der Waaren bei dtNTarifansätzen vorwarf, und suchte zu beweisen, die Abneigung des Steuervereins ge-gen den Anschluß würde im Falle der Verwirklichung eines östreichisch-deutschen Zoll-verbandes ihre Schärfe verlieren. Östreich hatte bereits mit Parma und Modenaeinen Handclstractat abgeschlossen und die Schiffahrt auf dem Po regulirt. Nichtmit den eigenen Provinzen allein, sondern mit den ihm zollverbündeten italienischeLändern wollte es in den Zollverband eintreten, damit sollte namentlich der Steuer-verein gelockt werden. „Wenn die norddeutschen Küstenstaaten", erklärte Bruch„Bedenken tragen, die eigenthümlichen Vortheile ihrer bisherigen Lage wenigstemtheilwcise gegen die Vortheile aufzugeben, welche der Anschluß an den Zollverein/also an ein Gebiet von 29 Millionen Einwohnern, ihnen ohne Zweifel zum Entgehgebracht habe» würde, so ändert sich dies Verhältniß bedeutend, wenn der Anschü^an ein Gebiet von 70 Millionen Bewohnern zum freien innern Verkehr in Fr^!steht. Ihre günstigen Handelsbeziehungen zu England und Amerika bleiben dab^ungeschmälert, ja durch das Gewicht und die Anziehungskraft des ungeheuern 'tcs, den sie hinter sich haben, würden sie sich noch beträchtlich erhöhen. DerHauptthcil und die Mitte von Europa würde ihren, Verkehre eröffnet." Um du^eine» plötzlichen Systemwechscl einzelne Interessen nicht allzu sehr zu verletzen, sollte dewirklichen und förmlichen Zollvereinigung eine vielgcgliederte Übergangsperiode veangehen. In dieselbe fielen unmittelbare Erleichterungen des GrenzverkehrS und dErcnzbewachung, Regelung der Fluß- und Seeschiffahrt nach übereinstimmendGrundsätzen, gleiche Behandlung der Schiffe in den beiderseitigen Häfen, Vereinrung in Bezug auf Post-, Eisenbahn- und Telcgraphenwesen, Erleichterungen .dem gegenseitigen Austausche der eigenen Erzeugnisse, so z. B. zollfreier AustaMaller Rohstoffe bei der Ein- und Ausfuhr u. s. w. Eine Zollconferenz s^^ t-Modalitäten dieser Übergangsperiode feststellen und den allgemeinen östreichisch^scheu Zolltarif vorbereiten. ^li>

Eine noch gründlichere und allseitigere Beleuchtung erhielt die Frage dfrVereinigung in einer zweiten Denkschrift des HandelSministers vom 30. Mar i