Deutschland. 489
Rorm, die ihm zugebote stand, wußte der Redner die jüngste Vergangenheit derpreußischen Politik im glänzenden Lichte einer redlichen und entschlossenen Haltungdarzustellen, die Vorwürfe der Gegner abzuwehren, alle die patriotischen Saiten an-zuschlagen, die sich von dem Gedanken der nationalen Einigung berühren ließen,^achdem er den Gang der preußischen Verhandlungen geschildert, die bundesstaatlichePolitik gegen die Anklagen ihrer Gegner vertheidigt und darauf hingewiesen, wiediese Politik allein die deutsche Einheit herstellen könne, ohne die überlieferte Man»uichfaltigkeit zu stören, wandte er sich in etwas herbem Tone gegen die Vorwürfe,dir man noch jüngst (in der würtembcrgischcn Thronrede) habe vernehmen müssen,vorwürfe, die an der Stelle, wo sie ausgesprochen worden, ebenso „schwer zu be°Weisen als zu rechtfertigen seien", und warf einen Seitenblick auf „die Höfej dieirü dem Falle des deutschen Kaiserreichs den Königstitel erworben haben", und auf'hre Abneigung, zum Werke der Einigung die nothwendigen Opfer zu bringen,während diese den Beitritt ablehnten, hätten die hannoverische und die sächsische Regie-rung per feiern Mitwirkung sich entzogen. „Wir erkennen die Berechtigung zu>eser Handlung seitens dieser Staaten nicht an, sondern haben dagegen die statuten-mäßige Klage erhoben." Nadowih vertheidigte dann Preußen gegen den Vorwurf,un verflossenen Jahre nicht rechtzeitig die bedrängte Lage der Gegner benutzt zu ha-^^eußen", sagte er, „schlägt die Einigung des großen Vaterlandes, die end-> ^ "!^ung der Sehnsucht alter deutschen Herzen, sehr hoch an, aber die EhreUo uorh böhcr. Will mcin dies romantisch nennen, so nenne ich es
gewissenhaft und ehrlich, und dieses währt am längsten."_ „Wir werden noch
^>cht das große einige Deutschland erstehen sehen, aber wir können ein größereseulschiand, einen ausgedehnter» staatlichen Verband der deutschen Stämme schaffen,ihn bisher unsere Geschichte ausgewiesen. Wir wollen und dürfen keine deutscheLegierung gegen ihren völlig freien Willen drängen, sich uns anzuschließen, abercm,^*fen und wollen nicht zugeben, daß irgendeine daran gehindert werde."....i« . haben eine nächste Pflicht, eine unabweisliche Aufgabe zu lösen. Gelingt eszwischen den Bemühungen aller Regierungen, die Verfassung des völkerrechtlichen^wdeß in erneuerter Gestalt herzustellen, so wird der Bundcsstaat in derselben dengebührenden Platz einzunehmen haben. Die Aufgabe, die uns hier vorliegt, ist,^r keine geringere geworden, sondern eine dringendere; sie bietet mehr Mühen^.Weniger Glanz; sie fodert mehr Selbstverleugnung und gewährt weniger Sclbst-z^iedjgung; sie verweist noch mehr auf die Zukunft als auf die Gegenwart; aber^ Geschichte krönt nicht das Leichte und Begueme, sondern das durch harte An-^gung „nd lange Entbehrung Verdiente."
^ Der rhetorische Effect der Rede war vollständig; fast kein Satz war ohne Ap.^ "6 gehört worden, und durstig lauschte man jedem Worte, das eine entschlossenekonsequente Politik anzudeuten schien. Die Stelle namentlich gegen die wür-^„°ktgjsche Thronrede und die Nheinbundfürsten war mit stürmischem Zuruf auf»mM"w,cu worden. Als man sich nach dem blendenden Eindruck des Augenblicks!>ih^ fragte, was denn gesagt und versprochen worden, so mußte man freilich>i,i^ gestehen, daß aus der ganzen Rede auch nicht eine Silbe die künftige Po-ln,, Preußens klar und unzweideutig beleuchtete, vielmehr mit wahrer Kunst Alles! föy^^kn wäre, was über die eigentliche Frage deß Tages hätte Licht verbreiten! °n. Darum erkaltete denn auch der Eindruck der Rede mit jeder Stunde mehr,
dgß ging eine trübe Ahnung durch die Gemüther der Freunde des Bundesstaats,l A. B^lin ein klarer Plan nicht entworfen sei, man vielmehr zwischen Festhaltenbfallen rathlos hin- und herschwankc.
Sey ..'kse Ahnungen erhielten eine peinliche Bestätigung durch die ersten Eröffnun-M ^ Radowitz dem Verfaffungsausschussc machte. Die Verfassung, hieß es da,^er>m^ sie vorliege, den Regierungen nicht mehr genehm: sie bedürfe einer Ab»^fährd ^ Annahme sn bloo könne nur das Gelingen des ganzen Werks
eine ins Einzelne gehende Revisioü sei dringend 'nöthig. Ja es wurde