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Eilfter Band.
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Die englische Literatur.

Wie ein weites Blachseid, wie eine niederländische Landschaft streckt sich derRoman in die moderne Literatur herein. Wo bewundern wir Goethe mehr als da,wo der herrliche Strom seiner Poesie schon breit und behäbig der niederländischenEbene zustrebt; wo er es sich, wie im „Wilhelm Meister" oder in der abgeklärtenProsa der „Wahlverwandtschaften", bequem macht und Culturprobleme zu lösen an-fängt! Ebenso war Scott am größten in dem Roman; eine Erscheinung, welchesich in Deutschland an Zmmermann, den Platen gewiß niemals persiflirt haben würde,wenn er seinen „Münchhausen" noch hätte lesen können, wiederholt.

Und auch in der Epigonenperiode der englischen Literatur, von welcher wir reden,ist der Roman, der Socialroman, dasjenige Genre, bei dem wir mit der vollstenBefriedigung verweilen können; denn wir werden auf diesem Felde endlich der Un-' Wahrheiten, der Illusionen los und ledig. Diese englischen Romane spiegeln uns dieenglischen Zustände objectiv, wie sie sind; ihre Autoren haben den Muth, der Cul-turperiode, in welcher wir lebe», den Spiegel vorzuhalten. Sie wagen es, wahr zusein, und das ist ihre Weisheit. Thatsache ist, daß, seitdem mit dem Tode Georg's IV.(1330) und dann, in noch höhcrm Grade, mit der Thronbesteigung der KöniginVictoria (1337)*), Hof und Regierung einen respectabeln Mittelpunkt der Ge-sellschaft zu geben angefangen haben, London, die große Hauptstadt des Insel-reichs und seiner Colonicn, die Metropole des Welthandels, mehr und mehr gei-stige Metropole, bestimmender Factor auch für die Literatur zu werden beginnt. Auchfür England bricht nachgerade eine Periode der Centralisation an; das Lebcnsblutzieht sich mehr und mehr aus den Gliedern zurück und fängt an, sich an dem Mit-telpunkte des Lebens zu concentrircn. Es bedeutet dies freilich den Byzantinismusund das Las-Lmpiro, und wie gerade Byzanz das Mosaik cultivirte, so werdenwir auch in der Socialnovelle etwas Mosaik und also einen byzantinischen Zug fln-den. Allein es ist hier der Byzantinismus, die Corruption, welche ihre Cur in sichselbst trägt; der Humbug wird in dieser Romanwelk in seiner humoristischen Auf-lösung dargestellt.

Der Humor ist ein fast wesentliches Ingredienz des modernen englischen Rv'mans geworden — fast Surrogat der Poesie, möchten wir sagen. In dem Pedan-tismus des englischen Gesellschastslebens bildet er den eigentlichen Levcller, denwahren Glcichmacher. Dieser neuere Roman ist wesentlich Gesellschaftskritik, anden Faden imaginärer Begebenheit und erdichteter Persönlichkeiten angereiht. Alssolche ist er aber mehr Satire als Poesie. Und so kann denn der Humor nichtfehlen; denn er bringt Poesie in die Verstandesschärfe Prosa und verhindert durchseine sprühende Frische das Aufkommen sentimentaler Monotonie, elegischer Sent>'Mentalität über den Verfall des Lebens und seiner Zustände. In den Rissen d"szerfallenden Mauerwerks des politisch-socialen Organismus von England nistet dic'ses Literaturgcnre; es geht den Dingen auf den Grund und verhält sich anlag"'nistisch gegen eine Romantik, welche keinen Boden an der Wirklichkeit mehr h"^Aber trotz der „sackzwillichnen" Prosa, die ihr allerdings zuweilen eigen, weist dc»doch diese musivische Genremalerei wieder über sich selbst hinaus. So z. B. in Dick""„vlealc-kouso", noch mehr aber in dessen, von dem Publicum aller Stände zwar v"schlungcnen, aber nichtsdestoweniger von der vorurthcilsvollen englischen Tendenzkritik 1sehr unterschätzten „ Ilarcl limos ", die man als ein eigentliches sociales Frescobild beze>"nen kann. .

Es ist eigenthümlich, wie fleißig seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts A"velle und Roman in England von Damen cultivirt worden sind. Von Mad"'^d'Arblay (geb. 1752), Mrs. Opie, Miß Jnchbald und Miß Edgeworth an tr

*) Es ist ganz und gar nicht unkritisch uon Spaltung, dic Literatur nach den RegierungPerioden der Könige und Königinnen -einzutheilen; denn bei dem überwiegenden Vmn ^welchen in England der Hof auf die Sitten und da« gesellschaftliche Leben äußert, >v"auch immer für die Literatur eine Art von bestimmender Macht bilden-

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