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Deutschland.
Seine Eröffnungsbotschaft bestand in einer kurzen und trockenen Darlegung der be-kannten Vorgänge und in einer Mittheilung der Gcsetzesvorlagcn, worüber die Ver-sammlung in Berathung treten sollte. Außer der Verfassung und den, Wahlgesetzewurden Gesetzentwürfe über die Einrichtung und Thätigkeit des Reichsgerichts undeine Additionalacte angekündigt. Da nämlich einzelne Bestimmungen so lange nichtzur vollen Geltung gelangen könnten, als das Gebiet des Bundcsstaats nicht alle inder Ncichsverfassung genannten Staaten umfasse (entweder weil die bezüglichen Pa-ragraphen des Entwurfs die Theilnahme aller dieser Staaten an dem Bundesstaateausdrücklich voraussetzten oder weil das fortbestehende Verhältniß zum Deutschen Bundebesonderer Wahrung bedürfte) und als die bestehenden Zoll- und Handelsverträgeder Bildung eines einheitlichen Zoll- und Handelsgebiets noch entgegenstünden) soseien die als nothwendig erscheinenden tranfitorischcn Bestimmungen in einer Additional-actc zusammengestellt worden. Räch dieser Acte hieß die Gesammtheit der Staaten,welche den Bundesstaat bildeten, die „Deutsche Union". Das Verhältniß dieserUnion zu den nicht bcitretendcn Staaten sollte der nähern Verständigung vorbehaltenbleiben. Das der Unionsgewalt zustehende Recht des Kriegs und Friedens sollte denaiuicr der Union verbleibenden deutschen Staaten gegenüber nicht ausgeübt werden,vielmehr im Verhältniß zu ihnen die den Landfrieden betreffenden Bestimmungen derBundesgcsetzgebung von 1815 in Kraft bleiben. Die übrigen Bestimmungen überdie Bestellung des Fürstencollegiums und des Staatenhauses ergaben sich von selbstaus dem beschränkter» Umfange des Bundesstaats.
Nach der Eröffnung begaben sich die Mitglieder beider Häuser in die August!'nerkirchc, deren ehrwürdige Räume für den neuen parlamentarischen Zweck bequemund gefällig hergerichtet waren. Zunächst begannen die unvermcidllchen Formalicn,die Wahlprüfungcn und die Constituirung der beiden Häuser. In, Volkshause wardSimson, im Staatcnhause Rudolf von Auerswald zum Vorsitzenden erwählt, einResultat, daS über die Richtung der Mehrheit in beiden Versammlungen einen un-zweideutigen Fingerzeig gab. Alles war gespannt, wie sich nun die Organe desVerwaltungsraths vernehmen lassen würden. Die bundesstaatliche Partei hatte siebrasch zusammengefunden und organisirt, und ihre Losung war, wie man von alle»Seiten höre» konnte, schon vor der Eröffnung des Reichstags: ungesäumte Erledi-gung der Geschäfte, Annahme der Vcrfassungsvorlagen en l,loo. Die öffentlicheMeinung sah darin einen erfreulichen Beweis, daß man den Fehler der frankfurterVersammlung, die Zeit über endlosen Principicnstreitigkeitcn zu verlieren, glücklichvermeiden wolle.
Aber von Berlin lauteten die Nachrichten nicht eben günstig. Währendfangs das Gerücht aufgetaucht war, die Regierung selbst wolle dort die Annah"^
su liliio beantragen, ward dies von anderer Seite mit Grund in Zweifel gczoge"'
Es schien vielmehr, als fürchte man dort nun selbst die Conscqucnzen des Reich '
tags; die Thätigkeit der Gegner war offenbar nicht ohne Wirkung geblieben, die
freundlichen Mienen des Auslandes hatten Eindruck gemacht. Auf die Metst^der in Erfurt versammelten Männer blieb eine aus russischer Quelle hervorgega"^!,Flugschrift, „Gedcnkblättcr für preußische Deputirte", ohne Wirkung; aber inschien die dort unverblümt ausgesprochene Drohung, Rußland werde eine Abweist,,von den Verträgen von 4815 nicht zulasse», auf fruchtbaren Boden gefalle»Wenigstens suchte man vergebens in den Mienen und Äußerungen der preE'^,stegicrungsmänncr und der Leiter der Union jene vertrauensvolle und muth'S^verficht, die „ach hm frühern Reden und nach chcm Beschlusse, den Reichst.zuberufen, erwartet werden durfte. Um so ungeduldiger sah man der ersten aMt'Eröffnung über den Stand der VcrfassungSangclegcnhcit entgegen. ,
Am 26. März ergriff Nadowitz das Wort, um dem Vvlkshause nii-
zu machen über den Ltand der deutschen Verfassungsangclcgenheit. Mit se,
tcster Aufmerksamkeit, unter lautem Beifallsruf, der fast jeden Satz ^ ^rhörte die Versammlung auf seine Eröffnungen. Mit der ganzen Meisterst»"