Band 
Eilfter Band.
Seite
493
JPEG-Download
 

Deutschland. 193

Wunder, wenn schon jetzt die an Abfall denkenden Glieder des Bundes kaum einHehl daraus machten, daß sie sich nicht mehr für gebunden ansähen. Kurhessensprach in einer Note von, 13. April an seinen Geschäftsträger am preußischen Hofeüber den Bundcsstaat ähnliche Bedenken und Vorbehalte aus wie früher SachsenUnd Hannover, und erklärte, es müsse die Vertagung des erfurter Parlaments bean-tragen, damit vor dem Abschlüsse des dort in Frage stehenden Verfassungswerksdiejenigen Verhandlungen eintreten könnten, welche sich nach den Vorschlägen desMünchener Entwurfs als unabweisbar darstellten.

Es mochte dies Letzte wol dafür den Ausschlag geben im Rathe der preußi-schen Staatsmänner, sich der unbequem gewordenen Versammlung zu entledigen.Man zog eine der Gesetzesvorlagen zurück, und am 29. April wurden beide Häuseröusammenbcrufen, um eine Botschaft zu vernehmen. Die Botschaft erklärte „dieseSitzung des Parlaments für geschlossen". Die gefaßten Beschlüsse, hieß es, werdeder Verwaltungsrath unverzüglich „zur Kenntniß und schließlichen Erklärung derLegierungen bringen". Die Arbeit des Parlaments sei damit zur Zeit beendigt;doch behalte sich der Verwaltungsrath dessen Wicdcreinberufung vor und danke denversammelten Männern für den patriotischen Sinn und den ernsten Willen, den siebei der Revision der Verfassung kundgegeben hätten. „Der Vcrwaltungsrath em-pfange diese Resultate in dem durch sie gestärkten Glauben an eine gedeihliche Lö-ftlng der großen politischen Aufgabe, welche die verbündeten Regierungen in bemBewußtsein ihrer Pflichten und Zusage» sich gestellt haben, und er begleitet sie mitdem aufrichtigen Wunsche, daß das Verfassungswerk in seiner Vollendung die An-erkennung finden möge, die es im wahren Interesse aller Theile in Anspruch zuNehmen hall"

Mit dftscm kühlen Abschiede ward die Versammlung entlassen, in dem Augen-ückc, wo Ostreich sich anschickte, das Plenum des alten Bundes nach FrankfurtEinzuberufen. Im Kreise der fürstlichen Unionsfreunde (man nannte besonders denAerzvg von Kobürg - Gotha) tauchte nun der Vorschlag auf und fand i» Berlin""kifall, einen Fürstencongreß zu veranlassen, um dort die Stimmungen der Einzelnensv Prüfen, vielleicht den gelockerten Bund wieder fester zu knüpfen. Zum 8. Maib'ard die Zusammenkunft der verbündeten Fürsten angekündigt, und die officielle^eußjsche Presse versicherte, es handle sich darum, die Union als eine fertige That-^che hinzustellen, damit sie bei der Reorganisation des weitem Bundes als existi-^"der und berechtigter Faccor ihre angemessene Stellung finde. Zugleich beschloß^ Verwaltungsrath, indem er den Regierungen die Beschlüsse von Erfurt vorlegte,^>»it „den Ausdruck der tiefen Überzeugung zu verbinden, daß die glückliche Wen-der vaterländischen Geschichte in der Herstellung des deutschen Bundcsstaatsschloffen liege, und daß das entschiedene Fortgehen auf dem betretenen Wege die"bige Erreichung dieses Zieles am sichersten verbürgen werde",h In der That waren am 8. Mai fast sämmtliche verbündete Fürsten in Berlin-üiwnielt. Nur die Könige von Sachsen und Hannover fehlten; die Regenten von^sse» Darmstadt und Nassau hatten die Einladung nicht abgelehnt, sich aber ent-' ^^bigt. Die Anfänge erschienen nicht ungünstig für die buudesstaatlichc Sache.König von Preußen, so hörte man, habe sich in entschiedener Weise gegen dietz?'^>cku,ig des frankfurter „Congresses" ausgesprochen, und es ward zugleich eine^ssche Note bekannt, welche die östreichische Einladung nach Frankfurt mit einem^ lchiedcntn Proteste beantwortete. Der Protest richtete sich gegen das Ansinnendem Congrefse in Frankfurt den Charakter der frühern Bundesversanim-I beizulegen und die alten Präfidialbcfugnisse wieder in Anspruch zu nehmen.

! djx pichen! Sinne äußerte sich auch der König und fügte die Hoffnung bei. daß^Nin Mundeten Fürsten sich um so inniger an die nun definitiv zu begründende! " "»schließen würden.

I ßka g^s sonst neben den prunkenden Festlichkeiten im vertrauten Kreise der Für-ernstes verhandelt worden ist, davon gelangte natürlich Weniges an bie ^Ee»t.