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mich im Elende, am Bettelstäbe, von meiner einzigen Tochter geführt, zu sehen."Bezeichnend waren ebenso zwei andere Thatsachen. Die pcsther Garnison verab-schiedete sich von ihrem Führer mit Feierlichkeit, gleichsam als wollte sie ihm be-weisen, daß die Armee von seiner Leitung anders denke als das Ministerium; wiedenn das Organ der Armee, der „Soldatenfreund", einen heftigen Artikel gegendie Regierung brachte und Haynau's Absetzung mit Wallenstcin's Geschi^Averglich.Von der magyarischen Bevölkerung Pesths und anderer Städte wurde gleichfallsHaynau's Abberufung nicht mit Jubel aufgenommen; im Gegentheil wurden man-nichfachc Beweise von Sympathien für den kurz zuvor grimmig gehaßten Gewalt-haber offenbar. Viel trug zu dieser veränderten Stimmung der letzte große Gna-denact Haynau's bei. Auch das Gerücht, Haynau habe allmälig immer günstigervon dem ungarischen Lande und Volke denken gelernt und dessen Interessen mitWärme in Wien vertreten, mochte an den Eisens, welche am Vorabende vor seinerAbreise ihm von der pcsther Bevölkerung zugerufen wurden, Antheil haben. Vor-zugsweise aber lag dieser Umstinnnung in dem öffentlichen Urtheile der Umstandzugrunde, daß man an Haynau's Absetzung keinen Wechsel in der Negierungs-politik gegen Ungarn knüpfen konnte, vielmehr die Gewißheit besaß, im Wesentlichenund Sachlichen werde die bisherige Verwaltungsweisc beibehalten bleiben. In derThat wurde auch von dem Ministerium keine neue Maßregel ergriffen. An Hay-nau's Stelle trat am 16. Sept. 1850 Erzherzog Albrecht als Civil- und Militär-gouverneur; aber nach wie vor herrschte das Kriegsgesetz, wurden die Theilnch-mer an der ungarischen Revolution verfolgt und alle Regungen der nationalen Op'Position unterdrückt. Nur massenhafte Verurtheilungcn kamen nicht mehr vor, u"dTodesstrafen, wo dieselben noch verhängt wurden, wie am 22. Sept. 1850 überKossuth und 55 seiner wichtigsten Anhänger, betrafen nur Männer, welche vom Arn>der Militärgerichte nicht mehr erreicht werden konnten. Am längsten währte es, eheder ungarische Dolksgeift von seinen alten, gewöhnlich aber auch veralteten nationalenInstitutionen und Nechtsgcwohnhcitcn abgelöst und zu den modernen bureankratischc"Einrichtungen übergeführt wurde. Um das Institut der Grundbücher auf ungarischen'Boden heimisch zu machen, mußten förmliche Prämien ausgesetzt werden; um dengeregelten Gang der Verwaltung zu sichern, blieb kein anderer Ausweg übrig, alsBeamtcncolonien nach Ungarn zu verpflanzen. Und selbst diese Musterbeamtcn, ohn^Kenntniß der Landessprache und der LandeSsittcn, ohne Einfluß auf das Volk »nohne Achtung bei der nationalen Aristokratie, waren nicht immer im Stande, ^Mandat zu vollziehen und die äußere Ordnung zu erhalten.
Vor allem fand das neue Besteuerungswcsen und die Einführung des
backsmonopolS nur mühsam, und erst nachdem der Stock und der Kerker zur
Wirkung aufgeboten worden, Eingang in Ungarn. Mehr noch als das Verbot de
freien Handels mit Taback reizte die Plackerei, welcher die Tabacksbauern fortanterworfen waren, die lästige Aufsicht der Finanzwächter, die nothwendig in T^pl
guckerei ausarten mußte und dem Bauer einen gehässigen Vormund in StubeScheune und auf das Feld setzte. Doch that die Regierung recht, daß sie sich ^die augenblickliche Unpopularität dieser Finanzniaßregel nicht kehrte, und alle Derkch .schranken, alle materiellen Verschiedenheiten in der ökonomischen Behandlungund der übrigen Kronländer aufhob. Das Niederreißen der Zwischenzolllinie anungarischen Grenze ist zwar die einzige, aber gleichzeitig die wichtigste positivercgel, welche in den ersten Jahren nach der Revolution zur engern VerbindunggarnS mit dem Hauptlande ergriffen wurde. Sie hatte den besten Erfolg, ,gensprach auch den übrigen Reformen im Sinne der Centralisation und zuder Staatseinheit ein gutes Gedeihen. Erst im Jahre 1855 kam die neue SMaschine in Ungarn in vollständigen Gang. Wie sie wirkt, ob sie im Stand ,die ihr entgegenstehenden Hindernisse rasch und kräftig zu beseitigen, wird diekunft lehren.